DTM-Test Lausitzring: Ford Mustang dominiert, Ferrari-Team schlägt Alarm
Rookie Finn Wiebelhaus sorgt beim DTM-Test für eine Ford-Doppelführung, während der Lamborghini die einzige rote Flagge auslöst: Im Ferrari-Lager gibt es BoP-Sorgen
Ford Mustang in der DTM ganz vorne? Finn Wiebelhaus überrascht beim Test
Foto: ADAC Motorsport
Noch vor zwei Wochen in Zandvoort kämpfte das HRT-Team trotz der neuen Evoversion des Ford Mustang um den Anschluss - und plötzlich dominiert man den offiziellen Test auf dem Lausitzring: Rookie Finn Wiebelhaus, der den Ford in Spielberg in die erste Startreihe gestellt hatte, fuhr in 1:21.434 bei wechselhaften Bedingungen und Temperaturen knapp unter 20 Grad die Tagesbestzeit.
Der 20-Jährige war damit um 0,071 Sekunden schneller als sein HRT-Teamkollege Arjun Maini. Auf dem dritten Platz landete "Grello"-Porsche-Pilot Thomas Preining (0,182), der am Vormittag in 1:21.616 Schnellster war und erstmals ohne seinen langjährigen Renningenieur auskommen muss. Auf den Plätzen vier und fünf rangierte das Winward-Mercedes-Duo Maro Engel (+0,263) und Jules Gounon (0,296).
Auf Platz sechs folgt mit Mirko Bortolotti (+0,314) der beste Pilot im neuen Lamborghini Temerario GT3. Das Grasser-Team sorgte kurz vor elf Uhr auch für die einzige rote Flagge des Tages, als Bortolottis Teamkollege Maximilian Paul auf der Strecke liegenblieb. "Bei Max ist bei der Aufhängung etwas locker geworden", sagt Teamchef Gottfried Grasser auf Nachfrage von Motorsport-Total.com.
Testtag startet am Vormittag auf nasser Strecke
Der Dresdner Lokalmatador stellte das Auto in seiner 49. Runde aus Sicherheitsgründen ab, wodurch die Session acht Minuten lang unterbrochen war. Auch er positionierte sich im Tagesklassement mit Platz acht und 0,358 Sekunden Rückstand auf Wiebelhaus in einer guten Position.
Aber wie aussagekräftig sind die Zeiten beim vom ADAC organisierten Testtag, an dem kein Pilot fehlte, da der Test auch ohne Teilnahme als einer von vier offiziellen Tests gewertet worden wäre?
Der Qualifying-Rekord von Landgraf-Mercedes-Pilot Lucas Auer aus dem Vorjahr liegt bei 1:19.827 - und damit um über eineinhalb Sekunden schneller als die Tagesbestzeit. Die Bedingungen waren aber auch nicht ganz optimal, denn als die Ampel kurz nach neun Uhr morgens auf grün schaltete, war die Strecke nass.
Erst im Laufe des Vormittags konnten die Teams auf Slicks wechseln, der Asphalt bot dennoch vorerst wenig Grip: Auer war kurz vor Mittag der erste Pilot, der eine Zeit unter 1:22 fuhr. Die Teams konnten beim Test bis zu vier neue Reifensätze nutzen, wovon allerdings kaum Gebrauch gemacht wurde, weil viele die Reifen für das Freitag-Training aufbewahrten.
Emil-Frey-Technikchef reist extra wegen schlechter BoP an
Zudem wurde eine verpflichtende Balance of Performance (BoP) vom ADAC vorgegeben - und Boliden teilweise auf ihr Gewicht überprüft, um repräsentative Daten zu erhalten. Beim Ferrari-Team Emil Frey, das in Zandvoort mit Jack Aitkens Nachfolger Matteo Cairoli den ersten Saisonsieg einfuhr, zeigte man sich mit der ersten Einstufung für den Lausitzring alles andere als zufrieden.
"Unsere BoP ist beim Test im Vergleich zum letzten Jahr um einiges schlechter", sagt Emil-Frey-Technikchef Jürg Flach, der eigentlich nicht vorhatte, beim Test vor Ort zu sein, aber wegen der schwierigen Ausgangslage kurzfristig anreiste. "Es fehlt uns an Leistung, was sich entsprechend auf Beschleunigungsvermögen, Topspeed und Rundenzeit negativ auswirkt."
Thierry Vermeulen fehlten auf Platz sieben 0,328 Sekunden, Cairoli kam mit 0,848 Sekunden Rückstand nicht über Platz 20 hinaus. Der Ferrari hat zwar im Vergleich zu Zandvoort teilweise etwas mehr Ladedruck bekommen, doch der Dünenkurs lag dem 296 GT3 Evo wie kaum eine andere Strecke.
BMW nicht unter den Top 10
Vergleicht man die neue Einstufung des Boliden mit der letzten BoP-Anpassung des Vorjahres auf dem Lausitzring, dann war der Ferrari nicht nur zehn Kilogramm leichter, sondern er hatte tatsächlich deutlich mehr Ladedruck: Im mittleren Drehzahlbereich von 6.500 Umdrehungen waren es sogar 0,11 bar, auf die das Schweizer Team nun verzichten muss.
Dass Vermeulen dennoch wenig Zeit auf die Spitze verliert, könnte ein Hinweis darauf sein, dass einige Teams beim Test die Karten noch nicht aufgedeckt haben. Auffällig war auch, dass das BMW-Team Schubert nicht im Vorderfeld landete: Kelvin van der Linde, der in Zandvoort siegte, kam mit 0,614 Sekunden Rückstand als bester Pilot im M4 GT3 Evo auf den 13. Platz.
Die Teams haben nun zwei Wochen Zeit, um die Testdaten zu analysieren. Denn von 19. bis 21. Juni findet das dritte Saisonwochenende auf dem ehemaligen IndyCar-Kurs in der Lausitz statt, der wegen seiner heftigen Bodenwellen, des geringen Grips und des Kompromisses zwischen Highspeed-Passagen und engen Kurven als besondere Herausforderung gilt (SPONSORED LINK: Jetzt Tickets für die DTM auf dem Lausitzring sichern!).
Ergebnis des offiziellen DTM-Tests auf dem Lausitzring:
1. Finn Wiebelhaus (HRT-Ford) 1:21.434 (140 Rd.)
2. Arjun Maini (HRT-Ford) 1:21.505 (132)
3. Thomas Preining (Manthey-Porsche) 1:21.616 (143)
4. Maro Engel (Winward-Mercedes) 1:21.707 (140)
5. Jules Gounon (Winward-Mercedes) 1:21.730 (114)
6. Mirko Bortolotti (Grasser-Lamborghini) 1:21.748 (157)
7. Thierry Vermeulen (Emil-Frey-Ferrari) 1:21.762 (150)
8. Maximilian Paul (Grasser-Lamborghini) 1:21.792 (148)
9. Lucas Auer (Landgraf-Mercedes) 1:21.843 (132)
10. Timo Glock (Dörr-McLaren) 1:21.958 (123)
11. Luca Engstler (Abt-Lamborghini) 1:21.969 (157)
12. Tom Kalender (Landgraf-Mercedes) 1:22.018 (134)
13. Kelvin van der Linde (Schubert-BMW) 1:22.048 (139)
14. Nicki Thiim (Comtoyou-Aston-Martin) 1:22.045 (157)
15. Bastian Buus (Land-Porsche) 1:22.121 (143)
16. Ricardo Feller (Manthey-Porsche) 1:22.142 (134)
17. Nicolas Baert (Comtoyou-Aston-Martin) 1:22.246 (162)
18. Marco Wittmann (Schubert-BMW) 1:22.273 (122)
19. Ben Dörr (Dörr-McLaren) 1:22.276 (130)
20. Matteo Cairoli (Emil-Frey-Ferrari) 1:22.282 (139)
21. Marco Mapelli (Abt-Lamborghini) 1:22.289 (122)
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