Zum Hauptinhalt springen

Kostenlos registrieren

  • Direkt zu Deinen Lieblingsartikeln!

  • Benachrichtigungen für Top-News und Lieblingsfahrer verwalten

  • Artikel kommentieren

"Ich habe Daten gesehen": Scheider erklärt, warum Glock machtlos ist

Timo Scheider begleitet seinen Freund Timo Glock seit dem Norisring eng und gewährt Einblicke, warum die Probleme immer an seinem Auto auftreten

"Ich habe Daten gesehen": Scheider erklärt, warum Glock machtlos ist

Ex-DTM-Champion Timo Scheider bekommt mit, was in der Dörr-Box passiert

Foto: ADAC Motorsport

Seit dem Norisring-Wochenende erhält Timo Glock, der beim McLaren-Team Dörr in der DTM eine Krise durchlebt, mentale Unterstützung von Timo Scheider: Der zweimalige DTM-Champion ist Glocks bester Freund im Fahrerlager - und will für den 44-jährigen Routinier in der schwierigen Situation da sein.

"Timo hat eineinhalb ultrafrustrierende Jahre", sagt Scheider. "Als er mich angerufen hat, war für mich klar, dass ich komme und ihm ein offenes Ohr biete, weil ich so etwas selbst schon durchgemacht habe". Aber wie erlebt Scheider intern die ungleiche Situation, dass Glock von Problem zu Problem fährt und nicht auf Touren kommt, während beim schnellen Youngster Ben Dörr kaum Schwierigkeiten auftreten?

"Ich kann bestätigen, dass es nicht nur der Spacer zwischen Lenkrad und Sitz ist - sagen wir es mal so", sagt Scheider schmunzelnd. "Ich habe Daten gesehen, die mir erklären, warum der Speed am Ende der Geraden fehlt, woran Timo aktuell gar nichts ändern kann."

"Timo kann noch so gut fahren, ihm sind die Hände gebunden"

Scheiders Aussage deckt sich mit den Topspeed-Daten in den offiziellen Dokumenten, die zeigen, dass Ben Dörr an den Renntagen in allen Sessions zwischen 2,38 und 4,85 km/h schneller war als Glock. "Da kann Timo noch so gut im Kreis fahren - ihm sind die Hände gebunden", ist der Ex-Champion überzeugt.

Scheider will damit die Leistung von Ben Dörr, der am Lausitzring den ersten DTM-Sieg für McLaren und die Dörr-Truppe einfuhr, nicht schmälern. "Ben macht einen super Job und hat sich toll entwickelt", steht für Scheider außer Zweifel. "Ich bin mit ihm beim 24-Stunden-Rennen auf dem Auto gesessen und habe großen Respekt vor seiner Herangehensweise."

"Aber neben ihm steht Timo, der bis zur Formel 1 alles gefahren ist, bei dessen Auto - abgesehen von der Performance - tatsächlich immer wieder Dinge kaputtgehen, weshalb er Rennen nicht zu Ende fahren kann. Da muss man die Frage stellen: Warum ist das beim einen so und beim anderen nicht?"

Wie sich Scheider das Ungleichgewicht im Team erklärt

Nach zahlreichen Problemen an Glocks Auto bei den ersten Saisonrennen musste Glock auch am Samstag auf dem Norisring einen technikbedingten Ausfall hinnehmen. "Ich sehe, dass die Mechaniker alles probieren, um das Auto bestmöglich vorzubereiten, aber dann passieren so Dinge, dass die Leitung vom Ölkühler nicht richtig befestigt war - und das Auto mitten im Rennen Öl verliert und bei der roten Flagge abgestellt werden muss. Das kann doch nicht sein, dass er schon wieder so viel Pech hat."

Während bei Glock diese Saison neben drei technikbedingten Ausfällen auch in den anderen Sessions immer wieder Probleme auftraten, schied Teamkollege Dörr noch gar nicht wegen eines Defekts aus. Aber hat Scheider eine Erklärung für das Ungleichgewicht? "Ich will dem Team nichts unterstellen, denn es liegt in ihrem Interesse, mit beiden Fahrern so gut wie möglich dazustehen", stellt Scheider klar.

"Deswegen glaube ich schon, dass es probiert wird, aber ich glaube auch, dass das Team noch nicht auf allen Positionen top besetzt ist. Sie sind auf einigen Positionen gut besetzt, aber um zwei Autos perfekt einzusetzen und auf ein absolutes Topniveau zu kommen, um in der DTM ganz vorne mitzuspielen, braucht es schon einiges."

"Habe selbst Momente erlebt, wo sich der Druck aufbaut"

All diese Faktoren wirken sich laut Scheider auch auf die Performance des Piloten aus. "Wenn du im Training wegen eines Problems weniger zum Fahren kommst und dann im Qualifying performen sollst, dann fehlen dir halt drei, vier, fünf Zehntel", sagt er. "Das ist völlig normal, wenn du dein eigenes Auto nicht zu 100 Prozent vorbereiten kannst."

Abgesehen davon mache es was mit einem, wenn ständig Probleme auftauchen und die Ergebnisse ausbleiben. "Ich habe selbst im Motorsport Momente gehabt, die nicht schön waren und wo sich intern in so einem Team schleichend der Druck aufbaut", gibt er Einblicke. "Wenn du dann performancemäßig nicht dort bist, wo du dich selbst siehst, dann fängst du erst mal an, an dir selber zu arbeiten, vergleichst die Set-ups und hinterfragst dich selbst."

Timo Glock

Keine einfache Situation: Timo Glock hat seit seinem DTM-Comeback die Seuche

Foto: ADAC Motorsport

Das gelte auch für die Crew, denn die ständigen Pannen verunsichern. Umso wichtiger sei ein baldiges Erfolgserlebnis. "Timo braucht auch für den Kopf mal wieder einen Moment, dass der Knoten aufgeht, er möchte einfach mal wieder Spaß haben."

Und genau das wünscht Scheider seinem Freund. "Ich würde es ihm als Mensch gönnen, weil er einer der wenigen richtigen Charaktere ist. Und - wie man bei uns sagt - ein 'g'rader Michl'. Er sagt, was ihm auf der Zunge liegt und was er auf dem Herzen hat. Ich würde es auch der Serie und dem Team gönnen, dass man eine Antwort findet und alle Beteiligten wieder glücklich machen kann."

Vorheriger Artikel DTM setzt in Oschersleben auf neues Konzept: Siegerehrung im Fanbereich!
Nächster Artikel "Verlieren mehr als 0,3 Sekunden": Oschersleben-BoP bereits in der Kritik

Aktuelle News