DTM-Meistermacher kommt! Wieso Kris Nissen das Aston-Martin-Team verlässt
Sportdirektor Kris Nissen und das Aston-Martin-Team Comtoyou trennen sich nach einem Jahr: Was dazu führte und welche Rolle Nicki Thiim bei der Nachfolge spielte
Kris Nissen war 2025 Sportdirektor beim Aston-Martin-Team Comtoyou
Foto: Alexander Trienitz
Das Aston-Martin-Team Comtoyou Racing stellt sich für die DTM-Saison 2026 neu auf: Neben der Werksunterstützung und Pilot Nicki Thiim, der nun endlich auch in der DTM im Vantage GT3 Evo sitzt, hat die belgische Truppe die Verpflichtung von Mario Schuhbauer bekanntgegeben.
Der 30-Jährige wurde 2024 als Teamchef von SSR Performance gemeinsam mit Mirko Bortolotti DTM-Meister und fungiert neuerdings beim Aston-Martin-Rennstall als DTM-Projektleiter und Sportdirektor. Und ersetzt damit Legende Kris Nissen, der 2026 nicht mehr als Sportdirektor an Bord ist. Aber was steckt hinter dem Wechsel?
"Wir haben die Entscheidung getroffen, dass wir dieses Jahr einen eigenen Projektleiter für die DTM haben möchten, der in Belgien lebt und sich voll und ganz dieser Aufgabe widmet", erklärt Teamchef Francois Verbist im Gespräch mit Motorsport-Total.com. "Das war für Kris nicht möglich."
Wieso sich Nissen und Comtoyou nicht auf Verlängerung einigten
Denn Nissen lebt in der Schweiz in Hergiswil und damit weit entfernt von der Werkstatt des Teams in Gembloux, die sich rund 40 Kilometer südöstlich von Brüssel befindet. "Und es war definitiv unser Wunsch, dass der Projektleiter auch die Rolle des Sportdirektors übernimmt", sagt Verbist.
Das habe auch finanzielle Gründe. "Wir sind eine sehr kleine Struktur mit einem sicherlich begrenzten Budget, daher müssen wir die Leute, die wir haben, zu 100 Prozent einsetzen", erklärt er. "Wir sind nicht in der luxuriösen Lage, dass wir mehr Leute beschäftigen als wir brauchen." Aus diesem Grund musste er laut eigenen Angaben "eine Entscheidung treffen".
Denn Nissen war von 2003 bis 2012 als Motorsportleiter bei Volkswagen stets mit langen Arbeitstagen konfrontiert, hat Familie und möchte heute etwas kürzer treten, weshalb man sich darauf einigte, dass der Einjahresvertrag nicht verlängert wird. "Ich will nicht Vollzeit arbeiten und in Belgien wohnen", bestätigt der 65-jährige Däne seine Beweggründe, sieht die Truppe aber auch in seiner Abwesenheit auf Kurs.
Teamchef Verbist: "Kris war sehr große Hilfe für das Team"
"Francois und das Team sind dabei, den Plan umzusetzen, den wir gemeinsam Ende 2024 aufgestellt haben - und das ist richtig und notwendig", sagt Nissen. Abschließend bedankt er sich für "ein schönes Jahr mit dem Team und mit der ADAC- beziehungsweise DTM-Familie. Ich wünsche dem Team und dem ADAC ein erfolgreiches Jahr 2026 und komme ab und zu auf Besuch."
Auch Verbist hofft weiterhin auf die guten Ratschläge seines Freundes Nissen, der zum "guten Image" des Teams in der DTM beigetragen habe. "Wir sind definitiv in gutem Einvernehmen, und die Entscheidung hat nichts mit seiner Arbeit zu tun, für die ich ihm sehr dankbar bin", stellt er klar. "Kris war im Vorjahr mit seinem Netzwerk und seinem Know-how eine sehr große Hilfe für das Team, weil wir neu in dieser Serie waren."
Wie Ex-SSR-Teamchef Schuhbauer bei Comtoyou landete
Aber wie kam es dazu, dass nun ausgerechnet Mario Schuhbauer bei Comtoyou den DTM-Bereich leitet? Dabei spielte Aston Martin-Werksfahrer Nicki Thiim eine Rolle, der bereits 2024 bei SSR Performance mit dem gebürtigen Sauerländer arbeitete und nun seine erste Aston-Martin-Saison in der DTM bestreiten wird.

Teamchef Mario Schuhbauer und Nicki Thiim 2024 bei SSR Performance
Foto: Gruppe C Photography
"Die ausschlaggebende Schnittstelle war vielleicht sogar Nicki", sagt Schuhbauer. "So kommt man dann ins Gespräch. Und dann ergibt das eine das andere."
Schuhbauer arbeitet seit Anfang Januar bei Comtoyou und hat eine kleine Arbeitswohnung in Gembloux bezogen, wo auch das Team seinen Sitz hat. Da Comtoyou neben der DTM auch einen umfangreichen Einsatz mit drei Boliden in der GT-World-Challenge Europe stemmt und in der GT-Open-Serie, der 24h-Series und im Fun-Cup am Start ist, soll Schuhbauer nun für Entlastung und Fokus sorgen.
"Ich kümmere mich um das Gesamtprojekt von Comtoyou", erklärt Verbist. "Mit Mario ist es unser Wunsch, dass wir uns wirklich fokussieren und mit den anderen Projekten keine Zeit verschwenden, denn wir stehen in der DTM jetzt vor neuen Herausforderungen."
Komplett separate Crews, wie sie etwa das Mercedes-Team Winward in DTM und GTWCE einsetzt, wird es aber 2026 nicht geben. "Es wird eine Mischung sein, aber es wird Leute geben, die nur DTM machen", erklärt Verbist, der generell im Vergleich zu 2025 "auf Konstanz" setzt. "Die Crews, die Ingenieure werden zu 98 Prozent gleich sein."
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