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HWA-Chef über Aston Martin: "Trennung nicht auszuschließen"

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HWA-Chef über Aston Martin: "Trennung nicht auszuschließen"
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17.10.2019, 07:59

Steht HWA nach nur einem Aston-Martin-Jahr vor dem DTM-Aus? Vorstand Ulrich Fritz nimmt im Interview Stellung und spricht über Ursachen und Alternativen

Kommt es nach nur einem DTM-Jahr zwischen Aston-Martin-Lizenznehmer R-Motorsport und HWA zur Trennung? Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' sieht sich R-Motorsport-Teamchef Florian Kamelger nach den technischen Problemen mit dem Zweiliter-Vierzylinder-Turbotriebwerk aus Affalterbach nicht nur nach einem neuen Antriebspartner, sondern auch nach einem neuen Einsatzteam um.

Aber ist das Unternehmen des langjährigen DTM-Chefs Hans Werner Aufrecht damit bereits aus dem Rennen? HWA-Vorstand Ulrich Fritz nimmt im Interview mit 'Motorsport.com' erstmals zu den Gerüchten Stellung und erklärt, wie das kriselnde Projekt doch noch auf Schiene gebracht werden könnte.

Frage: "Herr Fritz, R-Motorsport schaut sich nach einem neuen Motor um und soll sogar vor der endgültigen Trennung von HWA stehen. Was sagen Sie dazu?"

Ulrich Fritz: "Gerüchte gibt es immer, wenn noch keine Programme verkündet sind. Vor dem Hintergrund kann ich nur sagen: Wir befinden uns in Gesprächen und haben auch einen Vorschlag für eine Zusammenarbeit im nächsten Jahr mit R-Motorsport beziehungsweise mit der AF Racing (R-Motorsport ist das Rennteam von Andreas Baenzigers und Florian Kamelgers Unternehmen AF Racing; Anm. d. Red.) platziert und besprochen. Am Ende muss man gemeinsam schauen, was denn für die kommende Saison und für die kommenden Jahre denkbar ist."

Frage: "Wie zuversichtlich sind Sie, dass es mit R-Motorsport weitergeht?"

Fritz: "Es muss auch aus unserer Sicht einiges passen, damit das Ganze Sinn macht. Dafür muss es zumindest den Ausblick geben, dass wir sportlich erfolgreich sind. Das ist ganz wichtig. Lernjahre gehören dazu - und wir hatten jetzt so ein Lernjahr. Man muss aber auch die Möglichkeit haben, im nächsten Jahr um Podestplätze kämpfen zu können."

Fritz: Weiterentwicklung und Finanzierung müssen geklärt sein

Frage: "Was muss dafür passieren?"

Fritz: "Im Moment ist es in der DTM das Thema, dass wir homologierte Fahrzeuge haben - kombiniert mit einer sehr starken Audi-Performance. Das ist eine Herausforderung für die Zukunft. Und da muss man sich anschauen: Was darf man tun, was darf man nicht tun, welche Ideen hat man? Das ist die erste Voraussetzung."

Ulrich Fritz

HWA-Vorstand Ulrich Fritz glaubt weiter an eine mögliche Zusammenarbeit

Foto: LAT

"Und die zweite Voraussetzung ist, dass das ganze wirtschaftlich irgendwie umsetzbar ist. Man muss sich in einem Wettbewerb mit Werksteams wie Audi und BMW gut überlegen, ob man die Ressourcen zur Verfügung hat oder bereitstellen will, um dort wirklich vorne mitzukämpfen. Das sind mal die Grundsatzentscheidungen."

"Und wenn beide Partner diese Entscheidungen - jeder für sich - getroffen haben, dann muss man sich überlegen, ob es gemeinsam Sinn macht. Oder eben gemeinsam feststellen, dass es vielleicht keine Zukunft hat. Das ist eine Diskussion, der wir uns stellen und die wir gemeinsam führen."

Frage: "Können Sie eine Trennung ausschließen?"

Fritz: "Nein. Das kann ich grundsätzlich nicht. Aber man muss unterschiedliche Ebenen betrachten: Wir haben die Zusammenarbeit mit AFR über das Joint Venture Vynamic GmbH langfristiger angelegt. Sag niemals nie - aber am Ende glaube ich schon, dass es unterschiedliche Projekte gibt. Und wenn man sich mit dem einen kritisch auseinandersetzt, bedeutet das noch nicht, dass man gar nichts mehr zusammen macht."

Fritz fordert rasche Entscheidung von R-Motorsport

Frage: "Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?"

Fritz: "Klar ist, dass irgendwann der Point of no Return kommt - rein technischer oder auch beschaffungslogistischer Natur. Lange darf man da nicht mehr warten, was uns betrifft. Wir müssen planerisch spätestens in den kommenden Wochen Bescheid wissen. Für den Partner kann ich da aber keine Aussage treffen."

HWA, Affalterbach

Motor, Chassis und Einsatzteam von R-Motorsport kommen aus Affalterbach

Foto: HWA

Frage: "HWA soll die Weiterentwicklung des Motors an R-Motorsport in Rechnung gestellt haben, was angeblich so nicht besprochen war."

Fritz: "Das ist absoluter Quatsch. Davon habe ich noch nie etwas gehört. Ich habe zwar schon einige Gerüchte zu diesem Thema gehört, die allesamt schon relativ stark aus der Luft gegriffen - um nicht zu sagen total aus der Luft gegriffen - waren. Aber das ist echt Blödsinn."

Frage: "Der Motor ist die Schwachstelle beim Aston Martin. Wäre es für HWA theoretisch denkbar, dass der Motor von einem anderen Hersteller kommt, aber man als Einsatzteam weiter für R-Motorsport arbeitet?"

Fritz: "Das sind Spekulationen. Wir hatten mit dem Motor diese Saison einige Probleme. Aber wir haben auch sehr spät angefangen und nach einem Saisondrittel schon einen deutlichen Leistungsschritt nach vorne gemacht. Danach sind wir an die Belastungsgrenzen des Materials gestoßen. Das hat sicher am Ende zum einen oder anderen technischen Defekt geführt, weil wir einfach nicht viel Testzeit hatten."

"Ich glaube schon, dass wir unser Produkt inzwischen so gut kennen, dass wir es für die kommende Saison - sei es in der DTM oder in einer anderen Serie, die ähnliche Reglements verfolgt - zuverlässig und konkurrenzfähig darstellen können. Aber ich sage es mal so: Für ein mittelständisches Unternehmen im Motorsport würde ich keine Option ausschließen, die in irgendeiner Form sportlich und wirtschaftlich Sinn macht. Konkret wurde da aber noch nichts besprochen."

HWA auf DTM nicht mehr angewiesen

Frage: "Wie wichtig ist die DTM für HWA?"

Fritz: "Wir haben uns in den vergangenen Jahren so entwickelt, dass wir nicht mehr nur auf die DTM fokussiert und angewiesen sind. Im Gegenteil: Wir haben Offensiven gestartet, sowohl in der Formel 2 mit Arden als Partner als auch in der Formel 3 mit einem eigenen Team."

"Wir sind im Vorjahr in die Formel E eingestiegen und sind dieses Jahr dort mit Mercedes. Und wir haben einige andere spannende Projekte am Start. Die DTM ist für uns sicher eine faszinierende Plattform, aber es muss für uns nicht auf Gedeih und Verderb sein. Für uns ist wichtig, dass es wirtschaftlich in irgendeiner Form funktioniert. Und natürlich speziell, dass man perspektivisch sportlichen Erfolg haben kann."

Frage: "Was muss passieren, damit dieser Motor nächstes Jahr konkurrenzfähig ist?"

Fritz: "Wir müssen das Thema Zuverlässigkeit besser in den Griff kriegen. Wobei ich da auch sagen muss, dass manche Defekte nach außen wie ein Motorschaden ausgesehen haben, aber in Wirklichkeit etwas anderes waren. Wir hatten ähnliche Probleme wie der Wettbewerb mit den Vibrationen. Die haben sich im Motorenumfeld bemerkbar gemacht."

Daniel Juncadella

Rauchwolke: Dani Juncadellas Aston Martin blieb in der Startphase liegen

Foto: LAT

"Am Ende wurde dann schnell kolportiert, dass es ein Motorschaden war, aber teilweise war es was ganz anderes oder vielleicht ein Folgeschaden. Wie dem auch sei: Am Ende haben wir dort Handlungsbedarf, aber ich denke, wir wüssten, wo wir anpacken müssten. Mit dem heutigen DTM-Reglement muss man erst mal schauen, was denn überhaupt möglich ist, denn die Autos sind grundsätzlich eingefroren."

Fritz: Audi hatte 2019 Riesenvorteil

Frage: "Dafür müsste man beim DMSB Nachbesserungen beantragen. Könnte man den Motor ohne Nachbesserungen auf Audi-Niveau bringen?"

Fritz: "Audi war sicher das Maß aller Dinge. Die waren schon unglaublich stark. Ob und wie weit man das in die Richtung weiterentwickeln kann, ohne dass es zu Lasten der Zuverlässigkeit geht, das schauen wir uns gerade im Detail an. Am Ende ist das aber eine sehr hohe Hürde."

"Damit sage ich nicht, dass man die nicht erreichen kann. Im Gegenteil. Wir sind im Motorsport und wir lieben die Herausforderung. Man darf aber den riesigen Vorteil, den Audi über die Saison hatte, nicht vergessen: Sie fahren jedes Rennevent mit acht Autos - und generieren so ihre Daten. Wir haben nur vier Autos eingesetzt. Das heißt, dass nur die Hälfte der Daten und Applikationen generiert werden. Das macht es nicht leichter, so einen Rückstand aufzuholen."

Daniel Juncadella, Box, Motor

Problemzone Motor: Dem HWA-Triebwerk mangelt es an Leistung und Haltbarkeit

Foto: ITR

Frage: "In welchem Ausmaß ist der Rückstand beim Motor auf die Hardware zurückzuführen?"

Fritz: "Das ist schwer zu sagen. Wir haben sehr viel in der Applikation gefunden und gelernt. Wir haben sicher ein paar Zuverlässigkeitsthemen, die man sich anschauen muss. Wir sind auch durch neue Situationen überrascht worden, wie zum Beispiel die nassen Streckenbedingungen in Hockenheim. Da hatten wir zwei Motorenthemen, die wir davor noch nie hatten."

Das kann sicher mit Vibrationen in einem gewissen Drehzahlband zu tun haben, welches wir in dieser Form noch nicht gefahren sind. Im Trockenen war das nicht relevant. Unter diesen Bedingungen reagieren Hard- und Software anders. Am Ende ist es aber sicher beides, ich würde da nicht unterscheiden, aber ich denke, dass mehr Potenzial in der Software liegt."

Anderer Hersteller für HWA eine Alternative?

Frage: "HWA war immer eng mit Mercedes verbunden. Angenommen es kommt zur Trennung von R-Motorsport, wäre es dann vorstellbar, mit einem Audi oder BMW in die DTM-Saison zu gehen, obwohl es sich um einen direkten Konkurrenten handelt?

Fritz: "Man darf im Motorsport niemals nie sagen, aber grundsätzlich sollte man nicht vergessen, wo man herkommt. Wir sind aus der AMG entstanden, auch wenn es schon lange her ist - 21 Jahre. Und wir pflegen ein sehr enges Verhältnis mit Mercedes und AMG."

"Das zeigt nicht nur die Formel E, die wir jetzt mit Mercedes EQ gemeinsam betreiben, sondern auch die Zusammenarbeit im Kundensport, sei es im GT3- oder GT4-Bereich, wo wir seit Beginn des Programmes an sehr stark involviert sind. Für uns ist es wichtig, loyal zu sein und das zu respektieren. Ich kann mir im heutigen Moment schwer vorstellen, dass wir eines der zwei von Ihnen genannten Produkte in irgendeiner Form zum Einsatz bringen. Zumindest nicht in absehbarer Zeit."

"Die ganze Geschichte mit R-Motorsport und Aston Martin wurde zu einem ganz frühen Zeitpunkt mit Mercedes auf Vorstandsebene besprochen, und da gab es breite Rückendeckung. Für uns ist es wichtig, sehr offen mit unseren Partnern umzugehen, speziell mit so langjährigen und wichtigen Partnern wie Mercedes."

#23 Nismo Nissan GT-R, #37 Team Tom's Lexus LC500, #1 Team Kunimitsu Honda NSX-GT

Der Einsatz eines japanischen Boliden durch HWA ist noch kein Thema

Foto: LAT

Frage: "Bei Aston Martin hat es sicher geholfen, dass Daimler Anteile am Unternehmen besitzt."

Fritz: "Ich weiß nicht, ob das so viel geholfen hat, aber am Ende sind wir langjährige Partner. Und das Aston-Martin-Thema in der DTM hat Mercedes glaube ich nicht wirklich wehgetan."

Frage: "Wäre es in Hinblick auf Mercedes einfacher, mit einem japanischen Auto in der DTM an den Start zu gehen?"

Fritz: "Das sind Themen, an die ich teilweise selbst noch nicht gedacht habe. Klar, BMW und Audi sind direkte Konkurrenten. Ob das in irgendeiner Form mit einem Japaner anders wäre, ist schwer zu sagen. Ein Lexus ist genauso ein Wettbewerbsprodukt."

"Um mir darüber Gedanken zu machen, hätte mich auch erstmal ein anderer Hersteller fragen müssen, ob wir überhaupt was mit ihnen machen wollen würde. Und wir müssten uns geeinigt haben, dass es mit Aston Martin und R-Motorsport nicht weitergeht, was wie gesagt in keiner Weise entschieden ist. Und vor dem Hintergrund macht es keinen Sinn, derzeit über weitere Konstellationen nachzudenken."

Mit Bildmaterial von R-Motorsport.

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