DTM-BoP Norisring: Restriktoren bei AMG und Porsche stark vergrößert!
Massive Änderungen bei der BoP vor dem Norisring: Warum AMG und Porsche so große Restriktoren erhalten und wieso das keinen Topspeed-Vorteil bedeuten muss
Die Boliden von Thomas Preining und Maro Engel erhalten mehr Leistung
Foto: ADAC Motorsport
Große Veränderungen bei der Balance of Performance (BoP) vor dem Norisring-Wochenende (alle Infos zu TV-Zeiten, Stream etc.): Abgesehen vom Lamborghini Temerario GT3, der ohnehin kaum besser eingestuft werden kann und sich daher praktisch ständig am oberen Limit bewegt, gibt es bei allen Fahrzeugen massive Veränderungen. Das darf nicht verwundern, denn der 2,162 Kilometer kurze Stadtkurs ist mit nur vier Kurven und kaum Reifenabbau einzigartig.
Als Referenz konnten die BoP-Verantwortlichen daher nur Norisring 2025 nutzen. Der Mercedes-AMG GT3 und der Porsche 911 GT3 R Evo erhalten deutlich größere Restriktoren als zuletzt n der Lausitz, was mehr Leistung bedeutet: Bei Mercedes wächst der Durchmesser durch den neuen 37er-Restriktor im Vergleich zum Lausitzring um satte 2,5 Millimeter an, beim Porsche sind es mit 43 Millimetern sogar um 3,5 Millimeter mehr als zuletzt.
Dazu kommt, dass der Mercedes leichter wird. Beim Boliden aus Affalterbach dürfen zehn Kilogramm Gewicht ausgeladen werden, beim Neunelfer kommen dagegen im Vergleich zum Lausitzring 20 Kilogramm in die Gewichtskiste. Wie ist das zu erklären?
Wieso der AMG und der Porsche so große Restriktoren haben
Ein Vergleich mit dem Vorjahr sorgt für Abhilfe: 2025 hatte der Mercedes-AMG GT3 auf dem Norisring einen 36er-Restriktor an Bord, der Vorteil macht also nur mehr einen Millimeter aus. Ein um 0,02 geringerer Lambda-Wert sorgt dieses Jahr für ein etwas fetteres Benzin-Gemisch, was sich ebenfalls positiv auf die Leistung auswirkt.
Laut Informationen von Motorsport-Total.com sieht die Einstufung des Mercedes-AMG GT3 dieses Jahr - was die reinen Zahlen angeht - auch deswegen besser aus, weil man durch ein neues Motorenmapping auf einen für die Leistung ungünstigeren Zündwinkel setzen muss. Angebliche Ursache: Der V8-Saugmotor soll wegen des neuen nachhaltigen Sprits zu stark "geklopft" haben.
Der Porsche, der auf dem Norisring traditionell gut funktioniert und mit dessen Vorgängermodell Thomas Preining im Vorjahr siegte, ist hingegen um 30 Kilogramm schwerer als 2025 - bei einem um 1,5 Millimeter größeren Restriktor. Dazu hat man sich - wie man hört - entschlossen, weil die Evoversion einen Topspeed-Nachteil mit sich bringt.
Heckflügel-Winkel erstmals mit Kommastelle
Auch beim minimalen Heckflügelwinkel gibt es eine Auffälligkeit: Der beträgt beim Porsche auf dem Norisring 7,3 Grad, wodurch das erste Mal ein Wert mit Kommastelle genutzt wird. Laut Informationen von Motorsport-Total.com wurde dieser Wert als Korrektur bei der FIA beantragt, was nun auch in der DTM umgesetzt wird. Wenn man das höhere Gewicht mit einbezieht, sieht die Einstufung des 911 GT3 R Evo nicht mehr ganz so schmeichelhaft aus.
Der Trend, dass die Boliden am Norisring im Vergleich zur Lausitz mit mehr Leistung ausgestattet werden, setzt sich auch bei den Turboboliden fort, die - abgesehen vom Lamborghini - allesamt mehr Ladedruck erhalten. Beim Aston Martin, beim Ferrari und beim McLaren sind es in gewissen Bereichen sogar rund 0,1 bar. Nur beim BMW fällt der zusätzliche Boost im Vergleich zur Lausitz geringer aus.
Ähnlich stark wie der Porsche war im Vorjahr der Ferrari 296 GT3, damals ebenfalls noch ohne dem neuen Evo-Paket: Jack Aitken und Thierry Vermeulen starteten aus der ersten Reihe und mussten sich nur Preining geschlagen geben. Im Vergleich zu 2025 ist der Ferrari um 15 Kilogramm schwerer, der Ladedruck ist nahezu identisch.
Sind Ferrari und Aston Martin wieder so stark wie 2025?
Auffällig ist außerdem, dass der am Lausitzring eingeführte höhere Bodenabstand des 296 GT3 wieder etwas zurückgenommen wurde, wodurch das Auto nun etwas höher als zu Saisonbeginn liegt, aber niedriger als beim vergangenen Wochenende. Auch das ist darauf zurückzuführen, dass man den Vorjahreswerten näher kommen wollte, auf die man sich bei der Ausgangseinstufung bezieht.
Mit dem Aston Martin Vantage GT3 Evo, der dank Nicki Thiim auf dem Lausitzring beinahe seine DTM-Siegpremiere erlebte, muss man in Nürnberg ebenfalls rechnen: Denn der Bolide ist zwar um 20 Kilogramm schwerer als 2025 und verfügt über einen um 0,02 ungünstigeren Lambda-Wert, was sich negativ auf die Leistung auswirkt, dafür ist der Ladedruck beinahe über das gesamte Drehzahlband um rund 0,02 bar besser als 2025.
Im Vorjahr platzierte Außenseiter Nicolas Baert den Vantage in Nürnberg erstmals in der DTM im Vorderfeld, als er schon am Samstag Startplatz sechs herausholte und am Sonntag nach Platz zwei im Qualifying disqualifiziert wurde. Dieses Jahr hat das besser aussortierte Team mit Thiim ein anderes Kaliber im Cockpit - und dem Dänen liegt auch noch der Norisring, auf dem er 2024 im SSR-Lamborghini seinen bisher einzigen DTM-Sieg herausholte.
Ford Mustang erhält ebenfalls größeren Restriktor
Der Ford Mustang GT3 stand im Vorjahr dank Arjun Maini mit Platz drei in der Startaufstellung so weit vorne wie nie. Dem Auto liegen die langen Geraden. Und durch die beim Evo-Paket etwas verbesserte Bremse sollte der Bolide dieses Jahr noch besser funktionieren.
Im Vergleich zu 2025 muss HRT 15 Kilogramm in die Gewichtskiste einladen, dafür hat der 39er-Restriktor um einen Millimeter mehr Durchmesser als 2025. Zudem liegt der Bolide wegen der Zugeständnisse durch die DTM-Sonderhomologation etwas tiefer, was ebenfalls ein Vorteil sein sollte.
Der McLaren hat nach dem Premierensieg auf dem Lausitzring durch Ben Dörr im Vergleich zu 2025 auf dem Norisring um 35 Kilogramm mehr Ballast bekommen, was eine ganze Menge ist. Dafür wurde der Ladedruck beinahe über das gesamte Drehzahlband um meist 0,02 bar angehoben.
BMW M4 GT3 Evo als große Unbekannte
Wie der Vergleich mit dem Lausitzring ausfällt? "Unser Dörr-McLaren 720S GT3 Evo ist jetzt etwas leichter, außerdem dürfen wir den Ladedruck erhöhen", spielt GT3-Leiter Volker Strycek auf bis zu 0,11 bar mehr im mittleren Drehzahlbereich an.
"Ähnliche Maßnahmen gelten aber auch für unsere Wettbewerber", weiß er. "Wir werden daher erst in den Trainingsläufen sehen, wo wir mit der neuen BoP wirklich stehen." Der geringe Grip des Stadtkurses war für den reifenschonenden McLaren bislang nicht optimal.
Die größte Unbekannte stellt aber der BMW M4 GT3 Evo dar: Durch den neuen Turbolader und die geänderte Verbrennung sind die Ladedruckwerte aus dem Vorjahr nicht mehr vergleichbar - und in Sachen Gewicht ist das Fahrzeug von Lokalmatador Marco Wittmann gleich schwer wie 2025.
Wie der Ladedruck-Vergleich mit dem Lausitzring ausfällt? Beinahe über das gesamte Drehzahlband gibt es auf dem Norisring geringfügig mehr Boost - am meisten mit 0,04 bar bei niedrigen 4.500 Touren. Der Kurs am Dutzendteich gilt traditionell als BMW-Strecke, denn 2023 und 2024 gab es insgesamt zwei Siege und zusätzliche drei Podestplätze für die Münchner.
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