Kelvin van der Linde: So ermöglichten Müller und sein Bruder den Monza-Sieg

Nach der Audi-Schlappe am Samstag siegte Abt-Audi-Pilot Kelvin van der Linde beim DTM-Sonntagsrennen in Monza: Wie auch dank Geschenken die Wende gelang

Kelvin van der Linde: So ermöglichten Müller und sein Bruder den Monza-Sieg

Am Samstag sah man bei den Audi-Teams im DTM-Fahrerlager von Monza noch lange Gesichter, am Sonntag sorgte dann Abt-Pilot Kelvin van der Linde mit der Pole und einem Start-Ziel-Sieg vor seinem Markenkollegen Nico Müller für eine große Überraschung. Ausgerechnet an seinem 25. Geburtstag übernahm er damit auch die Führung in der Meisterschaft.

"Wenn das Team für einen singt, hat man schon einen guten Start in den Tag", spielt der Südafrikaner darauf an, dass die Abt-Truppe vor dem Qualifying für ihn "Happy Birthday" sang. "Nach dem Qualifying dachte ich: Cool, es wird noch besser! Und das Gefühl jetzt kann ich nicht mal beschreiben."

Doch wie gelang dem Abt-Team nach van der Lindes fünftem Platz am Samstag mit 16,4 Sekunden Rückstand die Trendwende?

Nach enttäuschendem Samstag: Spätschicht bei Abt

Eine wichtige Rolle spielte die Spätschicht, die das Abt-Team einlegte. "Ich bin letzte Nacht erst um 11 Uhr abends hier weggekommen", verrät van der Linde. "Wir hatten ein paar Ideen für das Qualifying, die ganz gut funktioniert haben."

Einen nicht unwesentlichen Einfluss hatte auch die Änderung der Balance of Performance vor dem Qualifying, wodurch die am Samstag dominanten Fahrzeuge von Ferrari und Mercedes 30 beziehungsweise 25 Kilogramm Zusatzgewicht erhielten. Dadurch waren die Audi-Piloten, die auf den Geraden Schwierigkeiten beim Überholen hatten, plötzlich absolut konkurrenzfähig.

Windschatten-Hilfe durch Nico Müller

Zudem kann sich der Südafrikaner auch bei zwei seiner Kollegen bedanken: Abt-Vorgänger und Markenkollege Müller und sein jüngerer Bruder Sheldon van der Linde. "Nico wird ein Stück Torte für den Windschatten heute morgen erhalten", bedankt sich der Sieger bei Müller für die Pole.

"Wir hatten einen Plan, was den Windschatten angeht", so van der Linde. "Eigentlich war das mit Mike (Rockenfeller; Anm. d. Red.) geplant, aber dann spielte der Verkehr eine Rolle. Ich musste mich also zurückfallen lassen, und Nico war so nett und hat das Spiel dann fair mitgespielt." Am Ende setzte sich der Abt-Audi-Pilot um 0,078 Sekunden gegen Samstag-Sieger Liam Lawson im Red-Bull-Ferrari durch.

Sheldon van der Linde macht die Mauer für seinen Bruder

"Mein Bruder kriegt auch ein Stück Torte, weil er mir beim Start geholfen hat. Nein, lassen wir das mit der Torte. Lasst uns ein paar Biere trinken", grinst van der Linde. Worauf er damit genau anspielt? Obwohl Rowe-BMW-Pilot Sheldon van der Linde nach dem Qualifying noch gemeint hatte, er werde seinen eigenen Plan verfolgen, wurde er in der Anfangsphase des Rennens unbewusst zu seinem Helfer.

Denn als sich Lawson und Müller in der zweiten Runde hinter ihm bekämpften, nutzte der BMW-Pilot die Chance und überholte beide mit zwei Rädern im Gras auf der Anfahrt zur ersten Lesmo-Kurve. Und machte fortan mit dem auf den Geraden besonders starken M6 GT3 die Mauer, wodurch van der Linde seinen Vorsprung Sekunde um Sekunde ausbauen konnte.

Dass der spätere Sieger zu diesem Zeitpunkt überhaupt in Führung lag, hatte auch mit seinem kompromisslosen Start zu tun: Denn nach dem Erlöschen der roten Lichter hatte Lawson die Leistung seines 488 GT3 Evo ausgespielt und lag beim Sprint zur ersten Schikane auf der Außenbahn sogar kurz in Front, ehe sich der Abt-Audi-Pilot innen vorbeipresste.

Warum van der Linde beim Start riskieren musste

"Ich wusste schon am Start, dass der Ferrari und der BMW ziemlich stark sein werden, vor allem bei diesem Format des Starts", verweist er auf den Indianapolis-Start in engen Zweierreihen. "Der Ferrari ist gut weggekommen, Nico hat sich im Windschatten mitgezogen. Hinein in Kurve 1 war ich schon hinter dem Ferrari, aber er hat mir genug Platz gelassen."

Kelvin van der Linde

Kelvin van der Linde setzt sich in der ersten Kurve an die Spitze

Foto: ABT Sportsline

Kelvin van der Linde wusste, "dass es schwierig werden würde, auf der Geraden an ihm vorbeizukommen, wenn ich nach der ersten Kurve hinter ihm liege. Es war alles wirklich volles Risiko."

Als er sich um einige Sekunden abgesetzt hatte, entschied sich der Leader, die Reifen zu schonen. "Ich bin direkt in den Reifenschon-Modus gegangen, denn ich wusste nicht, wie lange wir draußen bleiben müssen." Das lag daran, dass man unbedingt auf Track-Position setzen wollte: "Die Strategie ist wegen des Speeds auf den Geraden mit unserem Auto hier die einzige Möglichkeit, wie wir überholen können", sagt er.

So feiert Kelvin van der Linde den Geburtstagssieg

Auch nach dem Stopp in der zehnten Runde blieb van der Linde in Führung, wodurch er seinen Sieg nach Hause fahren konnte. Wie nun gefeiert wird? "Wir bleiben alle noch hier, Sheldon ist auch da. Wir werden Pizza essen", freut er sich. Zumal sein Abt-Team in der DTM nicht nur für große Erfolge, sondern auch für seine Party bekannt ist.

"Ich glaube, es ist das beste Team für Partys", bestätigt van der Linde. "Die wissen, wie man feiert. Da wird heute Abend schon was steigen." Wer die Zeche zahlt? "Ich bezahle immer alles", grinst Teamgründer Hans-Jürgen Abt, dessen Team nach dem Formel-E-Erfolg am Vorabend den ersten DTM-Erfolg als Privatteam seit Laurent Aiello auf dem Nürburgring 2003 einfuhr. "Ich freue mich wirklich über diesen Tag."

Mit Bildmaterial von ABT Sportsline.

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