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Klebeband als Retter? So wappnen sich DTM-Teams gegen Unsafe Releases

Unscheinbare Klebestreifen an der Boxenmauer helfen DTM-Teams dabei, Unsafe Releases zu vermeiden: Wie das ausgeklügelte System funktioniert

Klebeband als Retter? So wappnen sich DTM-Teams gegen Unsafe Releases

Diese Markierungen im Bereich der Boxenmauer helfen dem Lollipop-Mann

Foto: Sven Sven

Die DTM hat auf dem Norisring (alle Infos zu TV-Zeiten, Stream etc.) einen größeren Abstand zwischen den Boxenstopp-Stationen vorgeschrieben, um Unsafe-Release-Zwischenfälle und Kollisionen in der Boxengasse zu verhindern. Doch auch die Teams selbst haben Wege gefunden, wie sie sich gegen einen Unsafe Release wappnen - und zwar mit cleveren Markierungen.

Bereits am Lausitzring fielen zahlreiche Leuchtstreifen-Aufkleber auf, die gut sichtbar für die Mechaniker an der Begrenzung der Boxengasse angebracht wurden - im oberen Bereich die der DTM-Teams, im unteren die der ADAC GT Masters-Teams. Aber wie funktioniert das System im Detail?

"Der Lollipop-Mann setzt sich Referenzen", erklärt Steve Buschmann, der Teammanager beim Mercedes-AMG-Team Winward ist. "Das sind diese Aufkleber, diese Tapes, die an der Boxenmauer angebracht sind."

Team bestimmt Unsafe-Release-Korridor

Der Ort, an dem die zwei Markierungen angebracht werden, wird laut Buschmann genau berechnet. "Wir bestimmen einen Korridor, in dem der Lollipop unten sein muss", führt der Teammanager weiter aus. "Innerhalb dieses Korridors ist bei einem normalen Release garantiert, dass wir beim Rausfahren in dieses Auto hineinfahren werden - und diesen Korridor markieren wir."

Das heißt: Wenn sich das herannahende Fahrzeug der Konkurrenz zwischen der ersten und der zweiten Markierung in der Boxengasse befindet, würde ein Loslassen des eigenen Fahrzeugs laut Winward-Berechnung garantiert einen Unsafe Release bedeuten. Und zwar laut DTM-Kriterien.

Denn die Rennserie ist weltweit die einzige, in der die Fast Lane keinen Vorrang genießt, wenn ein Auto beim Losfahren nach dem Boxenstopp beim Überkreuzen der weißen Linie zwischen Working Lane und Fast Lane in vollem Umfang vorne liegt. (SPONSORED LINK: Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2026 sichern!)

Warum der Lollipop nicht anzeigt, wann der Pilot losfährt

Und noch etwas ist wichtig: Der sogenannte Car Controller ist mit seinem Lollipop ausschließlich dafür zuständig, dem Piloten anzuzeigen, wann ein Losfahren einen Unsafe Release bedeuten würde. "Wir nennen ihn deswegen auch Traffic Manager", sagt Buschmann.

Maro Engel

Lollipop oben, obwohl der Stopp läuft: Es herrscht keine Unsafe-Release-Gefahr

Foto: ADAC Motorsport

Der Lollipop ist also nur unten, wenn sich ein anderes Fahrzeug im Unsafe-Release-Korridor befindet. Und ist nicht dafür vorgesehen, dem Piloten anzuzeigen, wann er losfahren soll, denn der Pilot sieht seine Boxencrew und spürt durch das von den Druckluft-Stempeln ausgelöste Fallen des Autos ohnehin, wann der Stopp beendet ist und er Gas geben kann.

"Das ist der große Vorteil bei unserem System"

Aber wie berechnet das Winward-Team die zwei Punkte für den Korridor? "Das kann man relativ easy berechnen, indem man die durchschnittliche Reaktionszeit der Fahrer nimmt, denn jeder Release ist anders", erklärt Buschmann. Es gäbe aber auch Teams, die diesbezüglich ans Limit gehen.

"Du könntest es an die Spitze treiben, indem du es genau auf diesen Unsafe-Release-Punkt herunterrechnest, wenn das Auto die Linie überschreitet. Das heißt, du lässt den Lollipop immer oben, außer zu dem kurzen Zeitpunkt, wenn dieses Overlapping stattfindet und das Auto diese Linie überschreitet. Das machen einige Teams. Wir gehen jedoch lieber auf Nummer sicher."

Damit verhindert das Winward-Team auch ein Parallelfahren von zwei Fahrzeugen in der Boxengasse. "Das ist der große Vorteil bei unserem System", sagt Buschmann nicht ohne Stolz. Komplett auszuschließen sind Unsafe Releases aber auch bei der Mercedes-AMG-Truppe nicht.

"Es handelt sich wie gesagt um Durchschnittswerte", sagt er. "Wenn das Auto fällt und der Fahrer verschläft - oder die Kupplung funktioniert nicht oder was auch immer -, dann ist alles für die Fische."

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