"Gibt Stimmen, dass sie aussteigen": Was wird aus Red-Bull-Ferrari-Projekt in DTM?

Wieso es um die Zukunft des von Red Bull finanzierten AF-Corse-Ferrari-Einsatzes in der DTM steht, was Helmut Marko sagt und was Hoffnung auf eine Fortsetzung gibt

"Gibt Stimmen, dass sie aussteigen": Was wird aus Red-Bull-Ferrari-Projekt in DTM?

Nach dem kontroversen DTM-Finale auf dem Norisring und der bitteren Niederlage für AF- Corse-Ferrari-Pilot Liam Lawson stellt sich die Frage: Wie geht es 2021 mit dem von Red Bull finanzierten Ferrari-Team weiter? Ex-DTM-Champion Timo Scheider ließ nach dem Saisonfinale aufhorchen, als er das Ende des Projekts prophezeite.

"Ich habe schon Stimmen gehört, dass die mit dieser Nummer aussteigen", so Scheider im Podcast auf 'ran.de'. "Ob das stimmt, wird man sehen. Das kann auch eine Kurzschluss-Aussage sein, aber bei mir ist schon angekommen, dass die in diesem Fall nicht mehr mitmachen."

Weitere Details möchte der 42-Jährige zumindest öffentlich nicht kundtun. Aber bedeutet das, dass die Truppe nach dem Gewinn der Teamwertung im Rookie-Jahr nach nur einer DTM-Saison wirklich den Stecker zieht und die Traditionsserie damit das einzige Ferrari-Team verliert?

Welchen Einfluss hatte Norisring-Finale?

Fakt ist, dass derzeit hinter den Kulissen die Weichen für 2022 gestellt werden, denn AF-Corse-Sportdirektor Ron Reichert stellte am Norisring-Wochenende klar, dass man das Team mit dieser Diskussion nicht vom Titelkampf ablenken wollte und man sich nach dem Finale mit dieser Frage befassen werde.

Dass dann aber AF-Corse-Hoffnungsträger Lawson am Sonntag zunächst von Abt-Audi-Pilot Kelvin van der Linde abgeschossen wurde und dann auch noch durch die Mercedes-AMG-Herstellertaktik den Titel verlor, kam bei den Verantwortlichen des Projekts nicht gut an und dürfte die Chancen nicht verbessert haben.

Auch wenn Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko, der gemeinsam mit Boss Dietrich Mateschitz die Motorsport-Geschicke des Energydrink-Konzerns leitet, auf die Frage von 'Motorsport-Total.com' nach der Zukunft den Ball flach hält.

Marko: "Hat andere Dynamik genommen als geplant"

"Jetzt lassen wir erst mal ein bisschen Ruhe einkehren - und dann schauen wir, wie es weitergeht", sagt der Österreicher. "Außerdem haben wir noch eine Formel-1-WM, auf die wir uns konzentrieren müssen."

Dass die Ereignisse beim Saisonfinale aber nicht spurlos an Red Bull vorübergingen, will Marko gar nicht abstreiten: "Das hat jetzt ein bisschen eine andere Dynamik genommen als es eigentlich geplant war. Jetzt muss man das einmal in Ruhe analysieren."

Helmut Marko

Abgesehen vom Saisonfinale ist Marko mit der Entwicklung der DTM zufrieden

Foto: ServusTV (Leo Neumayr)

Allgemein sei man aber mit der Entwicklung der DTM nach dem Herstellerausstieg von Audi und BMW und dem Wechsel auf das GT3-Reglement durchaus zufrieden. "Bis auf das allerletzte Rennen war das sehr positiv", so Marko. "Es war ja auch eine Ausgeglichenheit da - so viele verschiedene Marken. Ich habe mir das gerne angeschaut."

"Auch ein Max Verstappen hat DTM geschaut"

Dabei sei er nicht alleine gewesen, denn an den Wochenenden, an denen es Überschneidungen zwischen der DTM und der Formel 1 gab, sei in der Red-Bull-Box vor dem Grand-Prix-Start stets DTM gelaufen. "Wir haben die Übertragungen auch immer bei der Formel 1 gesehen", bestätigt Marko. "Und immer mehr Leute - auch ein Max Verstappen - haben sich das angeschaut. Das habe ich bei den Grands Prix gemerkt."

Nachsatz: "Vielleicht lag es aber auch daran, dass Lawson einer unserer Junioren ist, dass das Interesse bei uns so groß ist."

AF-Corse-Sportchef vor Finale: "Sind mehr als glücklich"

Doch nicht nur bei Red Bull kam das DTM-Projekt bis zum Finale positiv an, sondern auch beim Ferrari-Einsatzteam AF Corse, das eng mit der Scuderia zusammenarbeitet.

Noch am Freitag vor dem Norisring-Wochenende meinte AF-Corse-Sportdirektor Reichert im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' auf die Frage nach der Zukunft des Projekts: "Wir sind mehr als glücklich in der DTM. Es gibt von uns keine negativen Äußerungen. Es gibt auch nichts, worüber wir uns beklagen können. Nur Ein großes Lob an die ITR. Wir wollen auf jeden Fall zurück sein."

Auch in Maranello werde das DTM-Engagement von AF Corse "definitiv sehr positiv aufgenommen", so Reichert, zumal die Zusammenarbeit mit Red Bull sehr harmonisch verlaufe: "Es war für alle glaube ich ein großes Fragezeichen, denn bisher war Red Bull für Ferrari immer der Gegner in der Formel 1. Das ist jetzt eine ganz neue Situation, aber das funktioniert super."

AF Corse von enormer medialer Resonanz positiv überrascht

Außerdem habe man nicht mit so viel medialer Resonanz gerechnet, gibt der 29-jährige zu. "Gerade uns als Nicht-Deutsches-Team hat die mediale Berichterstattung auf den unterschiedlichen Motorsport-Plattformen überrascht, die in Deutschland über die DTM berichten", erklärt er. "Das gab es davor in keiner anderen Meisterschaft. Dabei haben wir schon WM-Titel gewonnen - und die Berichterstattung war viel geringer", spielt er auf Rennserien wie die WEC an.

Auch in Italien werde die DTM wahrgenommen, obwohl es aktuell nicht einmal einen italienischen Fahrer im Feld gibt. "Das liegt auch daran, dass es hier nur einen Fahrer pro Auto gibt. Dadurch ist die DTM die GT-Serie, die der Formel 1 am nächsten kommt", so Reichert.

Der Deutsche sprach unmittelbar nach dem Saisonfinale gegenüber 'ran.de' von einer "Schande für den Sport". Was er damit meint? "Wir hätten das heute alle fair und sauber ausfahren können, und der bessere hätte gewonnen. Das war leider nicht der Fall."

Herstellerspielchen als Bedrohnung für AF Corse

Doch DTM-Boss Gerhard Berger, der auch gute Beziehung zu Red Bull hat, kündigte noch in der Woche nach dem Saisonfinale Maßnahmen an, um Herstellerspielchen in Zukunft aus der DTM zu verbannen.

Das ist für AF Corse eine wichtige Botschaft, denn die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass in Zukunft viele Ferrari-Boliden in der DTM am Start stehen werden und man somit ähnliche Möglichkeiten hat.

In Anbetracht von Bergers Ankündigung und der positiven Aussagen von AF-Corse-Sportchef Reichert vor dem Sonntagsrennen darf man nun durchaus hoffen, dass der Zug noch nicht ganz abgefahren ist und das Red-Bull-Ferrari-Projekt 2022 mit neuen Fahrern vielleicht doch noch eine Fortsetzung findet.

Mit Bildmaterial von Red Bull.

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