So kam es zur Wittmann-Disqualifikation: "Alles nur Menschen"

BMW-RMG-Teamchef Stefan Reinhold erklärt, wie es beim DTM-Rennen in Zandvoort zum fatalen Fehler kam, der zur Disqualifikation von Sieger Marco Wittmann führte

Die Siegesfeier bei BMW und Marco Wittmann nahm in Zandvoort ein jähes Ende, als die Rennleitung die Disqualifikation der #11 verkündete. Bei der technischen Kontrolle nach dem Rennen am Sonntag wurde eine zu geringe Restbenzinmenge im Tank des RMG-BMWs festgestellt. Als Konsequenz wurde Wittmann der Sieg zwei Stunden nach Überqueren der Ziellinie wieder aberkannt und Audi-Pilot Mike Rockenfeller zum Sieger erklärt.

Artikel 44.3 des Sportlichen Reglements der DTM schreibt vor, dass mindestens ein Kilogramm Restbenzin im Tank sein muss, um eine Entnahme der Spritprobe sicherzustellen. "Bei Marco waren nur noch 500 Gramm im Tank und deshalb wurde er disqualifiziert", erklärt RMG-Teamchef Stefan Reinhold gegenüber dtm.com.

Doch wie kann es sein, dass die Mindestmenge an Restbenzin deutlich unterschritten wurde? Der BMW-Teamchef klärt auf. "Das Auto wurde nach dem Qualifying im Parc ferme abgetankt. Dann wurde der Catch-Tank geleert, im Haupttank gibt es noch mal einen Innentank, der sicherstellt, dass der kleinste Rest des Benzins rausgesaugt werden kann", schildert Reinhold den Vorgang.

"Wenn der Tank leer ist, muss man erst den Catch-Tank wieder befüllen. Und dann kommt der Rest der benötigten Benzinmenge in den Tank. Das hat der Mechaniker vergessen", sagt er. Der Catch-Tank soll dafür sorgen, dass ein konstanter Benzindruck und eine permanente Kraftstoffversorgung gewährleistet wird.

Es ist noch nie schiefgegangen...

Auch wenn er sich über den Fauxpas, der zur Disqualifikation Wittmanns führte, ärgert, so macht der BMW-Mann seinen Mechanikern keinen Vorwurf. "Diese Prozedur haben wir gefühlt schon tausend Mal gemacht. Jedes Auto hat einen fixen Mechaniker dafür. Das ist bei jeder Session erforderlich, bei jedem Rennen. Das ist in den letzten sechs Jahren bei zwei bis drei Autos pro Veranstaltung nicht einmal schiefgegangen", so der RMG-Teamchef.

Bildergalerie: DTM in Zandvoort

Reinhold weiter: "Es könnte auch einer bei der Tankmaschine eine falsche Zahl eingeben. Wir haben halt immer noch Menschen in der Box stehen." Durch die Verwendung von Sensoren im Tank, ähnlich wie in der Formel 1, hätte das Missgeschick womöglich verhindern können. "Man könnte mit einer anderen Sensorik genau erkennen, wieviel Sprit noch im Auto ist, aber dafür sind die DTM-Autos technisch zu sehr an der Basis. Bei einem Formel-1-Auto wäre das nicht passiert", schildert er.

Einen Fehler bei der Berechnung des Benzinverbrauchs während dem Rennen kann Reinhold ausschließen: "Der Verbrauch wird ja so gerechnet, dass man schnellstmöglich fahren kann. Man muss immer mit dem worst case rechnen. Man könnte höchstens weniger Benzin verbrauchen, zum Beispiel bei einer Safety-Car-Phase oder wenn man in Verkehr gerät. Der Verbrauch war einwandfrei berechnet, es hat halt nur die Menge gefehlt, die noch obendrauf kommt. Es war ein Prozedur-Fehler, ganz einfach. Wir hatten am Ende 500 Gramm drin, und ein Kilo hätten wir gebraucht."

"Causa Ekström" sorgt für Erhöhung der Restbenzinmenge

Das Kuriose an der Sache: Wäre der Fehler an Wittmanns Fahrzeug in den ersten beiden Veranstaltungen der DTM 2017, also in Hockenheim und am Lausitzring passiert, wäre der Franke ohne Strafe davongekommen. Denn erst nachdem Audi-Pilot Mattias Ekström in der Auslaufrunde im Sonntagsrennen am Lausitzring seinen Audi abstellte, wurde das Reglement durch den Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) geändert und die Mindestmenge Benzin im Tank von 500 Gramm auf ein Kilogramm erhöht.

Für den Fall, dass, wie der Schwede in der Lausitz, künftig ein Fahrzeug in der Auslaufrunde stehen bleibt, sind sogar zwei Kilogramm Restbenzin vorgeschrieben. So soll gewährleistet sein, dass ein Fahrer mit Motorkraft den Parc ferme erreicht, wie es im Artikel 44.3 des Sportlichen Reglements vorgeschrieben ist.

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