DTM-Training Norisring: McLaren voran, Probleme bei Porsche und BMW?
Überhitzende Bremsen, Porsche und BMW fehlt Topspeed und ein McLaren ganz vorn: Wieso der Trainingsauftakt auf dem Norisring für rauchende Köpfe sorgt
Der "Grello" lag nicht nur weit zurück, sondern es fehlte auch Topspeed
Foto: ADAC Motorsport
Überraschendes Ergebnis des Freitagtrainings auf dem Norisring, das diesmal auch für die Einteilung der Qualifying-Gruppen verantwortlich ist: Ben Dörr sichert sich im Dörr-McLaren bei Sonnenschein und 24 Grad in 48.793 Sekunden die Tagesbestzeit (Ergebnis FT2) - und bleibt damit 0,326 Sekunden über dem Qualifying-Rundenrekord von Jordan Pepper aus dem Vorjahr.
Dörrs Teamkollege Timo Glock (+0,374) platzierte sich mit Rang 14 nicht im Vorderfeld. Auf den Plätzen zwei und drei landete die Konkurrenz von Mercedes-AMG: Landgraf-Pilot Lucas Auer kam mit 0,151 Sekunden Rückstand auf Platz zwei, Winward-Markenkollege Jules Gounon fehlten auf Platz drei 0,175 Sekunden.
Beim Österreicher passierte am Ende des ersten Trainings ein Missgeschick: Die Landgraf-Truppe übte einen Boxenstopp und ließ Auer mit einem nicht angeschraubten rechten Vorderrad los.
Landgraf verhindert Zwischenfall und kassiert Geldstrafe
Ein Unfall konnte verhindert werden, weil der Zweitplatzierte in der DTM-Wertung per Funk gewarnt wurde - und das Auto am Ende der Boxengasse abstellte. Dennoch wurde dem Team eine Geldstrafe von 500 Euro aufgebrummt.

Auers Landgraf-Mercedes wird nach dem Missgeschick zurück an die Box geschoben
Foto: ADAC Motorsport
Vierter wurde Comtoyou-Aston-Martin-Pilot Nicki Thiim (+0,185), Fünfter Emil-Frey-Ferrari-Pilot Thierry Vermeulen (+0,191), Sechster Grasser-Lamborghini-Pilot Mirko Bortolotti (+0,252) - und auf Platz sieben landete Winward-Mercedes-Pilot Maro Engel (+0,263), der im ersten Training mit einer 49.202 die Nase vorne hatte (Ergebnis FT1). Damit waren sechs Marken in den Top 8 vertreten.
"Bremsen überhitzen": Mehrere Hersteller am Limit
DTM-Leader Matteo Cairoli, der nach dem Porsche-Carrera-Cup-Auftritt 2014 erst zum zweiten Mal in seiner Karriere auf dem Norisring fährt, erlebte auf Platz neun mit 0,299 Sekunden Rückstand einen schwierigen Trainingsauftakt.
"Ich habe das Gefühl, dass die Strecke in Sektor drei etwas enger ist als vor elf Jahren", fällt dem italienischen Emil-Frey-Ferrari-Piloten auf. "Man muss so spät wie möglich bremsen, ohne den Bremspunkt zu verpassen." Auch für ihn sind die Bremsen auf dem nur 2,162 Kilometer kurzen Stadtkurs das Zünglein an der Waage.
"Das ist wahrscheinlich gerade mein größtes Problem", sagt er. "Wir arbeiten gerade an unterschiedlichen Lösungen - unterschiedliche Marken und Materialien. Und das ist hier der Schlüssel. Unser Problem ist, dass die Bremsen überhitzen und wir an einem gewissen Punkt Performance verlieren. Darauf müssen wir achten, denn sonst kann man das Auto nicht mehr abbremsen."
Probleme bei BMW und Porsche?
Cairoli ist bei weitem nicht der einzige, der unter überhitzenden Bremsen leidet: Die Lamborghini-Piloten beklagten beim neuen Temerario sogar bei ihren Qualifying-Simulationen überhitzende Bremsen, was gerade bei den aktuell hohen Temperaturen ein schwieriges Rennen befürchten lässt. Beim Grasser-Team scheint aber zumindest das Basis-Set-up mit dem neuen Temerario, der zum ersten Mal auf dem Norisring fährt, zu passen.
Außerhalb der Spitzenplätze platzierten sich Ford, BMW und Porsche: Während sich Arjun Maini auf Platz zwölf mit 0,313 Sekunden Rückstand noch achtbar aus der Affäre zog und der Mustang GT3 Evo eher bei den Longruns mit der Hitze kämpft, liegen die Münchner und Stuttgarter weit zurück. Bester Pilot mit dem BMW M4 GT3 Evo war Kelvin van der Linde, der mit 0,454 Sekunden Rückstand nicht über Platz 16 hinauskam.
Noch schlechter lief es für die Porsche-Teams Manthey und Land: Thomas Preining (+0,511) und Ricardo Feller (+0,600) landeten auf den Plätzen 18 und 19, Bastian Buus kam im Land-Porsche mit 0,645 Sekunden Rückstand auf Platz 20. Nur Lokalmatador Marco Wittmann (+0,881) war im Schubert-BMW langsamer.
Schwache Porsche-Topspeeds trotz großem Restriktor
Interessant sind die schwachen Porsche-Topspeeds: Obwohl der 911 GT3 Evo mit dem großen 43-Millimeter-Restriktor ausgestattet wurde (alle Infos zur Norisring-BoP), liegt der Bolide mit 246,88 km/h am Ende der Rangliste. Der in dieser Wertung führende Emil-Frey-Ferrari war bei der Messung um 10,01 km/h schneller.
Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass der kleine Porsche-Boxermotor bereits am Limit operiert und trotz des großen Restriktors nicht mehr viel zusätzliche Leistung verfügbar ist. Dennoch ist der Porsche um 30 Kilogramm schwerer als im Vorjahr, was sich in den Kurven negativ auswirkt.
Und auch der BMW, der seinen Speed in der Regel auf den Geraden macht, trat bei den Topspeed-Werten nicht in Erscheinung: Wittmann kam auf 250,9 km/h, was Platz elf bedeutet - und ein Defizit von rund sechs km/h auf den Emil-Frey-Ferrari. Am Samstag wird es mit dem ersten Qualifying ernst, das ab 9:35 Uhr in zwei Startgruppen ausgetragen wird (alle Infos zu TV-Zeiten, Stream etc.).
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