DTM-Kalender 2022: Was hinter den Fragezeichen steckt - Macau als Option?

DTM-Boss Gerhard Berger erklärt, was es mit den zwei unbekannten Strecken im DTM-Kalender auf sich hat: Wer die besten Chancen hat und wieso Macau Thema ist!

DTM-Kalender 2022: Was hinter den Fragezeichen steckt - Macau als Option?

Die DTM-Dachorganisation ITR hat am Freitag überraschend früh den neuen Kalender für die Saison 2022 mit neun Rennwochenenden, dem überraschenden Portimao-Auftakt und einer Sommerpause veröffentlicht. "Das war viel Arbeit, aber wir wollten unbedingt früh fertig sein, damit die Teams auch Planungssicherheit haben", erklärt DTM-Manager Frederic Elsner, der zuletzt auf Hochtouren an der Finalisierung gearbeitet hat.

Aber was steckt hinter den zwei Fragezeichen im Kalender? Denn bei den Rennen am 4. und 5. sowie am 18. und 19. Juni gab man bisher nur bekannt, dass diese in Europa stattfinden werden. Einen genauen Austragungsort blieb man schuldig.

Nun stellt DTM-Boss Gerhard Berger klar, dass zumindest einer der Austragungsorte in Italien sein dürfte. "Grundsätzlich ist Italien fast fix gesetzt, aber wir haben zwei, drei Rennstrecken, bei denen wir schauen müssen, wo wir auch für uns die besten wirtschaftlichen Bedingungen hinkriegen", erklärt Berger, dass finanzielle Kriterien den Ausschlag geben könnten.

Monza, Mugello oder Imola?

Aktuell gelte ein Verbleib in Monza, wo die DTM dieses Jahr erstmals gastierte, als wahrscheinlichste Option. "Ich halte schon viel von Kontinuität - und das wäre dann schon, in Monza zu bleiben", so Berger.

"Aber auch gemeinsam mit Ferrari muss man erst mal schauen, ob es andere Möglichkeiten gibt, die noch interessanter sein könnten", deutet der DTM-Boss an, dass auch die Interessen der Scuderia, die dieses Jahr erstmals mit dem Einsatzteam AF Corse und Partner Red Bull in der DTM vertreten ist, eine Rolle spielen.

Doch welche Alternativen zu Monza gibt es? Bis 2020 gastierte die DTM in Misano, doch der Kurs an der Adria ist laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' kein Thema mehr. "Meine Wunschstrecken wären Mugello - ich denke, das wäre ziemlich cool in einem DTM-Auto - oder auch Imola", meint AF-Corse-Ferrari-Pilot Alex Albon.

Und liegt damit goldrichtig, denn tatsächlich spricht DTM-Manager Elsner neben Monza auch mit den Verantwortlichen des im Besitz von Ferrari stehenden Mugello Circuit und den Betreibern des Traditionskurses in Imola.

Berger würde gerne in Großbritannien fahren

Aber wie sieht es Hinblick auf das zweite Fragezeichen aus? "Das zweite ist wirklich noch offen", sagt Berger. "Das wäre aber meiner Meinung nach England. Aber das ist noch zu früh, mit Brexit und den ganzen Hürden. Irgendwann sollte England wieder im Kalender stehen, weil es einfach zum Motorsport dazugehört."

Soll heißen, dass sich der Österreicher ein Rennen in Großbritannien wünscht, dies aber für 2022 aus aktueller Sicht eins schwieriges Unterfangen wird. Zumal es auch für die Teams aus logistischer Sicht einen großen Aufwand bedeuten würde.

Das gilt auch für Sankt Petersburg. Der Vertrag mit dem von Hermann Tilke gebauten Kurs wurde zwar 2019 vor Ort feierlich verkündet, durch die Coronavirus-Krise musste die Veranstaltung aber bereits zweimal abgesagt werden. Ein Comeback im Kalender ist aktuell kein Thema.

Gute Chancen für Assen

Dafür hat Daniel Juncadella einen guten Vorschlag: "Zandvoort ist eine coole Strecke. Nach diesem Wochenende mit der Formel 1 wäre das sicher spannend", sagt der spanische GruppeM-Pilot. Und auch sein HRT-Mercedes-Markenkollege Maximilian Götz stimmt ihm zu: "Das wäre definitiv interessant für eines der Fragezeichen im Kalender."

Tatsächlich ist der Dünenkurs, auf dem die DTM bis 2018 gastierte, auch für 2022 ein Kandidat. Wahrscheinlicher ist aus aktueller Sicht aber ein Verbleib in Assen. Die ITR ist mit Promoter Lee van Dam, der sich in den vergangenen zwei Jahren um das Rennen sehr bemüht hat, hochzufrieden. Und Berger und Elsner würden Assen auch gerne im Kalender behalten.

Woran es liegt, dass der Kurs dennoch nicht im Kalender aufscheint? Die ITR ist sich mit van Dam, der übrigens vergangenes Wochenende auch in Spielberg war, in Hinblick auf die Vertragsbedingungen noch nicht einig geworden. Sollte das passieren, dann würde Assen einen der zwei aktuell noch unbelegten Kalenderplätze im Juni bekommen.

Piloten wünschen sich mehr Stadtkurse

Interessant ist dass es nach der Veröffentlichung des Kalenders am Wochenende weitere Anfragen gab. "Witzigerweise ist die eine oder andere Strecke, die vorher noch nicht im Auswahl-Prozess dabei war, auf uns zugekommen nach der Veröffentlichung mit den tba. Wir schauen uns alles an und in den nächsten Wochen haben wir dann alles beieinander."

Darunter soll sich auch ein Kurs im Osten befinden, was darauf hindeuten könnte, dass der Hungaroring an einem DTM-Comeback interessiert ist.

Welche Kurse die Piloten noch interessieren würden? "Das wird zwar sicher nicht klappen", holt Götz aus. "Aber wenn man es aktivieren könnte, wäre ein Stadtkurs ganz witzig, oder sowas wie die Avus, oder auf einem Flugplatz rumballern", findet Götz. "Berlin wird es nicht geben, weil da die Formel E ist. Aber irgendein Goodie nochmal, das wäre geil."

Macau-Pläne der DTM: Bergers Neffe hat richtigen Riecher

Winward-Mercedes-Pilot Lucas Auer schlägt in eine ähnliche Kerbe - und wagt eine Prognose: "Ich denke, das Fragezeichen steht für Macau. Das ist für mich nur eine besondere Strecke, weil man da beim Fahren so viel zurückbekommt", so der Neffe des DTM-Chefs.

Eine spannende Aussage, die tatsächlich nicht aus der Luft gegriffen ist: Denn zwischen den Verantwortlichen des legendären Stadtrennens, bei dem neben der Formel 3 traditionell auch der GT-Weltcup der FIA stattfindet, und der ITR gab es bereits Gespräche.

Hintergrund ist, dass das Rennen auf dem Guia Circuit den Motorsport Games der FIA zum Opfer fallen könnte, bei denen ebenfalls ein Profi pro GT3-Auto in einem Sprintrennen zum Einsatz kommt. Die Idee für diese Veranstaltung stammt von SRO-Chef Stephan Ratel - und damit von einem Konkurrenten Bergers.

Sollte es also tatsächlich soweit kommen, dass der GT-Weltcup in Macau nicht mehr stattfindet, wäre das eine Gelegenheit für die DTM, nach der kaum realisierbaren Idee mit Monaco neben dem Norisring endlich einen weiteren legendären Stadtkurs ins Programm aufzunehmen. Für 2022 wäre das allerdings unrealistisch.

Mit Bildmaterial von Red Bull.

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