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FIA-Wirbel um BMW: Drohte wegen des Turboladers sogar das Macau-Aus?

Ein Turbolader, eine FIA-Prüfung und zahlreiche offene Fragen: Die Hintergründe der Nachhomologation des BMW M4 GT3, dessen Start in Macau auf dem Spiel stand

FIA-Wirbel um BMW: Drohte wegen des Turboladers sogar das Macau-Aus?

Nicht ganz freiwillig: Der BMW wurde 2026 mit einem neuen Turbolader ausgestattet

Foto: ADAC Motorsport

Warum muss der BMW M4 GT3 Evo dieses Jahr durch eine Nachhomologation mit einem neuen Turbolader ausrücken? BMW-Motorsportleiter Andreas Roos argumentierte den Wechsel im fünften Einsatzjahr des Fahrzeugs - dem zweiten mit dem Evo-Paket - mit den Kosten. "Der Hauptgrund war, die Kosten nach unten zu kriegen, denn es ist jetzt 1:1 der Serien-Turbolader, wie er im M3 oder im M4 überall verbaut ist", so Roos auf Nachfrage von Motorsport-Total.com.

"Das ist Unsinn", sagt ein BMW-Insider, der namentlich nicht genannt werden will. "Natürlich ist der neue Turbo günstiger, aber die Umstellung hat mindestens einen mittleren bis hohen sechsstelligen Betrag gekostet. Um dieses Geld hätte man den Kunden viele Turbolader günstiger geben können."

Wie man hört, erfordert der Wechsel des Turboladers tatsächlich ausgiebige Testfahrten mit einem eigenen Testteam, weil der Wechsel auch auf dem Prüfstand appliziert werden muss. Die Applikation ist notwendig, da die Abstimmung eines Turboladers sehr komplex ist und man den Vorgaben der Balance of Performance möglichst nahekommen will, um die Leistungsgrenze zu erreichen. Aber was lief tatsächlich hinter den Kulissen ab?

Zuliefererwechsel machte FIA 2024 auf BMW aufmerksam

Laut Informationen von Motorsport-Total.com gab es 2024 rund um den GT-Weltcup in Macau Wirbel um den BMW-Turbolader. Die Münchner hatten im Vorfeld bei der FIA einen Zuliefererwechsel für ein Teil im Inneren des Turboladers beantragt, weil der bisherige Partner nicht mehr liefern konnte.

Im Zuge des Antrags dürfte den FIA-Verantwortlichen bewusst geworden sein, dass der bisher eingesetzte Turbolader des M4 GT3 kein Serienprodukt war, obwohl dies das GT3-Reglement vorschreibt. Wie es dazu kommen konnte, dass der Turbolader Ende 2021 bei der Homologation des Fahrzeugs dennoch die Freigabe von der FIA erhielt, entzieht sich unserer Kenntnis.

Dahinter muss keine Absicht gesteckt haben, denn auch bei der Homologation eines GT3-Fahrzeugs gibt es zahlreiche Graubereiche - und theoretisch könnten auch Personalwechsel bei der FIA oder Interpretationsunterschiede eine Rolle gespielt haben.

BMW drohte wegen Turbolader in Macau das Aus

Nachdem die FIA die Abweichung erkannt hatte, stand im November 2024, wie man hört, sogar der Start von BMW in Macau auf dem Spiel. Erst als bei einer FIA-Abstimmung genügend Mitglieder dafür stimmten, dass der M4 GT3 weiterhin teilnehmen darf, gab es offenbar grünes Licht - und Raffaele Marciello holte für BMW beinahe den Sieg. Der Automobilweltverband forderte jedoch eine rasche Änderung.

Diese Forderung wurde wenig später zurückgezogen: Da der Wechsel des Turboladers bei einem GT3-Boliden Auswirkungen auf den Spritverbrauch, die Verbrennung, die Motorenkennfelder - und auch auf die Balance of Performance (BoP) - hat, drückte die FIA vorerst weiter ein Auge zu. BMW durfte die Saison 2025 noch mit dem gewohnten Turbolader absolvieren, ehe die Änderung für die Saison 2026 verlangt wurde.

Aber hat der Wechsel des Turboladers Auswirkungen auf die Performance? Motorsportleiter Roos meint dazu, die Änderung beim Brennverhalten bringe in einem Bereich "vielleicht einen leichten Vorteil", könne sich in einem anderen aber auch "negativ" auswirken und sei insgesamt "vernachlässigbar".

Welchen Nachteil der Turbolader-Wechsel hat

Gerade zu Beginn ist es mit einem neuen Turbolader gar nicht so einfach, an die bisherige Performance heranzukommen. Das hat nichts damit zu tun, ob das neue Teil besser oder schlechter ist, sondern mit mangelnden Erfahrungswerten.

Zunächst muss der Hersteller die Feinabstimmung so hinkriegen, dass es auch beim Überfahren der Randsteine oder bei Bodenwellen - weil die Räder durchdrehen - mit dem neuen Turbolader keine sogenannten "Overboosts" gibt. Das bedeutet, dass der von der BoP vorgegebene Ladedruck überschritten wird - was zur Disqualifikation führt.

Und dann müssen auch die BoP-Verantwortlichen die neue technische Ausgangsbasis erst kennenlernen und verstehen, was oft dazu führt, dass das Fahrzeug in der Anfangsphase vorsichtiger eingestuft wird. Denn gerade bei einer grundlegenden Neuerung bei einem Boliden fehlen Erfahrungswerte - und niemand weiß genau, ob der Eindruck den Tatsachen entspricht oder ob bewusst Performance zurückgehalten wird.

Änderung durch nachhaltige Kraftstoffe?

Ein Unterschied ist offensichtlich: Während BMW beim bisherigen Turbolader als einziger GT3-Hersteller auf einen hohen Lambda-Wert von 1,1 - und damit auf ein mageres Spritgemisch - setzte, bewegt man sich jetzt mit 0,9 im Bereich der anderen Hersteller.

Das könnte auf die inzwischen weit verbreiteten nachhaltigen Kraftstoffe zurückzuführen sein: Denn ein niedrigerer Lambda-Wert sorgt für eine bessere Verbrennung - und gerade der nachhaltige Kraftstoff gilt als sehr schwer entzündlich. Der Nachteil ist allerdings, dass der Kraftstoff-Verbrauch durch den niedrigeren Lambda-Wert höher als bisher ist.

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