DTM-Teams testen neuen Lamborghini: Wieso Grasser mit "Lehrjahr" rechnet
Wie die ersten Tests der DTM-Teams mit dem neuen Temerario GT3 in Vallelunga und Misano laufen, wo der größte Unterschied liegt und wann das Auto ausgeliefert wird
Lamborghini organisiert im Februar Tests für die Teams mit dem neuen Temerario
Foto: Getty Images
Die Lamborghini-Teams befinden sich gerade in einer entscheidenden Phase: Von heute bis Mittwoch steigt in Misano der zweite und letzte vom Hersteller organisierte Test, bei dem Grasser, Abt, Rutronik und das Sospiri-Team (VSR) selbst mit dem neuen Temerario GT3 arbeiten dürfen. Danach wird der Bolide ausgeliefert, und die Teams müssen das Auto so schnell wie möglich kennenlernen, ehe eine Testeinschränkung droht und im April die Saison beginnt.
"Bei den Testfahrten haben wir einen guten ersten Eindruck bekommen, aber es gibt noch diverse Bereiche, die wir weiter optimieren können", lautet das erste Fazit von Teamchef Gottfried Grasser, der 2026 wegen des Modellwechsels von einem "Lehrjahr" ausgeht. Aber wie lief der erste Temerario-Test vom 10. bis 12. Februar in Vallelunga, an dem die vier Teams teilnahmen?
Die DTM-Teams Grasser und Abt kamen bei wechselhaften Bedingungen in den Genuss von zwei vollen Testtagen - jeweils mit einem der beiden Temerario-Prototypen im Tricolore-Design, die von Lamborghini vorbereitet wurden. Rutronik und Sospiri erhielten je einen Testtag.
"Elektronik jetzt viel komplexer"
"Für ein neues Auto läuft es ziemlich problemlos", zeigt Grasser mit dem Daumen nach oben. Er weiß, wovon er spricht, denn der 47-jährige Ingenieur hat 2015 mit seinem Team den Vorgänger Huracan mitentwickelt. Sein erster Eindruck vom Turboboliden, der bei Tests bereits über 15.000 Kilometer absolviert hat und im März in Sebring seine Rennpremiere erleben wird?
"Es ist definitiv ein Lamborghini. Das Konzept und die Grundidee sind dem Huracan sehr ähnlich", sagt Grasser und verweist auf den Mittelmotor, die Achsen und das Fahrwerk. "In anderen Bereichen ist das Auto aber komplett neu."
Abgesehen vom V8-Turbomotor, der den V10-Saugmotor ersetzt, spielt Grasser vor allem auf die Elektronik des Boliden an. "Die ist jetzt viel komplexer, was am aktuellen Stand der Technik liegt." Kein Wunder, denn der Temerario ist ein modernes GT3-Fahrzeug, während die Entwicklung des Huracan bereits elf Jahre zurückliegt.
"Da geht es um Funktionen und tausende Details", geht Grasser ins Detail. "Allein die Traktionskontrolle ist bei einem GT3-Auto keine einfache Herausforderung." Diesbezüglich werde man "sicher ein bisschen Zeit brauchen, bis alles so läuft, wie wir es brauchen", kündigt der Teamchef an.
Huracan noch schneller? Performance bisher bei Tests kein Thema
Während die Grasser-Crew das neue Auto bereits Ende 2025 bei Lamborghini im Werk kennenlernte, war Vallelunga die erste Begegnung der Teams mit dem Temerario auf der Rennstrecke. Am Steuer saßen Mirko Bortolotti, Maximilian Paul, Franck Perera, Luca Engstler und Patric Niederhauser, Rundenzeiten waren aber zweitrangig.
"Bisher ging es nur um die Abläufe und das Kennenlernen des Fahrzeugs", gibt Grasser Einblicke. "Die Performance ist das letzte, was man angeht." Wie man hört, sind die Rundenzeiten des Temerario aktuell noch langsamer als die des Huracan, auch wenn das wegen der Balance of Performance (BoP) im GT3-Sport ohnehin zweitrangig ist.
Was Grasser zur Performance sagt? "Ich kann überhaupt nicht einschätzen, wo wir liegen", sagt er. Die ersten Aufschlüsse werde diesbezüglich der Pirelli-Test in Vallelunga geben, bei dem der Temerario mit anderen Fahrzeugen auf der Strecke sein wird.
Grasser kündigt an: "Werden im März jede Woche testen"
Ebenfalls noch ein großes Fragezeichen sind die in der DTM so wichtigen Boxenstopps. "Wir haben einen anderen Lanzenpunkt", verweist Grasser auf die Luftlanze, die nun nicht mehr über dem Auspuff im Heck sondern vor dem seitlichen Fenster angesetzt wird, damit das Auto beim Stopp hochgeht.
Generell rechnet Grasser mit keiner großen Veränderung, obwohl eine Einschätzung schwierig sei, "weil wir noch keinen Boxenstopp gemacht haben", so Grasser. Das wird sich bald ändern, denn das Grasser-Team steht bis zum Beginn der Rennsaison, die Mitte April zunächst in der GT-World-Challenge Europe und dann in der DTM startet, vor einem intensiven Testprogramm.
"Im März werden wir sicher jede Woche testen", kündigt Grasser an. "Da müssen wir rausfinden, wie das Auto auf gewisse Änderungen reagiert und ein Verständnis vom Auto gewinnen. Aktuell sind wir davon noch sehr weit weg." Den Rest müsse man an den Rennwochenenden lernen.
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.