DTM staunt über Rookie Wiebelhaus: Was den Mustang-Spitzenplatz kostete
Der 19-jährige Hesse Finn Wiebelhaus verblüffte beim DTM-Debüt mit Startplatz zwei: Warum sein Teamkollege im Schatten stand und es im Rennen rückwärts ging
DTM-Gesicht, das man sich merken muss: HRT-Ford-Youngster Finn Wiebelhaus
Foto: ADAC Motorsport
Der Hesse Finn Wiebelhaus war die Entdeckung des DTM-Wochenendes in Spielberg: Der 19-jährige HRT-Pilot, der seinen erfahrenen Teamkollegen Arjun Maini beim DTM-Debüt im Griff hatte, hätte im Ford Mustang GT3 Evo mit 0,085 Sekunden Rückstand beinahe die Pole geholt und startete sensationell aus der ersten Reihe.
Zudem beeindruckte Wiebelhaus, der am Ende Achter wurde Rennbericht, in der ersten Runde mit einem beinharten Rad-an-Rad-Duell über vier Kurven gegen Vizemeister Lucas Auer, inklusive mehrerer Berührungen. "Er ist das ganze Wochenende toll gefahren, speziell im Qualifying. Und auch im Rennen hat es sich so angefühlt als wäre er sehr erfahren", streut Auer dem Neuling Rosen. "Er wird eine tolle Karriere haben."
Auch Wiebelhaus hat den Zweikampf gegen den Mercedes-AMG-Werksfahrer genossen. "War ein cooles Duell", sagt er. "Wir sind Seite an Seite gefahren, haben Lack ausgetauscht. Das macht Spaß, das wollen die Fans sehen."
Wiebelhaus nach Debüt: "DTM-Härte ist eine andere"
Am Ende setzte sich der Landgraf-Mercedes-Pilot durch, weil er in der vorletzten Kurve auf der Innenbahn war. Dem HRT-Piloten, der im Vorjahr den ADAC-GT-Masters-Titel gewann und sich in seinem erst dritten GT3-Jahr befindet, wurde in Spielberg die deutlich härtere Gangart in der DTM bewusst.
"Die Härte im Rennen ist schon eine andere als im GT Masters oder in der GT-World-Challenge", sagt er am Sonntag im Gespräch mit Motorsport-Total.com. "Da bin ich gestern sicher ein bisschen überrascht gewesen. Heute habe ich glaube ich ganz gut gegengehalten und kann mir nichts vorwerfen. Wenn es so weitergeht, würde mich so etwas nicht mehr überraschen."
Zimperlich war Wiebelhaus allerdings auch am Samstag nicht, als er Ricardo Fellers Manthey-Porsche bei der Anfahrt zu Kurve drei anschob - und mit Glück einer Strafe entging.
Teamkollege Maini klar im Schatten: Lag es am Auto?
Wie der Vergleich mit Maini ausfällt, der 2024 noch zu den stärksten Mercedes-AMG-Piloten zählte und bereits seine sechste DTM-Saison fährt? Im ersten Qualifying war Wiebelhaus auf Platz 13 um 0,165 Sekunden schneller als der auf Platz 16 liegende Inder, im zweiten Qualifying nahm er Maini, der nur 15. wurde, gleich 0,406 Sekunden ab.
Und auch die schnellsten Rennrunden von Wiebelhaus waren an beiden Tagen schneller als die seines Teamkollegen: am Samstag um 0,072, am Sonntag um 0,145 Sekunden.
Wie man hört, kämpft Maini seit dem DTM-Test in Spielberg mit der Performance seines Fahrzeugs und ist aktuell nicht in der Lage, das Maximum abzurufen. "Wir haben das Gefühl, dass Leistung fehlt - ob vom Getriebe, vom Motor oder vom Antriebsstrang. Das prüfen wir gerade", erklärt HRT-Teamchef Ulrich Fritz. Das Wiebelhaus-Debüt sei "mega" gewesen, "aber was wir am Sonntag gesehen haben, ist sicher nicht der normale Leistungsabstand zwischen Finn und Arjun."
Wieso Wiebelhaus im Rennen Platz zwei nicht halten konnte
Aber wieso ging es am Sonntag bei Wiebelhaus von Platz zwei auf Rang acht zurück? In der ersten Runde positionierte er sich bei der Anfahrt zu Kurve vier auf der ungünstigen Außenbahn und musste den späteren Sieger Maro Engel ziehen lassen, vier Kurven später ging auch Auer innen vorbei, wodurch Wiebelhaus Vierter war.

Harte Bandagen: Wiebelhaus musste sich gegen die besten GT3-Piloten wehren
Foto: ADAC Motorsport
"Dann sind die Reifen ein bisschen eingegangen und wir haben nach dem ersten Pitstop wichtige Trackposition verloren", erklärt Wiebelhaus, der seinen ersten Stopp lange hinauszögerte, bei ProSieben.
Der HRT-Youngster lag vor dem zweiten Stopp hinter Nicki Thiim und Jules Gounon auf Platz sieben - und auch der Versuch, über die Strategie wieder nach vorne zu kommen, ging nicht auf.
Nachholbedarf in der Boxenstopp-Phase
"Ich habe den Call gegeben, dass wir früh reingehen und hoffen, dass die anderen hart fighten oder Zeit verlieren, wenn ich in der Free Air ein paar Runden gute Pace gehen kann", nahm er die Angelegenheit selbst in die Hand. Doch stattdessen schlüpfte auch noch McLaren-Youngster Ben Dörr durch.
Der Blick auf die Stoppuhr zeigt, dass das HRT-Team auch bei den Boxenstopps noch Nachholbedarf hat: Während die Emil-Frey-Truppe ihre Autos in weniger als sieben Sekunden abfertigt, benötigte man bei Wiebelhaus 8,8 und 8,6 Sekunden.
Bei der Runde aus der Box auf kalten Reifen muss der Youngster hingegen noch zulegen: Auf Maini verlor er 0,9 sowie 0,4 Sekunden, auf die absolute Spitze sogar mehr als zwei Sekunden. "Das ist aber normal", relativiert Teamchef Fritz und verweist darauf, dass im ADAC GT Masters die Reifen nicht gewechselt werden. "Er macht das das erste Mal und muss das mit dem kalten Reifen einfach lernen."
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