Glock-Ausfall verhilft Teamkollege Dörr zum Sieg: War es reiner Zufall?
Kuriose Verkettung der Ereignisse: Wie ausgerechnet Pechvogel Timo Glock dem Teamkollegen zum historischen Sieg verhilft und wieso ein Crashgate-Vergleich hinkt
Erster McLaren-Sieg der DTM durch Ben Dörr: Timo Glock spielte eine Schlüsselrolle
Foto: ADAC Motorsport
Kuriosum in der DTM: Verdankt das McLaren-Team Dörr Motorsport ausgerechnet dem ausgerollten Dörr-Pechvogel Timo Glock den ersten DTM-Sieg? Der Ex-Formel-1-Pilot stellte seinen McLaren beim Samstagsrennen auf dem Lausitzring in der elften Runde mit einem technischen Defekt auf der Strecke ab, was zu einer umstrittenen Full-Course-Yellow-Phase führte, die Glocks Teamkollegen Ben Dörr einen entscheidenden Vorteil - und später den Sieg - einbrachte.
Denn Ben Dörr, der nach Startplatz zehn trotz Regen mit Slicks pokerte, lag vor den Boxenstopps auf dem neunten Platz - 6,6 Sekunden hinter Leader Nicki Thiim, der ebenfalls Slicks montiert hatte. Und auch der nächste Poker des McLaren-Teams sollte aufgehen.
Denn während Leader Thiim bei den Stopps auf Verfolger Lucas Auer reagierte, der seine Regenreifen loswerden wollte, wartete Ben Dörr eine Runde länger. Sein Team spekulierte zu diesem Zeitpunkt darauf, dass die Rennleitung das Rennen wegen Glocks Boliden neutralisieren würde und holte den Youngster am Ende der 13. Runde herein.
Full-Course-Yellow brachte Ben Dörr rund 25 Sekunden
Das Timing hätte nicht besser sein können, denn Dörr lag vor dem Stopp 1,485 Sekunden hinter Abt-Lamborghini-Pilot Marco Mapelli und 0,785 Sekunden hinter Marco Wittmann auf Platz drei, aber 0,961 vor Ricardo Feller. Renndirektor Sven Stoppe rief FCY mit einem Zehn-Sekunden-Countdown aus - und unmittelbar, nachdem der McLaren-Pilot die entscheidende erste Safety-Car-Linie überfuhr, wurde die Boxengasse gesperrt.
Wie knapp es war, zeigt die Aussage von Wittmann, der als einziger des Quartetts nicht an die Box kam und dadurch nicht profitierte: "Im Endeffekt hätten wir es natürlich auch geschafft, da Ben und Ricardo es geschafft hatten. Aber für uns war es etwas zu risikoreich. Wir sprechen von zwei Sekunden."
Stoppe hatte davor bewusst darauf gewartet, dass Thiim, Thierry Vermeulen und Maximilian Paul rechtzeitig die Boxen verlassen und keinen Vorteil haben. Durch den Zehn-Sekunden-Countdown vor FCY schlüpfte dann aber das nächste Trio in die Boxeneinfahrt. Beinahe hätte Dörrs Stopp also gar nicht als Pflichtstopp gegolten.
So hatte er jedoch wie Mapelli und Feller einen Vorteil von rund 25 Sekunden gegenüber Thiim & Co., weil er mit Tempo 60 in der Boxengasse nur unwesentlich langsamer war als die Piloten auf der Strecke, die Tempo 80 einhalten mussten.
Bei Stopp zurückgefallen: Dörr überholte Feller nach FCY
Die Dörr-Mechaniker arbeiteten in 7,5 Sekunden flott, waren aber um 0,8 Sekunden langsamer als Fellers wie so oft perfekte Manthey-Crew, wodurch der McLaren-Pilot hinter den Porsche zurückfiel. Als dann FCY aufgehoben wurde, beschleunigte Dörr den Schweizer auf Start-Ziel aus und war Zweiter.
Ben Dörr, der eben erst in Zandvoort den ersten McLaren-Podestplatz der DTM-Historie eingefahren war, kam am Ende 1,864 Sekunden hinter Mapelli als Zweiter ins Ziel. Als Mapelli und Feller anschließend auch noch 15-Sekunden-Strafen aufgebrummt bekamen, weil sie bei der von Glock ausgelösten FCY-Phase gegen das Speedlimit verstießen, wurde Ben Dörr über vier Stunden später zum Sieger erklärt.

Ben Dörr erhält seinen ersten DTM-Siegerpokal erst mit Verspätung
Foto: ADAC Motorsport
Wann Dörr merkte, dass ein Topergebnis möglich ist? "Direkt nach dem Boxenstopp", sagt er. "Da sind wir drei raus, dahinter war eine 20-Sekunden-Lücke. Da war klar, dass wir drei aufs Podium kommen. Es waren aber alle ähnlich schnell - und es konnte keiner überholen."
Warum ein Vergleich mit Crashgate 2009 hinkt
Doch warum stellte Timo Glock seinen McLaren nicht neben der Strecke ab, sondern am linken Fahrbahn-Rand? Bei manchen wurden sogar Gedanken an Crashgate 2009 in Singapur wach, als Renault-Pilot Nelson Piquet jr. absichtlich in die Mauer donnerte, eine Safety-Car auslöste und Teamkollege Fernando Alonso, der seinen Stopp bereits absolviert hatte, zum Sieger machte.
Die Situation ist allerdings nicht zu vergleichen, da die Alonso-Aktion geplant war, bei Dörr aber maximal die Tatsache eine Rolle spielt, dass Glock sein Auto nicht neben der Strecke parkte. Und auch das klärt der Pechvogel auf.
"Ich bin hinter Kelvin van der Linde in die Box gekommen und auf Slicks rausgefahren, dann ging das Auto aus", erklärt Glock sichtlich frustriert unmittelbar nach dem Rennen. Ob er nicht von der Strecke fahren konnte? "Nein, der Motor hat nichts mehr gemacht, ich konnte auch nicht mehr schalten. Ich habe versucht, einen Power-Cycle zu machen, noch mal neu zu starten, aber das Auto hat nicht reagiert."
Glock war im Gegensatz zum Teamkollegen auf Regenreifen gestartet und hatte sich vom letzten Startplatz auf Rang zwölf nach vorne gearbeitet, fiel dann aber auf der abtrocknenden Strecke wieder auf Platz 18 zurück. Der Ausfallsgrund war laut dem Team ein defektes Sensor-Kabel zum Datenlogger, das für einen Kurzschluss sorgte.
Dörr: "Eigentlich keine Chance auf ein Podium"
Unmittelbar nach dem Rennen war Glock nicht einmal bewusst, dass sein Pech das Glück des Teamkollegen war. "Keine Ahnung, ich habe nicht darauf geachtet", antwortet er. Ben Dörr musste nach Rennende über vier Stunden warten, bis er erfuhr, dass er Sieger war und mit dem ersten McLaren-Triumph DTM-Geschichte geschrieben hatte.
"Der Teammanager kam mit einem Grinsen zu mir - da wusste ich schon, was er mir sagt", offenbart Dörr bei ran.de, wie er vom Sieg erfuhr. "Es ist ein bisschen schade, dass es erst im Nachhinein rauskam, aber das ist unbeschreiblich." (SPONSORED LINK: Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2026 sichern!)
Vor dem Rennen hätte er ein derartiges Ergebnis nicht für möglich gehalten. "Wir sind hier dieses Wochenende nicht so stark. Wir wussten schon im Qualifying, dass es schwierig wird. Die Plätze zehn und 21 durch Timo haben gezeigt, dass wir eigentlich keine Chance haben auf ein Podium. Aber ja, mit Strategie und dem Wetter hat es dann doch gereicht. Wir haben ein schlechtes zu einem perfekten Wochenende umgedreht."
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