"Engel ist der Beste": Wie die Outlaps über Sieg und Niederlage entscheiden
DTM-Leader Maro Engel schockte die Rivalen beim Auftakt mit bärenstarken Outlaps: Wie die Daten seine Dominanz in dieser Disziplin belegen und was sein Geheimnis ist
In Spielberg dank der Outlaps nicht zu schlagen: Maro Engel bejubelt seinen Sieg
Foto: ADAC Motorsport
Entscheiden die "Outlaps" die DTM? Neben dem Qualifying gilt die Runde nach dem Boxenstopp auf kalten Reifen als wichtigste Disziplin in der GT3-Sprintserie, in der es seit 2025 am Sonntag sogar zwei Boxenstopps gibt. Denn keine Phase des Rennens eignet sich besser als diese, um Positionen gutzumachen. Wie wichtig die Outlap ist, zeigte auch der Saisonauftakt in Spielberg.
Denn der am Sonntag in der Anfangsphase auf Platz zwei liegende Maro Engel fuhr nach dem ersten Stopp in 1:30.4 eine sensationelle Outlap - und knöpfte dem bis dahin führenden Schubert-BMW-Piloten Kelvin van der Linde im direkten Outlap-Vergleich satte zwei Sekunden ab - und bereitete so den entscheidenden Führungswechsel vor.
"Ich habe alles reingelegt in die Outlap - und das war mit Sicherheit der Schlüssel, um Kelvin zu bekommen", bestätigt Engel im Gespräch mit Motorsport-Total.com.
Daten zeigen: Die Outlap ist Engels Paradedisziplin
Mit seiner Outlap nach dem zweiten Stopp setzte der Winward-Mercedes-Routinier, der nun auch in der Gesamtwertung führt, sogar noch eins drauf und fuhr eine 1:30.115. Nur Teamkollege Jules Gounon (1:30.831) und Abt-Lamborghini-Pilot Luca Engstler (1:30.905) konnten am Sonntag in Spielberg in dieser Disziplin halbwegs mithalten, alle anderen lagen über 1:31.

Vor dem Führungswechsel: Engel attackiert nach der perfekten Outlap van der Linde
Foto: ADAC Motorsport
In den vergangenen Jahren wurden die Outlaps in der DTM immer wieder heiß diskutiert, da Teams im Verdacht standen, illegal Reifen zu heizen. Das zeigt, wie umkämpft das Thema ist. Konkret wird bei der Outlap die Zeit gemessen, die der Pilot vom Boxenausgang bis zur Start-Ziel-Linie benötigt - ohne die Boxenstopp-Zeit. Ein Blick in die Daten aller Outlaps seit Saisonbeginn 2025 zeigt, dass gewisse Fahrer diesbezüglich besonders stark sind.
Engels Überlegenheit in Spielberg kommt nicht von ungefähr, denn schon 2025 erwies sich die Outlap als seine Paradedisziplin: Wenn man Regenrennen, in denen die Zeiten wegen der Bedingungen kaum vergleichbar sind, sowie Rennen mit außergewöhnlichen Umständen ausklammert, dann kommt der Wahl-Monegasse bei den besten Outlaps eines jeden Rennens im Schnitt auf Platz 3,34.
Outlap-Stärke: Wie das Saison-Ranking 2025 aussah
Besonders beeindruckend: Bis zum neunten Saisonrennen auf dem Nürburgring, als beide Winward-Mercedes-Piloten am Ende der Outlap an die Box zurückkehrten und ihre Autos abstellten, war Engel in der Outlap-Bestenliste nie schlechter als Vierter. Auch Teamkollege Jules Gounon erwies sich mit einem Schnitt von 4,75 als stark, war aber weniger konstant als Engel. Dritter war Schubert-BMW-Pilot Rene Rast mit einer durchschnittlichen Platzierung von 5,82.
Die weiteren Plätze im Outlap-Vergleich 2025: 4. Jordan Pepper (Grasser-Lamborghini/6,15), 5. Thomas Preining (Manthey-Porsche/7,42), 6. Ricardo Feller (Land-Audi/8,15), 7. Marco Wittmann (Schubert-BMW/8,17), 8. Ayhancan Güven (Manthey-Porsche/9,34), 9. Jack Aitken (Emil-Frey-Ferrari/10,15), 10. Luca Engstler (Grasser-Lamborghini/10,27), 11. Lucas Auer (Landgraf-Mercedes/10,31).
"Der Maro ist da der Beste und ein absoluter Spezialist", sagt HRT-Teamchef Ulrich Fritz, dessen Rennstall in der Vergangenheit wie Engel den Mercedes-AMG GT3 eingesetzt hat. "Er kennt sein Auto - und das Auto kann das vielleicht auch, obwohl es sehr reifenschonend ist - was eigentlich dagegenspricht."
"Anbremsen der ersten Kurve" laut Engel entscheidend
Engel stellt allerdings klar, dass es einen grundlegenden Unterschied gibt zwischen dem "Answitchen" der Reifen im Qualifying, um die "Peak-Performance" herauszuholen, und dem Anwärmen in der Outlap.
"Die letzte Zehntelsekunde herauszuholen ist nicht entscheidend, um ein Auto hinter dir zu halten", erklärt er den Unterschied. "Stattdessen ist es entscheidend, möglichst schnell die Phase zu überwinden, in der du zwei, drei Sekunden verlierst, damit die erste fliegende Runde möglichst nah an der normalen Runde dran ist. Daran haben wir stark gearbeitet."
Aber worauf kommt es bei einer perfekten Outlap an? Der 40-Jährige will nicht zu viele Geheimnisse verraten, sagt aber: "Das Anbremsen der ersten Kurve ist das Schwierigste - den richtigen Bremspunkt zu finden. Genau in dieser Phase kannst du einen Unterschied machen und gleichzeitig den Rest der Runde sehr stark beeinflussen."
Profitiert Engel vom Training auf Eis?
Dabei gehe es auch darum, den Reifen zunächst nicht zu starken Kräften auszusetzen. "Es geht darum, das Grip-Niveau zu antizipieren, zu erspüren - und weder drunter noch drüber zu sein", gibt er Einblicke. "Natürlich wirst du mit dem kalten Slick rutschen, aber es ist wichtig, das Fahrzeug gerade zu halten und keinen groben Quersteher oder Zeitverlust zu haben."
Laut eigenen Angaben habe Engel diesbezüglich das Training auf Eis geholfen, das er seit über zehn Jahren jährlich bei der AMG-Experience in Lappland auf einem gefrorenen See absolviert. "Du lernst, was passiert, wenn das Auto rutscht und wie du es auf diesem wahnsinnig rutschigen Untergrund wieder einfangen kannst. Und du versuchst immer wieder, das Gripniveau zu erspüren."
Welchen Unterschied macht der neue DTM-Reifen?
Das sei eine "mega Schule für die Carcontrol", so Engel. Ob der neue, exklusive DTM-Reifen beim Anwärmprozess einen Unterschied macht? "Ja, der wärmt sich schon schneller auf. Davor, als es ein bisschen länger gedauert hat und du länger wie auf Glatteis unterwegs bist, konntest du vielleicht noch ein bisschen mehr Unterschied machen", lautet Engels erster Eindruck.
Für ein endgültiges Urteil ist es aber wegen der ungewöhnlich hohen Asphalttemperaturen in Spielberg von fast 40 Grad zu früh: "Das hilft natürlich alles, damit sich der Reifen schneller 'answitchen' lässt und der Grip schneller da ist." (SPONSORED LINK: Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2026 sichern!)
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