DTM-Rennen Nürburgring 2: Wittmann holt BMW-Sieg nach irrem AMG-Debakel
Marco Wittmann (Schubert-BMW) holt im zweiten Rennen auf dem Nürburgring den Sieg, während AMG ein Debakel erlebt: Engel kollidiert mit Auer, Gounon mit Strafe
Marco Wittmann (Schubert-BMW) gewinnt das zweite DTM-Rennen am Sonntag
Foto: ADAC Motorsport
Der strahlende Sieger im zweiten DTM-Rennen auf dem Nürburgring (Rennergebnis) heißt Marco Wittmann: Der Schubert-BMW-Pilot, der vom sechsten Startplatz kam, profitiert von den Fehlern der Konkurrenz nach dem Start und beim ersten Boxenstopp und staubt seinen insgesamt dritten DTM-Sieg in der Eifel ab.
"Ein super Rennen", freut sich Wittmann bei ProSieben. "Ein sehr wildes Rennen, vor allem in der Anfangsphase, aber wir konnten uns da aus allem heraushalten und mit unserem Undercut genau die richtige Strategie fahren. Ein richtig starkes Wochenende mit dem ersten und dritten Platz. Daher bin ich sehr zufrieden."
Mercedes-AMG war mit großen Ambitionen in das Rennen gestartet, erlebt am Sonntag jedoch ein mittelschweres Debakel: Maro Engel (Winward-Mercedes) und Lucas Auer (Landgraf-Mercedes) kollidieren schon kurz nach dem Start, während Polesetter Jules Gounon (Winward-Mercedes) auch infolge einer Strafe am Ende nur den 14. Platz erreicht.
Die einzige Freude für die Marke mit dem Stern: Tom Kalender zeigt ein fehlerfreies Rennen und erkämpft sich in der Schlussphase dank seiner frischen Reifen noch den zweiten Platz und damit seinen ersten Podestplatz in der DTM. Thomas Preining (Manthey-Porsche) komplettiert das Podium immerhin noch als Dritter.

Tom Kalender (Landgraf-Mercedes) holt sein erstes DTM-Podium
Foto: ADAC Motorsport
"Ich wäre natürlich gerne vorne geblieben, aber keine Chance", gibt der Österreicher bei ProSieben zu. "Ich glaube, so viel frischer war der Reifen, nicht nur acht oder zehn Runden, aber es war schon eine dominante Vorstellung von denen. Grundsätzlich bin ich natürlich über den Rennverlauf sehr glücklich. Er hätte für uns nicht besser laufen können."
Arjun Maini (HRT-Ford) wird Vierter, gefolgt von Mirko Bortolotti (Grasser-Lamborghini) und Abt-Lamborghini-Pilot Lucas Engstler. Nicki Thiim (Comtoyou-Aston-Martin) erreicht als Siebter die Ziellinie, vor Timo Glock im Dörr-McLaren. Marco Mapelli (Abt-Lamborghini) und Bastian Buus (Land-Porsche) komplettieren die Top 10 am Sonntag.
Maro Engel reißt AMG-Kollege Lucas Auer aus dem Rennen
Mercedes-AMG kassierte den ersten Rückschlag des Tages bereits kurz nach dem Start, als Tabellenführer Engel mit Markenkollege Auer aneinandergeriet. Der Österreicher drehte sich deshalb und riss in der Folge auch Kelvin van der Linde (Schubert-BMW) mit ins Aus. Alle drei Piloten mussten ihre beschädigten Autos vorzeitig abstellen.
"Ich muss es mir nochmal genau anschauen, aber es sieht aus, dass es mein Fehler ist", nimmt Engel die Schuld im Gespräch mit ProSieben direkt auf seine Kappe. "Ich muss nochmal anschauen, ob ich vielleicht einen [Treffer] bekommen habe von hinten, weiß ich nicht. Aber im ersten Moment würde ich sagen, mein Fehler."
Eine Ansicht, die im Anschluss an das Rennen auch die Sportkommissare teilten, den eine Berührung mit der Konkurrenz gab es nicht: Auch sie sahen Engel daher als Verursacher des Unfalls und brummten ihm dafür eine Strafe auf. Der Tabellenführer wird in der Startaufstellung für das erste Rennen am Sachsenring um drei Positionen zurückversetzt.
Nach einer kurzen Safety-Car-Phase verteidigte Polesetter Gounon seine Führung vor Ben Dörr (Dörr-McLaren) und Vortagessieger Matteo Cairoli im Emil-Frey-Ferrari. Bortolotti (Grasser-Lamborghini) musste unterdessen wegen eines Frühstarts einmal durch die Penalty-Lap fahren und fiel dadurch frühzeitig an das Ende des Feldes zurück.
Marco Wittmann profitiert vom Boxenstopp-Chaos
Als sich kurz darauf das erste von zwei Boxenstoppfenstern öffnete, kam der achtplatzierte Engstler als erster Pilot aus den Top 10 zum Reifenwechsel. Dahinter entschieden sich auch Ricardo Feller (Manthey-Porsche), Thierry Vermeulen (Emil-Frey-Ferrari) und Buus für einen frühen Stopp. Wittmann kam drei Umläufe später in der zwölften Runde.
Ähnlich wie am Vortag wurde auch am Sonntag mit harten Bandagen gekämpft: Der Dreikampf zwischen Kalender, Engstler und Feller sorgte bei den Zuschauern für besondere Freude, denn das Trio überholte sich mehrfach, teils sogar mit leichtem Kontakt.
Die Spitzengruppe ließ sich mit dem ersten Boxenstopp deutlich länger Zeit als die Piloten im Mittelfeld. Dörr kam in Runde 16 schließlich als erster Fahrer aus den Top 3, doch die Dörr-Mannschaft patzte erneut und befestigte das rechte Vorderrad nicht richtig.
Der McLaren-Youngster schaffte es zurück auf die Strecke, rutschte allerdings schon in der ersten Kurve geradeaus. Gounon und Cairoli kamen einen Umlauf später: Während der Stopp beim Winward-Team perfekt lief, klemmte es bei Emil-Frey am linken Hinterrad.
Der Stopp bei Cairoli dauerte deshalb fast 25 Sekunden, weshalb der Italiener bis auf den elften Platz durchgereicht wurde. Profiteur des Boxenchaos war Marco Wittmann, der an Nicki Thiim vorbeiging, der hinter dem strauchelnden Dörr in der Boxengasse viel Zeit verlor, und deshalb auf den zweiten Platz vorrückte.
Gounon verliert Führung wegen Boxenstopp-Vergehen
Um den gestrandeten Dörr-McLaren gefahrlos bergen zu können, kam das Safety-Car zum zweiten Mal auf die Strecke. Bitter für Gounon: Weil der Franzose bei seinem Stopp in der Boxengasse zu schnell war, musste der Mercedes-Pilot nach der Freigabe des Rennens einmal durch die Penalty-Lap fahren.
In der Folge fiel der Franzose auf den sechsten Platz zurück und musste sich kurz danach auch noch Markenkollege Kalender geschlagen geben. Wittmann übernahm damit erstmals die Führung, gefolgt von Manthey-Porsche-Pilot Thomas Preining und Nicki Thiim.
Im Mittelfeld kam es nach dem zweiten Safety-Car zu weiteren Zweikämpfen, unter anderem zwischen Bortolotti und Finn Wiebelhaus im zweiten HRT-Ford. Für den Rookie endete der Kontakt mit einem Reifenschaden. Die Rennleitung schaute sich den Vorfall kurz an, sprach allerdings gegen keinen der Beteiligten keine Strafe aus.
Arjun Maini, der nach seinem frühen Aus am Vortag mit frischen Reifen unterwegs war, hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf den vierten Platz vorgekämpft. Wenig später öffnete das zweite Boxenstoppfenster, wobei der Inder als erster Fahrer zum erneuten Reifenwechsel abbog.
Tom Kalender holt ersten Podestplatz in der DTM
Die Top 3 kam einige Runden später zum zweiten Stopp, wobei sich zunächst keine Veränderungen ergaben. Der drittplatzierte Thiim kam danach allerdings nicht mehr richtig in Schwung. Der Däne musste sich zunächst AMG-Pilot Kalender geschlagen geben, ehe auch Engstler und Maini vorbeigingen.
An der Spitze schoben sich die drei Erstplatzierten zusammen: Kalender setzte Preining in den letzten Runden unter Druck und schob sich kurz vor dem Fallen der Zielflagge mit einem starken Manöver am DTM-Champion von 2023 vorbei. Der 18-Jährige, der beim Auftakt am Red-Bull-Ring schon einmal Vierter wurde, feiert sein erstes DTM-Podium.
Im Rennen am Sonntag gingen nur 20 Boliden an den Start: Christian Engelhart, der am Nürburgring als Ersatz für den verletzten Maximilian Paul im Einsatz war, konnte nicht mehr ins Renngeschehen eingreifen. Sein Grasser-Lamborghini wurde bei dem heftigen Unfall mit Thierry Vermeulen in der Schlussphase des Samstagsrennens zu stark beschädigt.
Maro Engel behält DTM-Tabellenführung, aber ...
Winward-Mercedes-Pilot Maro Engel behält trotz seines Ausfalls zwar die Führung in der Gesamtwertung, allerdings rückt Thomas Preining (Manthey-Porsche) dank seines dritten Platzes am Sonntag bis auf einen Zähler heran. Nicki Thiim (Comtoyou-Aston-Martin) liegt mit 21 Punkten Rückstand auf dem dritten Platz.
"Wir reisen mit nur einem Punkt Rückstand ab, wer hätte das gedacht", richtet Preining seine Kampfansage an die Konkurrenz. "Aber ich glaube, es ist verdient und ich glaube, wir können froh darum sein."
Die DTM-Saison 2026 geht nun in die heiße Phase, denn insgesamt stehen nur noch vier Rennen auf dem Programm: Die nächsten beiden Läufe finden in vier Wochen auf dem Sachsenring (11. bis 13. September) statt, ehe beim traditionellen Saisonfinale in Hockenheim (09. bis 11. Oktober) der neue DTM-Champion gekrönt wird.
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