DTM-Rennen Lausitzring 2: Ferrari-Pilot Cairoli holt Sieg und Tabellenführung
Emil-Frey-Ferrari-Pilot Matteo Cairoli hat das zweite DTM-Rennen auf dem Lausitzring gewonnen: Aston-Pilot Nicki Thiim und DTM-Rookie Finn Wiebelhaus auf dem Podium
Matteo Cairoli kam knapp vor Nicki Thiim über die Ziellinie
Foto: ADAC Motorsport
Heißes Rennen auf dem Lausitzring, und das nicht nur wegen der hohen Temperaturen: Emil-Frey-Ferrari-Pilot Matteo Cairoli feiert im zweiten Lauf am Sonntag (Ergebnis) seinen zweiten Saisonsieg und übernimmt damit zugleich die Führung in der Gesamtwertung. Doch der Italiener musste bis zur Zielflagge um den Erfolg bangen.
Denn Comtoyou-Aston-Martin Nicki Thiim, der bereits am Vortag von der Poleposition gestartet war, setzte den Ferrari-Piloten in der Schlussphase massiv unter Druck. Der Däne fand trotz seiner frischeren Reifen jedoch keinen Weg vorbei und verpasste den ersten Aston-Martin-Sieg in der DTM schlussendlich um lediglich 0,413 Sekunden.
"Der Däne hat mich echt ins Schwitzen gebracht, dabei hatte ich die Klimaanlage im Auto an", sagt ein sichtlich abgekämpfter und erschöpfter Cairoli bei ProSieben. "Er hört das grade nicht, aber er hat mich echt unter Druck gesetzt. Irgendwann dachte ich: 'Okay, mir bricht hier mit den Reifen alles zusammen', denn die waren echt am Ende."
"Aber ja, ich habe bis zum Ende gekämpft und mein zweites DTM-Rennen gewonnen", ergänzt der Emil-Frey-Ferrari-Pilot, der schon in Zandvoort triumphierte und nun auch die Tabellenführung übernommen hat. "Das ist echt gut zu wissen! Ich wusste das bis jetzt nicht, und nun bin ich sogar noch zufriedener. Wir werden einfach so weitermachen."
Ford-Youngster Wiebelhaus feiert erstes DTM-Podium
Auch der Kampf um den letzten Podestplatz hatte es in sich: HRT-Ford-Pilot Arjun Maini, der das Sonntagsrennen von der Poleposition aufgenommen hatte, musste sich in den Schlussrunden noch seinem jungen Teamkollegen Finn Wiebelhaus geschlagen geben. Der 20-jährige Rookie sichert sich damit seinen ersten Podestplatz in der DTM.
"Wir hatten ein tolles Duell am Ende", sagt Wiebelhaus bei ProSieben. "Ich bin super happy mit dem Ergebnis für das Team. Es war kein Streit, wir haben uns genug Platz gelassen und es war ein sehr schönes Duell. Ein riesen Respekt an Arjun, dass er mich da so ans Limit gebracht hat, aber nicht über das Limit hinaus."
"Ich hatte einen Reifenvorteil, das muss man auch dazu sagen", ergänzt der HRT-Ford-Pilot. "Arjun hatte den Reifen schon gebraucht, weil ich gestern das Auto leider abstellen musste, wegen des Kontaktes mit Thierry Vermeulen. Das war, glaube ich, auch nicht im Live-Bild zu sehen, um das nochmal klarzustellen. Deswegen ist es am Ende gut ausgegangen."
Mirko Bortolotti (Grasser-Lamborghini) belegt den fünften Platz, gefolgt von Markenkollege Luca Engstler im Abt-Lamborghini. Kelvin van der Linde (Schubert-BMW) wird Siebter, vor Winward-Mercedes-Pilot Maro Engel. Marco Wittmann (Schubert-BMW) und Thomas Preining (Manthey-Porsche) komplettieren die Top 10.
HRT-Ford-Pilot Maini geht beim Start in Führung
Der Start des Rennens verlief ohne größeres Durcheinander: Ford-Pilot Maini wandelte seine Poleposition zunächst noch zur Führung um, allerdings schon dicht gefolgt von Cairoli, Thiim und Wiebelhaus. Einer der Leidtragenden der Startrunde war Manthey-Pilot Thomas Preining, der vom sechsten Platz bis auf die elfte Position durchgereicht wurde.
Bereits in der zweiten Runde musste das Safety-Car ausrücken, um Carbonteile von der Start-Ziel-Geraden entfernen zu lassen. Auslöser der ersten Neutralisation war Maximilian Paul, dessen Grasser-Lamborghini ein großes Teil seiner Heckpartie verloren hatte.
Der anschließende Restart brachte an der Spitze ebenfalls noch keine Veränderungen. Im Mittelfeld lieferte sich Preining hingegen ein Duell mit dem Dörr-McLaren von Ben Dörr, wobei der Porsche-Pilot seinem Kontrahenten mehrfach ins Heck fuhr. "In jeder Kurve schiebt er mich an", schimpfte Dörr direkt am Funk.
Obwohl der Youngster, der am Vortag nachträglich noch den Sieg von Marco Mapelli (Abt-Lamborghini) geerbt hatte, mit einem Erfolgsgewicht von 20 Kilogramm unterwegs war, fand Preining bis zur Öffnung des ersten Boxenstoppfensters keinen Weg vorbei.
Cairoli profitiert von Boxenstopp-Patzer bei Maini
Der viertplatzierte Wiebelhaus war wenig später der erste Pilot, der zum Reifenwechsel abbog, allerdings gefolgt von zahlreichen Fahrern aus dem Mittelfeld, darunter auch Schubert-BMW-Pilot Kelvin van der Linde und Lucas Auer im Landgraf-Mercedes.
Während Preining im Mittelfeld dank eines Undercuts an Dörr vorbeiziehen konnte, musste auch Maini beim Boxenstopp eine Position einbüßen: Denn der Reifenwechsel der HRT-Ford-Mannschaft dauerte etwas länger als geplant, sodass Cairoli, der eine Runde früher an die Box gekommen war, mit seinem Undercut die Führung übernahm.
"An sich war es ein gutes, spaßiges Rennen. Ich hatte einen guten Start, doch dann ist mir beim Boxenstopp ein Fehler unterlaufen", verrät Maini nach dem Rennen bei ProSieben, was genau schiefgelaufen ist: "Ich bin ein wenig über die Box hinausgeschossen, und das war für die Jungs dann echt schwer. Der Fehler geht auf meine Kappe."

Maini verlor seine Führung gegen Cairoli beim Boxenstopp
Foto: ADAC Motorsport
Der Polesetter fiel dadurch auf den zweiten Platz zurück, knapp vor Teamkollege Wiebelhaus, der ebenfalls von seinem frühen Boxenstopp profitierte. Während die meisten Piloten bereits früh zum Service abbogen, wartete ein Fahrer besonders lange: Nicki Thiim steuerte die Box erst kurz vor dem Schließen des Boxenstoppfensters an.
Der Däne, dem nach seinem Reifenpoker am Samstag keine frischen Slickreifen mehr zur Verfügung standen, sortierte sich in der Lücke zwischen Maini und Wiebelhaus ein und verteidigte seinen dritten Platz erfolgreich, obwohl er seine gebrauchten Reifen zunächst noch auf Temperatur bringen musste.
Pech hatten beim ersten Stopp die beiden AMG-Piloten Maro Engel und Jules Gounon: Weil die Winward-Mechaniker bei beiden Stopps offenbar ein Rad nicht dauerhaft festgehalten hatten, mussten beide Fahrer eine Penalty-Lap absolvieren und verloren dadurch wertvolle Positionen. Der Franzose stellte seinen AMG später sogar komplett ab.
Maini auch beim zweiten Boxenstopp ohne Glück
An der Spitze bekam Cairoli unterdessen Druck von Maini. Der Inder kämpfte sich zwischenzeitlich noch einmal dicht an den Emil-Frey-Ferrari-Piloten heran, fand jedoch keinen Weg vorbei. Auch Thiim konnte vor dem zweiten Boxenstopp bereits zu den beiden Führenden aufschließen.
Mit der Öffnung des zweiten Boxenstoppfensters kam Wiebelhaus als erster Fahrer aus der Spitzengruppe an die Box. Der Reifenwechsel bei HRT verlief jedoch erneut nicht optimal, sodass der Youngster den möglichen Undercut nicht nutzen konnte und zunächst auf dem vierten Rang blieb.
Für eine brisante Szene sorgte AMG-Youngster Tom Kalender: Der Landgraf-Mercedes-Pilot war beim Einbiegen in die Boxengasse so spät auf der Bremse, dass er beinahe dem Land-Porsche von Bastian Buus ins Heck gekracht wäre. Nur mit einem Ausweichmanöver konnte Kalender einen Auffahrunfall verhindern.
Zwei Runden nach seinem Teamkollegen absolvierte auch Maini seinen zweiten Reifenwechsel. Der Undercut-Versuch des Inders gegen Cairoli, der einen Umlauf später an die Box kam, brachte jedoch nicht den erhofften Erfolg. Der Rückstand des Ford-Piloten war zu groß, um den Vorteil der bereits auf Temperatur gebrachten Reifen auszunutzen.
Thiim war auch beim zweiten Boxenstopp der letzte Fahrer aus der Spitzengruppe, der zum Reifenwechsel kam. Ein Schachzug, der sich auszahlte: Denn der Aston-Martin-Werksfahrer kehrte vor Maini als Zweiter auf die Strecke zurück und konnte seine gewonnene Position gegen den Inder verteidigen, der anschließend sogar noch weiter zurückfiel.
Ausgerechnet Teamkollege Wiebelhaus schloss in der Schlussphase auf und setzte den Polesetter unter Druck. Die beiden HRT-Ford-Piloten lieferten sich einen intensiven Zweikampf um den letzten Podestplatz. Zwei Runden vor Schluss gelang es Wiebelhaus schließlich, an seinem Teamkollegen vorbeizugehen und den dritten Rang zu übernehmen.
"Ich glaube, er war am Ende auf neuen Reifen und somit deutlich schneller, aber er hat fair gekämpft und es war ein großartiges Rennen", lobt Maini seinen jungen Teamkollegen, der beim Auftakt in Spielberg schon einmal mit dem zweiten Startplatz überraschen konnte. "Ehrlich gesagt hatte ich am Ende keine Chance. Gratulation an ihn."
"Er macht die gesamte Saison über einen echt soliden Job, und es ist fantastisch, so einen jungen, schnellen Teamkollegen zu haben, der dich immer push", ergänzt der Inder, der am Ende als Vierter knapp das erhoffte Podium verpasst. "Ich bin sehr glücklich für ihn, er hat sich das verdient."
Matteo Cairoli übernimmt Gesamtführung in der DTM
Auch die beiden Schubert-BMW-Piloten Marco Wittmann und Kelvin van der Linde lieferten sich ein teaminternes Duell. "Das war mega, wirklich", sagt der Südafrikaner mit einem Grinsen im Gesicht. "Ich habe mich gefreut, die Kämpfe mit Marco und auch mit Maro Engel waren sauber und auch genau das, was wir in der DTM sehen wollen."
"Und klar, ich war der Begünstigte und bin da vorne rausgekommen", ergänzt van der Linde bei ProSieben. "Ich glaube, für das Paket war es heute ein gutes Ergebnis. Mein Qualifying war nicht perfekt, da hat ein bisschen was gefehlt. Aber klar, am Ende war das echt ein hartes Rennen und ich bin froh, dass wir zurückgekommen sind."
Cairoli übernimmt mit seinem Sieg auch die Tabellenführung: Der Ferrari-Pilot hat nun 78 Punkte auf seinem Konto und verdrängt Lucas Auer (77 Punkte) damit auf den zweiten Platz. Ben Dörr belegt nach seinem Sieg am Samstag nur den 16. Platz und geht damit leer aus. Auch Dörr-Teamkollege Timo Glock scheidet wieder einmal vorzeitig aus.
Viel Zeit, die Ereignisse vom vergangenen Wochenende zu verarbeiten, bleibt den Teams und Piloten nicht: Denn das vierte Rennwochenende der diesjährigen Saison (der ganze DTM-Rennkalender 2026) findet bereits in zwei Wochen (3. bis 5. Juli) statt, wenn auf dem Norisring in Nürnberg das einzige Stadtrennen des Jahres auf dem Programm steht.
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