DTM

Grasser-Berufung gegen Disqualifikation: Urteil vor dem DTM-Titelfinale realistisch?

Das Grasser-Team hat heute gegen den verlorenen Sieg Berufung eingelegt: Wann mit der Verhandlung zu rechnen ist und ob bei einem Erfolg der nächste Protest droht

Sven Haidinger

Veröffentlicht: 17.08.2026, 18:58

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Grasser-Berufung gegen Disqualifikation: Urteil vor dem DTM-Titelfinale realistisch?

Eine DTM-Meisterfeier ohne Champion? Das soll unbedingt verhindert werden

Foto: ADAC Motorsport

Das Lamborghini-Team Grasser hat seine Ankündigung wahrgemacht und fristgerecht gegen die Disqualifikation von Mirko Bortolotti in Oschersleben Berufung eingelegt. Das hat der DSMB (Deutscher Motor Sport Bund) offiziell bestätigt. Dafür hatte das Team nach der Disqualifikation 96 Stunden - also bis heute um 17 Uhr - Zeit.

Innerhalb einer Woche muss die Berufung jetzt noch schriftlich begründet werden - dann steht endgültig fest, dass es vor dem DMSB-Berufungsgericht in Frankfurt zur Verhandlung darüber kommt, ob das beanstandete Radlager legal oder illegal ist. Der Termin kann erst festgelegt werden, wenn die Begründung eingereicht wurde.

Aber droht jetzt möglicherweise eine Hängepartie im DTM-Titelkampf? "Wir werden schauen, dass die Berufung vor dem Saisonfinale verhandelt wird", verspricht ADAC-Motorsportchef Thomas Voss im Gespräch mit Motorsport-Total.com. "Wir hätten gerne in Hockenheim eine schöne Meisterehrung." Auch beim DMSB rechnet man in den nächsten vier Wochen mit einem Ergebnis.

Wie sich der Berufungsfall auf den Titelkampf auswirkt

Im DTM-Fahrerlager hatten einige daran gezweifelt, dass das Grasser-Team wirklich Berufung gegen die Disqualifikation einlegt. Teamchef Gottfried Grasser wähnt sich aber laut eigenen Angaben im Recht, dass das Radlager dem Reglement entsprochen hat.

Maro Engel, Thomas Preining

Preining und Engel wären bei einer erfolgreichen Berufung punktgleich

Foto: Alexander Trienitz

Die Entscheidung hat großen Einfluss auf den Titelkampf, denn bis zur Berufungsverhandlung ist das aktuelle Ergebnis mit Maro Engel als Sieger vorläufig. Sollte Grasser mit seiner Berufung durchkommen, würde DTM-Leader Engel, der vier Rennen vor Schluss einen Punkt vor Thomas Preining führt, fünf Punkte verlieren.

Preining würde vier Punkte verlieren, wodurch die beiden punktgleich an der DTM-Spitze liegen würden, mit dem "Grello"-Piloten wegen seiner zwei Siege als DTM-Leader. Der Drittplatzierte Auer und der Viertplatzierte Thiim würden nur einen Punkt verlieren.

Bei erfolgreicher Berufung: Engel mit falschem Erfolgsgewicht!

Und es gibt noch einen anderen Aspekt: Engel musste beim Samstagsrennen auf dem Nürburgring mit 20 Kilogramm Erfolgsballast für den Sieg fahren. Würde dem Winward-Mercedes-Piloten aber der Sieg nachträglich wieder weggenommen werden und er würde statt 25 nur 20 Punkte bekommen, dann hätte er auf dem Nürburgring eigentlich nur mit 10 Kilogramm fahren müssen.

Engel wurde übrigens in Anbetracht des Gewichts starker Sechster - nur 2,3 Sekunden hinter dem Drittplatzierten Marco Wittmann.

Wäre Protest möglich?

Aber könnte Mercedes-AMG gegen das Rennergebnis am Samstag auf dem Nürburgring Protest einlegen, sollte Grasser Erfolg haben, weil unter falschen Voraussetzungen gefahren wurde?

Bei Mercedes-AMG wurde das Szenario, dass Engel seinen Oschersleben-Sieg theoretisch wieder verlieren könnte, laut Thomas Jäger, der als Sportlicher Leiter für den DTM-Bereich agiert, am Freitag diskutiert.

"Das ist eine ganz seltsame Situation, aber so wie die Regeln sind, lohnt es sich nicht, sich den Kopf darüber zu zerbrechen", erklärt er. "Wenn es so kommt, wäre das blöd, aber es war ein vernünftiges Rennen. Maro ist mit dem Gewicht sehr gut zurechtgekommen. Ich hätte auch gedacht, dass er sich schwerer tut. Also alles gut."

Entscheidungen vom Reglement gedeckt

Tatsächlich ist im Reglement genau geklärt, was im Falle eines schwebenden Verfahrens mit den Erfolgsgewichten passiert. "Sollte das Ergebnis eines Wertungslaufs zwei Stunden vor dem Start des nachfolgenden Wertungslaufs vorläufig sein, erfolgt die Zuteilung des Erfolgsballasts gemäß dem vorläufigen Ergebnis zu diesem Zeitpunkt", heißt es in Artikel 26.2. des Sportlichen Reglements.

Dass auch Bortolotti trotz der Disqualifikation mit 20 Kilogramm Erfolgsballast fahren musste, wird ebenfalls geklärt: "Im Falle eines schwebenden Berufungsverfahrens, wird dem Berufungsführer der Erfolgsballest gemäß seiner ursprünglichen Platzierung zugewiesen. Ein Protest gegen fehlenden Erfolgsballast aufgrund einer Ergebnisänderung nach dem oben genannten Zeitpunkt, ist nicht zulässig."

Damit will man verhindern, dass ein Fahrer nach der Disqualifikation das Rennen ohne Erfolgsballast absolviert und erst danach in die Berufung geht.

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