Interview
DTM Hockenheim 2
Vor dem Finale: DTM-Spitzenreiter Ekström und Rivale Rast im Doppel-Interview
Die Audi-Titelanwärter Mattias Ekström und Rene Rast sprechen im exklusiven Doppel-Interview über ihre Titelchancen, Zukunftswünsche und den bisherigen Saisonverlauf.
Julia Spacek
Bearbeitet: 12.10.2017, 07:22
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DTM 2017
Die DTM-Saison 2017 verspricht Spannung pur! Denn Audi, BMW und Mercedes starten unter einem neuen Reglement, das die Rennen noch aufregender machen soll. Hier erfahren Sie alles über die DTM 2017 mit aktuellen News, Fotos und Videos sowie Analysen und Expertenkolumnen. Außerdem informieren wir hier über Details zum DTM-Kalender 2017.
































Nur 21 Punkte trennen den aktuellen Spitzenreiter Mattias Ekström und den Gesamtzweiten Rene Rast in der Fahrerwertung. Beim DTM-Finale am Wochenende in Hockenheim (13. bis 15. Oktober) kommt es zum großen Showdown und die Entscheidung im Rennen um den DTM-Titel 2017. Sechs Fahrer haben noch theoretische Chancen auf den Gewinn der Meisterschaft. Davon stammen vier Piloten aus dem Lager der Ingolstädter.
Im exklusiven Doppel-Interview sprechen die beiden Audi-Fahrer Ekström und Rast mit Motorsport.com über ihre Vorbereitung auf die Finalläufe am Hockenheimring, ihre Meisterschaftschancen und ihre Pläne für die Zukunft.
Frage: "Hatten Sie vor der DTM-Saison 2017 erwartet, um die Meisterschaft mitzukämpfen?"
Mattias Ekström: "Wenn der Tag kommen würde, an dem ich nicht mehr daran glaube, dann würde ich überhaupt nicht mehr in der DTM antreten. Gerade wenn man so lang wie ich schon dabei ist."
Rene Rast: "Bei mir ist die Ausgangslage natürlich eine andere. Im ersten kompletten Jahr gehe ich natürlich nicht davon aus, um die Meisterschaft zu kämpfen. Eigentlich wollte ich primär lernen und mich in die Serie einfinden. Dass es nun so gekommen ist, ist umso schöner."
Frage: "Während der Saison hatten Sie jeweils schon einen großen Punkterückstand (Rast 43 und Ekström sogar 54 Punkte; Anm. d. Red.) auf Mercedes-Pilot Lucas Auer. War damit der Titelgewinn schon abgeschrieben?"
Ekström: "Also, da bin ich relativ gnadenlos. Ich kämpfe immer, bis es auch theoretisch nicht mehr möglich ist. Erst dann gebe ich auf. Die DTM ist sehr schnelllebig – das Blatt kann sich von Rennen zu Rennen wenden."
Rast: "Ich habe eigentlich immer nur von Rennen zu Rennen geschaut. Der Titelgewinn war nie ein Thema. Erst vor kurzem habe ich mich dann ernsthaft doch mal mit der Tabelle beschäftigt. Was Mattias sagt, stimmt: Man braucht ja nur mal ein, zwei schlechte Rennen in Folge zu haben, und schon ist man in der Gesamtwertung wieder abgerutscht. Seit dem vergangenen Rennwochenende in Spielberg ist nun auch für mich der Titelkampf ein Thema."
Frage: "Bereiten Sie sich auf das Saisonfinale und den Titelkampf anders vor als auf die bisherigen Rennwochenenden?"
Ekström: "Für mich ist auch ein Saisonfinale mit Titelchance wie jedes Rennwochenende. Ich mache nichts anders. Auch in den letzten beiden Rennen gibt es jeweils nur maximal 28 Punkte zu holen. Von daher macht es keinen Sinn, sich extra Druck aufzuerlegen."
Rast: "Ich hab jetzt für Hockenheim extra angefangen mit Pilates und Yoga … nein, Spaß."
Ekström: Rene, ich habe gehört, dass die beste Vorbereitung Windeln wechseln ist (seit elf Monaten sind Rast und seine Lebensgefährtin Diana stolze Eltern von Sohn Liam; Anm. d. Red.).
Rast (lacht): "Also, auch ich bleibe trotz dieser besonderen Voraussetzungen ganz entspannt und am Ende werden wir sehen, wie es ausgegangen ist."
Frage: "Wie schätzen Sie Ihre Chance ein, in Hockenheim tatsächlich den DTM-Meisterpokal 2017 zu gewinnen?"
Ekström: "Ich habe zwar 21 Punkte Vorsprung auf Rene, aber wie schon gesagt, kann sich alles ganz schnell ändern. Ich fahre einfach nach Hockenheim, gebe Vollgas und schaue, wie weit ich komme. Insbesondere seit dem Rennwochenende auf dem Red-Bull-Ring sprechen alle von einer Audi-Dominanz. Ich glaube aber, dass die Karten beim Finale noch mal komplett neu gemischt werden. Mit Marco Wittmann und Lucas Auer können auch noch Fahrer von BMW und Mercedes Meister werden."
Rast: "In erster Linie werde ich in Hockenheim erst mal nur auf mich schauen. Dass ich meine beste Leistung abrufe. 21 Punkte sind in der DTM im Prinzip nicht die Welt, aber bei nur noch zwei ausstehenden Rennen dann doch schon viel. Ich fühle mich in meiner Position als Jäger eigentlich ganz wohl. Wenn ich dann zwei Pole-Positions und zwei Siege holen sollte, ist vielleicht noch eine Chance auf den Titelgewinn da."
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Frage: "Herr Ekström, Sie haben bereits in Ihrem ersten Jahr als Audi-Werksfahrer den Titel gewonnen. Was würde Ihnen der dritte Gesamtsieg nach 2004 und 2007 bedeuten?"
Ekström: "Ich denke, dass der erste Titelgewinn; in so einer bedeutenden Rennserie wie der DTM, für einen Rennfahrer der wichtigste ist. Wenn man wie ich dann zehn Jahre nach dem letzten Titelgewinn erneut die Chance hat, dann ist das aber auch etwas ganz Besonderes."
Frage: "Herr Rast, Sie wären erst der fünfte Fahrer, der in seiner ersten kompletten DTM-Saison den Titel gewinnen würde. Wie fühlt sich das an?"
Rast: "Das wäre auf jeden Fall der größte Erfolg meiner gesamten Motorsportkarriere. Gleich im ersten Jahr wäre es noch umso besser. Aber warten wir erstmal ab."
Frage: "Momentan liegt ein Audi-Quartett an der Tabellenspitze. Im Falle eines Zweikampfes auf der Strecke stellt sich die Frage: Wie hart werden Sie gegeneinander kämpfen?"
Ekström: "Das muss im Endeffekt jeder Fahrer für sich selbst entscheiden. Aber grundsätzlich gibt es unter uns Audi-Fahrern eine Kultur, wie wir miteinander auf der Strecke umgehen. Und diese zu brechen, hat sicher niemand vor. Das hat zwischen uns in den bisherigen 16 Rennen sehr gut funktioniert und von daher gehe ich davon aus, dass es in Hockenheim auch wieder funktionieren wird."
Rast: "Sehe ich ganz genauso. Kontakt zwischen den Audi-Fahrern soll vermieden werden. Das war immer oberste Priorität. Wir müssen mal sehen, wie sich die Tabellensituation nach dem ersten Rennen darstellt. Sollte dann feststehen, dass nur noch ein Audi-Fahrer Meister werden kann, werden wir sicherlich auch gegeneinander freier fahren."
Frage: "Wie bewerten Sie Ihre persönliche DTM-Saison 2017 bisher?
Ekström: "Ich bin insgesamt betrachtet auf jeden Fall zufrieden mit dem Verlauf. Trotzdem hätte ich auch gern ein paar Rennen mehr gewonnen. In den jeweils zweiten Rennen in Budapest und in Moskau hatte ich die Chance. Aber in der DTM zu gewinnen, ist generell nicht leicht. Die Konkurrenz ist sehr hoch. Und ein bisschen Glück gehört auch dazu."
Rast: "Mein Fazit fällt überragend aus. Ich hätte mir nie träumen lassen, auch nur im Ansatz da zu stehen, wo ich jetzt stehe. Drei Siege und drei Pole-Positions – unglaublich. "
Frage: "Was waren dabei die Höhepunkte? Und gab es auch Rückschläge?"
Ekström: "Ich erinnere mich gern an das zweite Rennen auf dem Lausitzring. Von einer mittelmäßigen Startposition aus war ich ganz früh beim Boxenstopp und hatte danach einige gute Überholmanöver und bin am Ende Zweiter geworden. Ebenso hat mir das zweite Rennen in Zandvoort sehr viel Spaß gemacht, als ich mit einem defekten Reifen doch noch Rang drei im Ziel erreicht habe. Was nicht so gut gelaufen ist, waren falsche Timing-Entscheidungen beim Wechseln von Slicks auf Regenreifen in Hockenheim und am Nürburgring."
Rast: "Mein erster DTM-Sieg überhaupt in Budapest war auf jeden Fall das beste Erlebnis. Auf diesen Moment habe ich lang hingearbeitet. In einer so langen Saison wie in der DTM hat man natürlich auch ich ein paar Downs. Am Norisring bin ich zum Beispiel bei der Boxenausfahrt über eine verbotene Linie gefahren. Aber aus Fehlern lernt man."
Frage: "Ein paar Gedanken zu den Änderungen und Neuerungen in der DTM-Saison 2017: IndyCar-Restart."
Rast: "Für die Fans sieht das spektakulär aus. Für uns Fahrer ist das ein heikler Moment, da mehr passieren kann, als bei der bisherigen Prozedur, bei der alle Autos das Rennen hintereinander wieder aufgenommen haben. Gerade als Führender wünscht man sich keine Safety-Car-Phase und keinen IndyCar-Restart. Wenn man weiter hinten steht, hofft man natürlich, dass sich die Autos vorn ins Gehege kommen und man dadurch ein paar Plätze gut machen kann."
Frage: "Funkverbot."
Ekström: "Abgesehen davon, dass es den Infofluss zwischen Team und Fahrer einschränkt, nimmt man auch dem Fan eine spannende Komponente, den manche Funksprüche wurden ja in der TV-Übertragung wiedergegeben. Meinetwegen kann man das Verbot wieder aufheben."
Rast: "Wir Fahrer müssen uns nun mehr auf uns selbst verlassen. Man weiß nicht mehr, wann der beste Moment ist, zu stoppen, man weiß nicht, wer vor oder hinter einem fährt, wer noch wie häufig das DRS nutzen kann, wie das Wetter ist. Das Positive ist, dass die Rennen dadurch von außen weniger gesteuert werden."
Frage: "Abschaffung der Performance-Gewichte."
Ekström: "Die Diskussion über die Performance-Gewichte hat sich ja über die ganze Saison gezogen. Das war schon lästig und die Entscheidung überfällig."
Rast: "Wir haben schon früh in der Saison bemerkt, dass die Performance-Gewichte die Rennergebnisse ziemlich stark verzerrten. Dass sie im Endeffekt abgeschafft wurden, war definitiv der richtige Schritt – nur leider etwas zu spät."
Frage: "Sie beide sind motorsportlich sehr vielseitig unterwegs und haben auch abseits der DTM beachtliche Erfolge gefeiert. Welchen Wunsch könnte man Ihnen zukünftig noch erfüllen?"
Ekström: "Eigentlich bin ich mit DTM und Rallycross-WM ganz glücklich. Momentan suche ich keine neuen Herausforderungen."
Rast: "Den DTM-Titel zu gewinnen natürlich. Und dann habe ich auch noch den Sieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans auf meiner To-Do-Liste."
Frage: "Letzte Frage: Findet die DTM-Saison 2018 mit Mattias Ekström und Rene Rast statt?"
Ekström: "Lasst uns erst einmal die letzten Rennen fahren, dann lege ich eine kleine Pause ein und dann können wir über das kommende Jahr sprechen."
Rast: "Ich hoffe, dass ich wieder dabei bin. Ich denke, ich habe mit meiner Leistung eine gute Visitenkarte abgegeben. Gespräche für kommende Saison laufen schon, diese werden nach der Saison intensiviert und dann würde ich mich freuen, auch 2018 wieder zu starten."
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