FIA-Hürden für DTM-Meister Ayhancan Güven: Wackelt sein Formel-E-Plan?
Porsche glaubt an DTM-Meister Ayhancan Güven, doch der Weg in die Formel E ist steinig: Lizenzpunkte, Erfolgszwang in der WEC und ein wichtiger Test in Miami
Ayhancan Güven klettert in Porsches Formel-E-Auto: Gelingt das Experiment?
Foto: Porsche AG
Für DTM-Champion Ayhancan Güven beginnt in zwei Wochen das Abenteuer Formel E: Der 28-jährige Türke, der nach seinem sensationellen Titelgewinn 2025 mit Manthey von Porsche aus der DTM abgezogen wird, testet am 30. Januar im Rahmen des Miami-E-Prix beim offiziellen Training für Formel-E-Neulinge zum zweiten Mal den Porsche 99X Electric.
Das spielt eine große Rolle, denn Güven darf erst dann Ende 2026 in die Formel E einsteigen, wenn er neben den 15 FIA-Lizenzpunkten in der vorangegangenen Saison 100 Kilometer bei einem offiziellen Training oder Test in einem aktuellen Formel-E-Auto absolviert.
Bei der speziell für Rookies vorgesehenen 40-minütigen Session am Freitag vor dem Renntag dürfen nur Piloten im Auto sitzen, die noch kein Formel-E-Rennen bestritten haben. Und laut Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach steht trotz des klaren Formel-E-Plans für Güven keineswegs fest, dass dieser den Sprung in die Weltmeisterschaft auch tatsächlich schaffen wird.
Porsche-Motorsportchef Laudenbach: "Hürden für 'Can' sind hoch"
"Ayhancan könnte neue Wege beschreiten für Porsche Motorsport", erklärt er. "Bislang hat unsere Nachwuchsförderung nicht auf den Formelsport abgezielt. Dass wir ab der Saison 2026/2027 zwei weitere Fahrzeuge in der Formel E einsetzen, eröffnet auch dahingehend neue Möglichkeiten."
Die Hürden für "Can" seien allerdings "hoch: Weil er bislang kein Formelsportler war, fehlen ihm nötige FIA-Lizenzpunkte für eine Zukunft in der Formel E", weiß Laudenbach. "2026 startet er mit Manthey in der Sportwagen-WM WEC - dort könnte er die Punkte holen. Wir haben also einen Plan und supporten Ayhancan. Klar ist aber auch: Er muss sich weiter auch im Formel-E-Projekt beweisen, als Nächstes in Miami."
Für seinen DTM-Titel hat Güven nur sechs Punkte erhalten. Mit dem Ziel Formel E hätte ein Verbleib in der Traditionsserie wenig Sinn ergeben, da in der LMGT3-Klasse der Langstrecken-WM WEC deutlich mehr Punkte zu holen sind: Für den Klassensieg winken zwölf Punkte, für Platz zwei sind es zehn Punkte.
Güven benötigt in der WEC Klassensieg oder Platz zwei
Das bedeutet aber auch, dass der Druck auf Güven bei seinem Einsatz mit dem 2024 und 2025 siegreichen Manthey-Team und den Teampartnern James Cottingham und Timur Boguslawski groß ist: Die sieben Punkte für Platz drei würden allein nicht mehr reichen, um die für die Formel-E-Lizenz nötigen 15 Punkte zusammenzubekommen.
Die nötige Fahrzeit im Formel-E-Auto zu bekommen, ist diesbezüglich mit Sicherheit die kleinere Hürde. Dennoch ist die Aufgabe nicht zu unterschätzen, da Güven keinerlei Formel-Erfahrung besitzt.

Güven steht 2026 unter Erfolgszwang, um es in die Formel E zu schaffen
Foto: Porsche AG
"Budgets und Testtage sind in der Formel E streng begrenzt", erklärt Florian Modlinger,
der bei Porsche das Formel-E-Projekt leitet. "Das Energiemanagement ist komplex, und damit sind vor allem die mentalen Anforderungen an die Fahrer sehr hoch. Das verkleinert den Pool an potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten."
Modlinger über Güven: Erwartung "deutlich" übertroffen
Dass Güven überhaupt für diese Aufgabe in Betracht gezogen wird, hat mit seiner bärenstarken Leistung vergangenen Sommer beim Rookietest in Berlin zu tun, als er sich dabei gegen zahlreiche Piloten mit viel Formel-Erfahrung durchsetzte.
"Ayhancan hat uns in Berlin überzeugt - nicht nur, weil er am Ende des Testtags Zweitschnellster war", blickt Modlinger zurück. "Er kommt aus dem Porsche-Nachwuchskader, weshalb wir ihn schon vorher kannten. Andererseits hatte er noch nie zuvor einen Formelrennwagen gefahren."

Güven beim erfolgreichen Rookietest in Berlin, mit dem er Porsche überzeugte
Foto: Porsche AG
Die Erwartungshaltung sei daher "moderat" gewesen, so Modlinger, "aber Ayhancan übertraf sie deutlich. Dass er auch ein Simracer ist, kann in der Formel E von Vorteil sein, weil wir viel Testarbeit im Simulator verrichten. Außerdem hat uns sein Mindset beeindruckt, mit dem er in der DTM den Titel errungen hat."
Man darf nun gespannt sein, wie sich Güven auf dem Kurs in Miami gegen die neun anderen Rookiepiloten schlägt - und ob es dem frischgebackenen Porsche-Werksfahrer 2026 gelingt, den Sprung ins Formel-E-Stammcockpit zu schaffen.
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