DTM-Boss Berger legt sich fest: "Lawson schafft es zu 100 Prozent in die F1"

Wie DTM-Boss Gerhard Berger Liam Lawsons Formel-1-Chancen einschätzt und welche Rolle die Traditionsserie für den Red-Bull-Junior und Titelfavoriten spielt

DTM-Boss Berger legt sich fest: "Lawson schafft es zu 100 Prozent in die F1"

Auch wenn DTM-Leader Liam Lawson im aktuellen Cockpitpoker der Formel 1 für die Saison 2021 durch die Finger zu schauen scheint, sieht DTM-Boss Gerhard Berger das 19-jährige Red-Bull-Talent langfristig ganz klar in der Königsklasse des Motorsports.

"Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass es Liam Lawson in die Formel 1 schaffen wird", stellt Berger gegenüber 'Motorsport.com' klar.

"Vielleicht nicht nächstes Jahr, denn ich glaube, dass er noch ein wenig mehr Erfahrung in der Formel 2 braucht, aber für mich ist er absolut ein Formel-1-Kandidat", so der Österreicher, der beim Formel-1-Wochenende in Monza von vielen Menschen im Formel-1-Fahrerlager gefragt worden sei, wie sich der Neuseeländer in der DTM schlägt.

Berger scherzt: "Albon hätte es ohne DTM nicht geschafft"

Dass die DTM als Sprungbrett für die Formel 1 funktioniert, steht für den DTM-Boss durch das Comeback von Lawsons AF-Corse-Teamkollegen Alex Albon ohnehin fest. "Jetzt kann ich sagen, dass Albon niemals wieder in die Formel 1 gekommen wäre, wenn er nicht in der DTM gestartet wäre", witzelt Berger. "Spaß beiseite, aber das zeigt, dass ein Fahrer, der ein Jahr nicht in der Formel 1 gewesen ist, seinen Namen mit der DTM hoch im Kurs halten kann."

Ein Jahr lang hat sich Albon im Ferrari nach seinem Aus als Teamkollege von Max Verstappen in der DTM fit gehalten. 2022 kehrt der Thailänder mit britischem Pass beim Williams-Team in die Formel 1 zurück. Für Gerhard Berger ist es keine Überraschung, dass die DTM für Formel-1-Kandidaten interessant ist, weil sie ein äußerst professionelles Umfeld garantiert. Das gilt sowohl für junge Fahrer als auch für Piloten, die wie Albon eine Zwischenlösung suchen.

Alexander Albon

Alexander Albon hat sich schnell in die DTM eingefunden

Foto: DTM

Zudem konnte Albon mit seinem DTM-Sieg auf dem Nürburgring beweisen, dass er anpassungsfähig ist und mit völlig unterschiedlichen Fahrzeugen Topleistungen bringen kann.

Welche Rolle spielt die DTM für Liam Lawson?

Das ist für Berger ein klares Qualitätsmerkmal, denn es gäbe Fahrer, die "alles fahren können. Und genau das macht einen guten Fahrer aus", stellt der DTM-Boss klar. Auch Lawson hat diesen Beweis erbracht.

Der Red-Bull-Junior startet in der Saison 2021 parallel in der Formel 2, in der er aktuell mit einem Sieg auf Platz acht liegt, und in der DTM, in der der 19-Jährige die Wertung mit drei Siegen auf dem Konto anführt. Doch welche Rolle spielt die DTM für den Youngster?

Liam Lawson

Liam Lawson ist sehr glücklich über die Chance, in der DTM zu starten

Foto: Motorsport Images

"Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, in solch einer Meisterschaft zu starten", so Lawson gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Das ist jetzt vielleicht nicht die Karriereleiter, die in die Formel 1 führt, aber die DTM ist dennoch eine riesige Meisterschaft. Sie ist viel größer als die Formel 2. Ich musste erst einmal eine Menge lernen, weil alles neu für mich war, aber ich bin sehr glücklich darüber, hier zu fahren."

Laut Lawson profitiert auch Red Bull vom Engagement des Neuseeländers in der GT3-Meisterschaft. Ob der Start in der DTM für ihn auf dem Weg in die Formel 1 von Vorteil ist, weiß Lawson nicht. "Sie schadet mir aber auch nicht. Für mich ist es wichtig, in dieser Meisterschaft zu fahren, weil das Niveau sehr hoch ist und es einfach eine coole Möglichkeit ist."

Mehr Rennerfahrung durch die DTM

Da die Formel-1-Nachwuchsserien in der Saison 2021 auf ein neues Format mit deutlich größeren Pausen zwischen den Rennen setzen, kann Lawson die DTM nutzen, um in aller Munde zu bleiben. Außerdem gibt es so genügend freie Wochenenden, um auch neben der Monoposto-Juniorklasse Rennen zu fahren. Er sagt: "Alle anderen sind dann mal zwei Monate nicht im Cockpit, während ich die ganze Zeit fahre."

Dass sich die Formel-2-Autos und die GT3-Boliden der DTM massiv unterscheiden, stört den Youngster nicht, da er so seine Anpassungsfähigkeit verbessern kann. Es sei jedoch alles andere als einfach, nach einem DTM-Rennwochenende wieder in der Formel 2 zu starten. Ein Grund sind die Reifen, der höhere Abtrieb und die fehlenden Fahrhilfen wie ABS in der Monoposto-Serie. Im Laufe der Saison habe sich Lawson aber an die Umstellung gewöhnt.

Weitere Co-Autoren: Sven Haidinger. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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