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DTM-Test Hockenheim 2021: Alles, was man über die GT3-Premiere wissen muss

Am Mittwoch und Donnerstag steigt die GT3-Testpremiere der DTM in Hockenheim: Wie viele Autos fahren, wie die BoP aussieht und warum Michelin konservativ ist

DTM-Test Hockenheim 2021: Alles, was man über die GT3-Premiere wissen muss

Endlich ist es so weit: Am Mittwoch und am Donnerstag zeigt die DTM beim ersten DTM-Test in Hockenheim ihr neues GT3-Gesicht. Die Versuchsfahrten finden ohne Zuschauer statt, dennoch bieten wir einen genauen Überblick, was nach dem Wechsel von den Class-1- auf die GT3-Autos zu beachten ist und beantworten die wichtigsten Fragen.

Nach dem Hockenheim-Test findet übrigens von 4. bis 6. Mai auf dem Lausitzring noch ein zweiter offizieller Test statt, ehe die Saison von 18. bis 20. Juni in Monza gestartet werden soll. Die Teams dürfen durch die Aufhebung des Testverbots aber auch privat testen.

Wer wird am Test teilnehmen?

Insgesamt werden 15 Autos von zehn Teams und den Herstellern Mercedes, Audi, BMW und Ferrari am Hockenheim-Test teilnehmen. Warum es nicht mehr Boliden sind, obwohl Stand heute 17 Fahrzeuge (hier geht's zu Übersicht) für die Saison 2021 bestätigt sind? Das liegt daran, dass das Abt-Team nicht alle drei, sondern nur zwei Audi R8 LMS GT3 in der Box stehen hat.

Ein Bolide steht ausschließlich Sophia Flörsch zur Verfügung, die bislang nur am 24. März in Hockenheim ein paar Runden drehte, um sich an das Space-Drive-System von Schaeffler-Paravan zu gewöhnen. Mike Rockenfeller und Kelvin van der Linde testeten hingegen bereits in Vallelunga und teilen sich beim DTM-Test das zweite Abt-Auto.

Und auch das Rowe-Team hat nur einen BMW M6 GT3 in Hockenheim mit dabei, den sich Sheldon van der Linde und Timo Glock teilen werden. Boliden von McLaren, Porsche, Lamborghini oder Aston Martin sind in Hockenheim nicht am Start.

Handelt es sich um die ersten Kilometer der neuen DTM-Autos?

Streng genommen nein. Denn fast jedes Team hat bislang bereits für die DTM getestet: Abt testete von 8. bis 10. März mit Rockenfeller und Kelvin van der Linde in Vallelunga, Alex Albon und Liam Lawson saßen am 30. März bei AF Corse in Spa-Francorchamps im Ferrari, GetSpeed bescherte Arjun Maini zwei Tage lang auf dem Nürburgring Testzeit im GT3-Mercedes und Winward nutzte den Monza-Test der GT-World-Challenge Europe, um damit sich neben Philip Ellis vor allem Lucas Auer an den GT3-Mercedes gewöhnen kann.

Welche Bedeutung hat der Test?

Testfahrten sind zwar dieses Jahr besonders wichtig, da jedem Fahrer während der Saison pro Rennwochenende nur drei frische Satz Reifen zur Verfügung stehen und man daher im Training Reifen sparen muss. Die Tests sind aber im Gegensatz zur Class-1-Ära nicht mehr limitiert. Und da es erstmals eine Balance-of-Performance-Einstufung gibt, werden die Teams die Karten beim offiziellen Test nicht aufdecken.

Wichtig ist der Test aber für Systemchecks und die vielen Abläufe, die die Teams teilweise erst lernen müssen. Dabei handelt es sich um die für GT3-Teams ungewohnten Performance-Boxenstopps, während andere Teams wie Abt kaum Erfahrung mit GT3-Autos haben. Zudem werden Standardabläufe wie der Indianapolis-Start geübt, der den stehenden Start ersetzt, damit auch die neuen Fahrer diesbezüglich fit sind.

Zu welchen Zeiten wird gefahren?

Sowohl am Mittwoch als auch am Donnerstag wird das Programm in zwei Sessions unterteilt. Die Morgensession läuft von 9:00 bis 13:00 Uhr. Am Nachmittag wird von 14:00 bis 18:00 Uhr gefahren. Das ergibt insgesamt 16 Stunden Testzeit, in den man sich die Strecke allerdings mit den GT4-Boliden der DTM-Trophy teilen muss.

Wie wird das Wetter?

Die Prognose sorgt bei den DTM-Teams für wenig Begeisterung: Nachdem es vergangene Woche in Mitteleuropa noch teils sommerliche Temperaturen gab, wird der Hockenheim-Test bei winterlicher Kälte über die Bühne gehen. Vor allem am Morgen sind an beiden Tagen Minusgrade zu erwarten, ehe die Quecksilbersäule auf maximal zehn Grad klettert. Am Mittwoch werden zu allem Überdruss auch immer wieder leichte Regenschauer befürchtet.

Welche Zeiten darf man erwarten?

Rene Rast stellte beim Qualifying beim Saisonfinale in Hockenheim in 1:28.337 einen DTM-Rundenrekord auf. Fakt ist: Die Class-1-Zeiten sind mit den GT3-Autos unerreichbar. Wahrscheinlicher ist da schon, dass sich die Zeiten auf dem Niveau des ADAC GT Masters oder etwas darunter einpendeln werden. Ein Orientierungspunkt: Im Vorjahr sicherte sich der Niederländer Steijn Schothorst im Grasser-Lamborghini in 1:38.193 die Poleposition.

Wie viel Aussagekraft haben die Rundenzeiten?

Da die Bedingungen während der Saison komplett anders sein werden, sind die Rundenzeiten mit Vorsicht zu genießen. "Wenn du am Morgen bei drei Grad fährst, dann kriegst du die Reifen nicht auf Temperatur", stellt Abt-Sportdirektor Thomas Biermaier klar. Dazu kommt, dass die für die Balance of Performance zuständige AVL die Boliden in Hockenheim mit Sensoren versehen wird, um Daten zu sammeln. Aus diesem Grund wird kein Team die Karten auf den Tisch legen. "Sandbagging" ist angesagt.

Wie sieht die Test-BoP der AVL aus?

Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' setzt die AVL, die die Balance of Performance der DTM regelt, schon beim Hockenheim-Test auf eine überraschend schnelle Einstufung. "Viele Restriktoren werden da nicht zum Einsatz kommen", sagt ein Mitglied eines Rennstalls.

Damit beweist die DTM, was bereits vermutet wurde: Man möchte sich als Premium-GT3-Serie positionieren und am Ende das ADAC GT Masters und andere Serien auch durch die Rundenzeiten in den Schatten stellen. Das zeigt sich auch an den Vorgaben, was das Gewicht der Fahrzeuge angeht. Viele Teams haben Schwierigkeiten, diese zu erreichen, wodurch die Boliden schwerer sein werden als erlaubt.

Welche Reifen bringt Michelin zum Test?

So schnell die vorläufige Test-BoP ausgelegt ist, so konservativ geht Michelin an den Test heran. Der neue DTM-Reifenpartner, der dieses Jahr Hankook ablöst, will kein Risiko eingehen, was die Vorgaben für den erlaubten Sturz der Reifen und den Mindest-Reifendruck angeht. Das sorgt nicht bei allen Teams für Begeisterung. Abt-Sportdirektor Biermaier zeigt Verständnis: "Auch sie müssen sich erst herantasten", sagt er. "Wir sind jetzt am Beginn. Und so viele Daten gibt es noch nicht."

Für den Test nominiert ist der Reifen Michelin Pilot Sport GT S9M. Diese Mischung gilt als besonders haltbar, während die Mischungen S8M und S7M für mehr Abbau sorgen. Auch die Mischung S8M soll zu Testzwecken im Hockenheim zum Einsatz kommen.

Man darf gespannt sein, ob die Franzosen die weicheren Mischungen während der Saison ebenfalls zum Einsatz bringen werden, um für unberechenbarere Rennverläufe zu sorgen. Generell ist das Reifenkontingent nicht begrenzt, die Teams können also nach Belieben Reifen kaufen.

Wie kann man den Test verfolgen?

Auf 'Motorsport.com' halten wir die Leserinnen und Leser über die Ereignisse in Hockenheim auf dem Laufenden. Zudem gibt es ein Livetiming der DTM-Dachorganisation ITR, über das man stets im Bilde bleibt, welche Zeiten gerade gefahren werden.

Mit Bildmaterial von AVL.

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Urheber Sven Haidinger