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DTM-Rookie mit 38 Jahren: So tickt Lamborghini-Werkspilot Marco Mapelli

Marco Mapelli ist einer von vier Rookies in der DTM-Saison 2026: Wie der 38-jährige Italiener tickt, warum sein Weg nicht immer einfach war und welche Schwäche er hat

DTM-Rookie mit 38 Jahren: So tickt Lamborghini-Werkspilot Marco Mapelli

Lamborghini-Pilot Marco Mapelli fährt 2026 für Abt Sportsline in der DTM

Foto: Abt Sportsline

Marco Mapelli gehört neben Bastian Buus, Finn Wiebelhaus und Matteo Cairoli zu den vier Rookies in der DTM-Saison 2026, obwohl der Italiener mit 38 Jahren gleichzeitig auch zu den älteren Fahrern im aktuellen Starterfeld (alle Teams und Fahrer) zählt. Nur Timo Glock (44 Jahre) und Maro Engel (40 Jahre) sind älter.

Dass Mapelli in diesem Jahr für Abt in der DTM startet und einen der vier neuen Lamborghini Temerario GT3 im Feld pilotieren wird, ist allerdings kein Zufall: Der Italiener gehört bereits seit 2017 zum Werkskader von Lamborghini, verfügt über umfassende GT3-Erfahrungen und hat den neuen Boliden sogar maßgeblich mitentwickelt.

Marco Mapelli ist jemand, der das Rampenlicht bewusst meidet und nicht dazu neigt, mit seinen Erfolgen zu prahlen. Selbst einen Rundenrekord auf der Nürburgring-Nordschleife, den er im Jahr 2018 im Lamborghini Aventador SVJ aufstellte, erwähnt der zurückhaltende Italiener nicht von sich aus.

Der 38-Jährige stand sowohl bei den 24 Stunden von Daytona als auch bei den 12 Stunden von Sebring auf dem Podium und hat gemeinsam mit Teamkollege Andrea Caldarelli im Jahr 2019 alle drei Titel der GT-World-Challenge-Europe (Gesamtwertung, Endurance-Cup und Sprint-Cup) gewonnen.

Mapelli hatte "nie den Traum" ein Profi-Rennfahrer zu sein

"Ich nenne es nicht gerne Karriere", sagt der Lamborghini-Pilot aus Seregno im Norden Italiens, wenn er auf seine bisherige Motorsport-Biografie angesprochen wird. "Aus einer kleinen Stadt zu kommen und das zu tun, was man liebt, war schon damals wie ein Traum."

"Ich habe mir nie groß Gedanken über die Zukunft gemacht, denn wir waren eine ganz normale Familie und konnten uns Rennsport nicht leisten", blickt Mapelli auf seine Anfänge im Motorsport zurück. "Deshalb war ich immer auf die Unterstützung anderer angewiesen."

Doch bereits im Kartsport deuteten sich seine Fähigkeiten offenbar an. "Ich wurde von einem Go-Kart-Hersteller kontaktiert und gefragt, ob ich für sie fahren wolle", ergänzt der Italiener, aber "das war auch nicht einfach, denn ich musste mich ständig beweisen."

Ein professioneller Rennfahrer zu werden sei für Mapelli zu Beginn seiner Laufbahn sogar "nie ein Traum" gewesen, erinnert er sich. "Denn schon damals war ich glücklich, als Werksfahrer im Go-Kart-Bereich fahren zu können, ohne dafür bezahlen zu müssen."

Rennsport anfangs nur "eine Art Sonntagsvergnügen"

Dass Mapelli überhaupt in den Motorsport gefunden hat, war mehr oder weniger sogar Zufall. "Ich erinnere mich, dass ich 1993 mit meiner Familie auf einer Leihkartbahn war, einfach so zum Spaß, aber mehr weiß ich nicht mehr", sagt der zurückhaltende Italiener.

"Am nächsten Tag hatte ich dann mein erstes Rennen in einem Minikart, was echt Spaß gemacht hat." Erst einige Jahre später, genauer gesagt 1997, begann Mapelli schließlich, ernsthafter Rennen zu fahren. "In Italien muss man zehn Jahre alt sein, um an nationalen Rennen teilzunehmen, also sind wir mit meinem Vater und meinem Onkel gefahren."

"Damals war das für mich so eine Art Sonntagsvergnügen", gibt der heute 38-Jährige zu. "Wir hatten keine Motorsport-Tradition in der Familie und deshalb auch keine konkreten Ziele. Aber ich habe mich immer mehr emotional in den Sport hineinversetzt; anstatt Fußball zu spielen oder so, hatte ich beim Rennfahren viel mehr Spaß."

So entwickelte sich Schritt für Schritt der Weg in den Profisport. "Ich habe weltweit gegen Fahrer wie Nico Hülkenberg, Sebastian Vettel und meinen späteren Lamborghini-Teamkollegen Edoardo Mortara gekämpft", erinnert Mapelli an seine frühen Kartrennen.

Marco Mapelli bleibt ohne Erfolge im Formelsport

Doch im weiteren Verlauf seiner frühen Karriere lief nicht alles reibungslos. "Dann, irgendwann, wachte ich aus einem Albtraum auf, denn Ende 2003 wechselte ich den Hersteller und merkte, wie hart der Motorsport sein kann, weil das Team, zu dem ich gewechselt war, aufgelöst wurde."

Mapelli ließ sich davon nicht entmutigen und orientierte sich neu. "Anstatt also nach einem anderen Konstrukteur zu suchen, machte ich die Lizenz für Autos und wechselte in den Formelsport", ergänzt der heutige Werksfahrer, der zunächst in der italienischen Formel Renault an den Start ging.

Luca Engstler und Marco Mapelli fahren 2026 für Abt in der DTM

Luca Engstler und Marco Mapelli fahren 2026 für Abt in der DTM

Foto: Abt

In den Folgejahren startete Mapelli in der österreichischen Formel-3-Meisterschaft und der International Formula Master, doch die großen Durchbrüche blieben aus. "Schnell wurde mir klar, wie schwierig es finanziell ist, mit dem richtigen Auto in das richtige Team zu kommen", gibt der Italiener zu.

Erst in der Saison 2010 sorgte der diesjährige DTM-Rookie wieder für Aufmerksamkeit, als er die GT-Cup-Wertung in der italienischen GT-Meisterschaft gewinnen konnte. Nach weiteren Erfolgen machte Mapelli schließlich Lamborghini auf sich aufmerksam, was ihm 2017 den ersten Werksvertrag einbrachte.

Mapelli will Lamborghini "auch etwas zurückgeben"

"Jedes gute Ergebnis ist ein großartiges Gefühl", ergänzt der aktuelle Lamborghini-Pilot mit einem Schmunzeln. "Auf der Strecke bedeutet jeder Erfolg, jedes Rennen, das ich gewinne, auch etwas zurückzugeben, weil Lamborghini viel Vertrauen in mich setzt."

Der Dreifach-Triumph in der GT-World-Challenge-Europe sei für ihn allerdings der "befriedigendste" aller bisherigen Erfolge gewesen, weil das zuvor niemand geschafft hat und es seitdem auch niemand wiederholen konnte. "Gewinnen ist natürlich das Wichtigste, aber es gehört immer ein Zusammenspiel vieler Faktoren dazu."

"2024 lagen wir nur wenige Punkte hinter den Titelgewinnern, und 2025 gewann Lamborghini die 24 Stunden von Spa nahezu ohne Probleme am Auto. Es ist eine Teamleistung, und zu sehen, wie sich all die harte Arbeit auszahlt, ist das größte Highlight."

Mit dem neuen Temerario und Abt zum Erfolg?

Ein solches Highlight möchte Mapelli in diesem Jahr gemeinsam mit Abt auch in der DTM erzielen. Er kennt das Team bereits von der Nordschleife, wo er in den vergangenen drei Jahren bereits im Abt-Lamborghini beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring gefahren ist.

Und Abt weiß daher auch, dass Mapelli das Potenzial für DTM-Erfolge hat. Der neue Lamborghini Temerario GT3, den der Italiener in großen Teilen mitentwickelt hat, soll dabei unterstützen. "Der wichtigste Punkt bei der Entwicklung war, das Auto fahrbarer zu machen", sagt der Lamborghini-Pilot.

Denn der bisherige Huracan GT3 hatte ein relativ schmales Arbeitsfenster, sodass man sich "sowohl beim Set-up als auch fahrerisch leicht 'verirren' konnte", gibt Mapelli zu. "Genau das wollten wir verbessern: mehr Komfort im Auto, besserer Luftstrom, insgesamt ein leichter zu handhabendes Fahrzeug."

Lamborghini Temerario GT3

Marco Mapelli hat den neuen Lamborghini Temerario GT3 mitentwickelt

Foto: Getty Images

"Auch der Motor spielt eine große Rolle für die Fahrbarkeit; Turbopower statt eines Saugmotors bedeutet, dass man das Drehmoment viel stärker managen muss, gleichzeitig nutzt man weniger von der Strecke und muss beispielsweise vorsichtiger über Kerbs fahren."

Marco Mapelli verbringt Freizeit gerne zu Hause

"Mechanisch haben wir versucht, das Fahrbarkeits- und Set-up-Fenster so weit zu öffnen, dass unterschiedliche Fahrstile ohne große Schwierigkeiten mit dem Auto zurechtkommen", ergänzt der Abt-Lamborghini-Pilot, der auf den nächsten Erfolg in seiner "Karriere" hofft.

Damit bleibt nur eine Frage: Wie tickt Mapelli eigentlich privat? "Zwischen Rennen und Tests bleibt tatsächlich nicht viel Freizeit", gibt der Italiener zu. "Ehrlich gesagt entspanne ich gerne und bleibe zu Hause, da ich die meiste Zeit in Flugzeugen oder Hotels verbringe."

"Ich fahre viel Fahrrad und verbringe Zeit mit meiner Familie und mit den Menschen, die einen vermissen, wenn man unterwegs ist", sagt Mapelli und verrät seine Schwäche: "Es ist schwierig, den Kopf komplett von der Arbeit abzuschalten - daran muss ich noch arbeiten."

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