DTM-Champion Marco Wittmann im Kreuzverhör

Der nun zweimalige DTM-Champion Marco Wittmann stellte sich nach seinem Titelgewinn beim DTM-Finale 2016 in Hockenheim den Fragen der Journalisten.

Marco Wittmann über…

…den Moment, als es ihm dämmerte:
"Als ich vom Team die Info bekam. Da waren aber noch 10, 15 Runden zu fahren. Da hoffst du natürlich, dass dein Auto standhält, kein Reifenschaden auftritt und so weiter. Du weißt: Edo ist auf Kurs, das Rennen zu gewinnen. Am Ende hat aber alles geklappt."

…die letzten Runden:
"2014 habe ich mehr gezittert. Aber natürlich hört man ins Auto rein, meidet die Randsteine, um keine Beschädigung zu riskieren, ist vorsichtiger. Aber als es in die letzte Runde ging, war da schon ein Gänsehautmoment dabei. Vor allem eingangs des Motodroms. Da wusste ich: Noch 3 Kurven, dann habe ich es in der Tasche. Das sind Momente, die vergisst man nicht."

…die Zieldurchfahrt:
"Als es über die Ziellinie ging, waren Freude und Emotionen grenzenlos, ganz klar."

…den 2. DTM-Titel:
"Einfach der Wahnsinn, in 4 Jahren 2 Titel eingefahren zu haben und jüngster Doppelchampion zu sein. Ich freue mich über meinen 2. Titel. Und nächstes Jahr geht's weiter, um vielleicht Titel Nummer 3 zu holen."

…den Stellenwert des 2. DTM-Titels:
"Der 1. Titel ist emotional höher einzuschätzen. Den 2. Titel habe ich wohl mit etwas mehr Fassung genommen. Aber es ist schon schwierig genug, einen DTM-Titel einzufahren. Der 2. Titel ist vielleicht auch eine Bestätigung, dass der 1. keine Eintagsfliege war."

…den 2. DTM-Meisterpokal:
"Vielleicht muss ich für die 2 Pokale jetzt doch eine Vitrine bauen. Da muss ich mir etwas überlegen, dass meine Pokale einen schönen Platz finden."

…seinen Titelrivalen Edoardo Mortara:
"Edo hat dieses Jahr einen super Job gemacht. Wir kennen uns aus der Formel 3 und respektieren uns. Er hat den Meisterschaftskampf bis zuletzt offen gehalten. Am Ende ging der Titel an mich. Vielleicht, weil ich konstanter war. Das war meine große Stärke."

…seine eigenen Stärken:
"Es ist wichtig, an den Wochenenden, an denen es nicht so läuft, die Punkte mitzunehmen. Du musst einen kühlen Kopf bewahren. Ich kann attackieren, aber halt auch mal zurückstecken."

…sein Erfolgsgeheimnis:
"Das verrate ich nicht. Sonst kann es ja jeder kopieren!"

…seine "Eichhörnchen-Taktik":
"Das Eichhörnchen trifft schon manchmal zu. Manchmal muss man Punkte hamstern. Aber es gab auch Wochenenden, wo ich fast die volle Punktzahl erzielt habe. Man hat auch gesehen, dass ich mal Attacke machen kann. Dementsprechend ist es nicht immer nur die Eichhörnchen-Strategie. Du musst eben immer abwägen, was du aus deinem Paket machen kannst."

…seinen Spitznamen "Mega-Marco":
"Den Spitznamen habe ich schon seit 2014. Als ich in die DTM kam, hieß ich aber zunächst 'Icecube' wegen meines Sponsors. Danach kam Mega-Marco. So nennen mich die BMW-Fahrer noch immer."

…einen Wunsch zum Meistertitel:
"Ich habe meinem Chef keinen Wunsch mitgeteilt. Man erwartet keine Geschenke, weil man Meister ist. Man genießt die Zeit und die Saison. Da sind die Preise Nebensache."

…seine Zukunft:
"Wer meine Aussagen kennt, weiß: Ich fühle mich wohl in der DTM. Das ist auch logisch, wenn du Erfolge erzielst. Ich werde oft auf die Formel 1 angesprochen. Es muss aber nicht immer die Formel 1 sein. Ich glaube, das Fahrerniveau in der DTM ist höher als in der Formel 1. Wenn ich auch die aktuelle Situation mit den Bezahlfahrern sehe, dann ist es schwierig. Das ist auch schade für die Nachwuchstalente und für den Sport."

...seine Popularität:
"Der 1. Titelgewinn hat die Aufmerksamkeit in meiner Region, im Frankenland, ansteigen lassen. Es gibt dort jetzt mehr Fans. Ich habe seit diesem Jahr teilweise meinen eigenen Fanklub vor Ort. Da hat sich schon einiges getan. Der 2. Titel bringt sicherlich nochmals einen neuen Hype. Ich laufe aber heute auch noch durch die Stadt und gehe shoppen. Da sind wir DTM-Piloten noch etwas freier als Formel-1-Fahrer. Es ist schön zu wissen, dass dir viele Leute die Daumen drücken."

…die DTM 2016:
"Dieses Jahr war es mega-spannend. Es gab so viele verschiedene Sieger. Das gibt es nur in wenigen Rennserien. Den Zuschauern wurde viel Action geboten. Es gab viele Zweikämpfe mit Lackaustausch. Diese Art von Racing mag ich. Das macht die DTM auch aus."

…seine Startnummer 2017:
"Ziemlich sicher die 11. Die 1 brachte mir nie Glück. Seit 2016 ist die 11 auch ein bisschen mein Markenzeichen geworden. Ich werde daher bei der 11 bleiben."

…die DTM 2017:
"In der aktuellen DTM kann man nie Siege und Erfolge garantieren. Die Konkurrenz schläft nicht. 2017 gibt es neue Regeln und neue Autos. Da beginnt quasi ein neuer Abschnitt. Es ist eine große Unbekannte. Bisher ist noch niemand das neue Auto gefahren. Du kannst nur weiter dein Bestes geben und hoffen, beim Auftakt bei der Musik dabei zu sein. Ich mache mir aber keine Sorgen. Es wird spannend."

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Über diesen Artikel
Rennserien DTM
Veranstaltung Hockenheim 2
Rennstrecke Hockenheimring
Fahrer Marco Wittmann
Teams BMW Team RMG
Artikelsorte Interview
Tags bmw, champion, dtm, interview, meister, titelgewinn