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Doch noch ein Porsche in der DTM? Speed Monkeys "wirklich optimistisch"

Wie es durch das Essener Speed-Monkeys-Team und DTM-Trophy-Champion Tim Heinemann doch noch gelingen könnte, dass erstmals ein Porsche in der DTM startet

Doch noch ein Porsche in der DTM? Speed Monkeys "wirklich optimistisch"

Kommt es doch noch zu einem Porsche-Einsatz in der DTM? DTM-Boss Gerhard Berger meinte zwar zuletzt bei 'ran.de' im Podcast, dass er Porsche "nicht mehr am Radar" habe, doch laut Informationen von 'Motorsport.com' wird hinter den Kulissen intensiv an einem Projekt mit dem 911 GT3 R gearbeitet.

Motor hinter den Bemühungen ist das Essener Speed-Monkeys-Team von Christian Bracke, das bereits den Einsatz von zwei Porsche 718 Cayman GT4 in der DTM-Trophy bestätigt hat.

"Jetzt wollen wir der erste Porsche in der DTM sein", sagt Bracke im Gespräch mit 'Motorsport.com'. "Und so wie es aktuell aussieht, würde es dieses Jahr auch der einzige sein."

"Wirklich optimistisch, dass es machbar ist"

Auch einen "interessanten Fahrer" habe man bereits gefunden: Es handelt sich dabei um Tim Heinemann, den 23-jährigen Meister der DTM-Trophy. "Da wir dieses Jahr auch in die DTM-Trophy einsteigen, war es uns wichtig, dass es zwischen den beiden Projekten eine Schnittstelle gibt", erklärt Bracke.

Doch auf welchem Stand ist das Porsche-Projekt von Speed Monkeys? "Wir befinden uns in einer weit fortgeschrittenen Planungsphase", stellt der Teamchef klar. "Das Budget für die Saison ist das große Thema. Ein Teil steht bereits. Und wir befinden uns in positiven Gesprächen mit potenziellen Partnern, die uns wirklich optimistisch stimmen, dass es machbar ist."

Kauf eines 911 GT3 R als große Herausforderung

Eine weitere Hürde: Der Porsche 911 GT3, von dem 83 Fahrzeuge in Umlauf sind, ist aktuell ausverkauft und wir nicht mehr neu hergestellt, weil man sich in Weissach auf die Entwicklung des Nachfolgemodells konzentriert. Daher muss das Speed-Monkeys-Team ein gebrauchtes Auto auftreiben.

"Wir haben das Gespräch mit Porsche gesucht", erklärt Bracke. "Porsche hat mehr oder weniger abgewunken und gesagt: Es gibt kein Auto auf dem Markt. Wir haben trotzdem unser Netzwerk bemüht - und siehe da: Auf einmal steht da ein Auto zum Verkauf. Wir sind noch in den finalen Verhandlungen, aber wenn es klappt, werden wir es diese Woche kaufen."

 

Christian Bracke

Der 41-jährige Ex-Rennfahrer Christian Bracke leitet das Speed-Monkeys-Team

Foto: Speed Monkeys

Den Boliden würde man auf jeden Fall erwerben - und im Fall eines Scheitern des DTM-Projekts in einer anderen Serie einsetzen. "Der Fokus liegt aber ganz klar auf der DTM", lässt Bracke keinen Zweifel an den Ambitionen des Teams. "Wenn die Finanzierung jetzt stehen würde und der Autokauf klappt, könnte ich morgen sagen: Wir sind startklar!" Porsche liefert als Support einen Ingenieur.

"Hätte gesagt, du spinnst": Wie es zum DTM-Projekt kam

Dabei hatte es vor einigen Monaten noch gar nicht danach ausgesehen, dass das 2017 von Ex-Porsche-Junior Lance David Arnold und Ex-Black-Falcon- und Car-Collection-Pilot Bracke gegründete Speed-Monkeys-Team, das sich mit Nachwuchsförderung und zwei Titeln im Porsche-Sportscup einen Namen gemacht hat, tatsächlich den Sprung in die DTM wagen würde. "Wenn mir das jemand vor drei Monaten gesagt hätte, dann hätte ich gesagt: Du spinnst doch!", bestätigt Bracke.

Doch im Zuge einer Umstrukturierung Ende 2020, bei der Arnold wegen Zeitmangels das Team verließ und ein Essener Finanzinvestor beim Rennstall andockte, überlegte man, wie man sich für 2021 breiter aufstellen könnte. "Dann kam jemand auf uns zu und meinte, er könnte uns eine Tür zur ITR und zum AvD öffnen, denn die hätten durchaus Interesse, dass ein Porsche-Team in der DTM an den Start geht", gibt der Teamchef Einblicke, wie es zum DTM-Projekt kam.

"Am Anfang sah ich eine Wahrscheinlichkeit von acht Prozent. Aber dann wurde uns bewusst, dass wir mit einem Porsche in der DTM ein Alleinstellungsmerkmal hätten - und das eine riesige Chance ist. Das merke ich auch in den Gesprächen mit potenziellen Sponsoren: Viele würden es gut finden, wenn wir das als deutsches Team angehen. In den vergangenen Wochen ist noch einmal richtig Schwung in das Thema gekommen."

Warum Heinemann als Fahrer Sinn ergibt

Ingenieurspartnerschaften mit zwei potenziellen Partnern wurden in die Wege geleitet - und durch Gespräche mit der DTM-Dachorganisation ITR wurde dann auch DTM-Trophy-Meister Heinemann Teil des Projekts. Dabei kannte man einander eigentlich schon, denn Heinemann ist im Alltag abseits des Rennsports Industriekaufmann beim Fahrwerkhersteller KW Automotive in Fichtenberg, mit dem auch Speed Monkeys zusammenarbeitet.

 

Tim Heinemann

DTM-Trophy-Champion Heinemann steht vor dem Aufstieg in die große DTM

Foto: Ferdi Kräling Motorsport-Bild GmbH

"Dadurch habe ich Tims Karriere immer ein bisschen verfolgt - und als wir überlegten, mit welchen Fahrern wir antreten wollen, fand auch die ITR die Idee mit Tim Heinemann gut", erklärt Bracke. Das ergibt Sinn, denn der Aufstieg des ersten Champions in die große DTM gibt nicht nur der DTM-Trophy eine Perspektive, sondern macht auch Speed Monkeys in der Nachwuchsserie zu einer attraktiven Adresse.

Zudem gelang es dem Team, Heinemanns Arbeitgeber KW Automotive als technischen Partner für das Projekt zu gewinnen. Und mit Raceroom, Metalldesign und Bitexpert wären auch die Sponsoren des von Bernd Schneider betreuten Youngsters, der nun zeigen kann, was er im GT3-Auto drauf hat, bei einem DTM-Engagement an Bord.

Aber wäre möglicherweise sogar ein zweites Auto eine Option? "Es geht erstmal um ein Auto, denn es sind keine Autos am Markt", stellt Bracke klar. "Wir sind aber mit einem Sponsor dran, der eventuell einen besonderen Fahrer für spezielle Gaststarts am Auto haben will", macht es der Teamchef spannend. In diesem Fall würde man mit einem Team zusammenarbeiten, das über einen Porsche 911 GT3 R verfügt.

Mit Bildmaterial von Speed Monkeys.

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Rennserie DTM
Tags Tim Heinemann , Speed Monkeys
Urheber Sven Haidinger