Lamborghini-Dilemma: Bekommt der Temerario ein vorzeitiges Evo-Paket?
Nach dem Fehlstart des Temerario spricht sich GT3-Erfinder Stephane Ratel plötzlich für eine Evo-Rettung aus: Doch kann Lamborghini das überhaupt durchsetzen?
Mit einer vorgezogenen Evoversion könnte Lamborghini die Temerario-Probleme lösen
Foto: ADAC Motorsport
Benötigt der neue Lamborghini Temerario GT3 nach den großen Anlaufschwierigkeiten ein vorgezogenes Evo-Paket? Die italienische Marke befindet sich aktuell in einem Dilemma, denn das brandneue GT3-Fahrzeug wurde Ende 2025 von der FIA homologiert, wodurch die Entwicklung eingefroren ist - und kann offenbar auch durch die Balance of Performance (BoP) nicht maßgeblich an das Feld herangeführt werden.
Beim DTM-Wochenende in Spielberg war laut Informationen von Motorsport-Total.com Luca Gibello vor Ort, der bei der FIA als GT3-Technikchef fungiert. Ein Hinweis darauf, dass sich der Automobilweltverband bereits mit Zugeständnissen oder gar einem vorgezogenen Evo-Paket beschäftigt?
Das soll, wie man hört, im Interesse von Lamborghini liegen, auch wenn es diesbezüglich keine offizielle Bestätigung gibt. Und auch GT3-Erfinder Stephane Ratel, der aus Kostengründen eigentlich kein Fan von Evo-Paketen ist, könnte dem offenbar etwas abgewinnen.
GT3-Erfinder: Lieber Evo "anstatt fantastische Marke zu verlieren"
Während die Hersteller normalerweise alle drei bis fünf Jahre ein Evo-Paket liefern, entstehe ein "Problem, wenn ein Hersteller ein Auto auf den Markt bringt, das nicht wettbewerbsfähig ist", erklärt der Franzose gegenüber der englischsprachigen Ausgabe von Motorsport.com - und verweist auf das Kundensport-Geschäftsmodell, Autos zu verkaufen.
"Der Start des neuen Lamborghini scheint schwierig zu laufen", sagt Ratel. "Wenn du mich heute fragst, ob wir ihnen eine Evolution gestatten können - oder ob sie weitermachen oder ob wir sie einfach verlieren könnten -, dann ziehe ich es vor, ihnen eine Evolution zu gewähren, anstatt eine fantastische Marke aus dem GT3-Feld zu verlieren."
FIA: So kompliziert ist der Weg zum vorgezogenen Evo-Paket
Doch so einfach ist es nicht: Denn laut den Regeln der FIA läuft die Homologation eines neuen GT3-Autos vier Jahre lang, alle zwei Jahre dürfen Evo-Pakete homologiert werden. Ausnahmen wären theoretisch nur dann möglich, wenn diese beim Automobil-Weltverband von allen Instanzen abgenickt werden.
Zunächst müsste ein entsprechender Antrag von Lamborghini bei der für den GT-Sport zuständigen Technical Working Group (TWG) - die technische Arbeitsgruppe, in der Herstellervertreter und FIA-Techniker sitzen - eingereicht werden.
Erst wenn in der TWG Einigkeit besteht, würde der Antrag üblicherweise an die Homologationsabteilung und final an die GT-Kommission weitergegeben werden, bei deren Abstimmung eine einfache Mehrheit reicht. Eine anschließende Bestätigung durch den FIA-Weltrat gilt in solchen Fällen allerdings als Formsache.
Mustang GT3: Warum musste Ford zwei Jahre warten?
Dass ein Lamborghini-Antrag durch alle Instanzen ginge, gilt als unwahrscheinlich. Denn Ford musste beim Mustang trotz anfänglicher Schwierigkeiten, mit den anderen GT3-Autos mitzuhalten, wie vorgeschrieben zwei Jahre warten, bis das Auto regulär erst 2026 ein Evo-Paket erhielt. Es ist daher kaum vorstellbar, dass zum Beispiel die Ford-Vertreter einen Lamborghini-Antrag unterstützen würden.
Ratel selbst hat trotz seiner zahlreichen GT-Serien wie der GT-World-Challenge und der Rolle als BoP-Dienstleister mit der SRO Motorsports Group ebenfalls kaum Einfluss, weil er in keinem der FIA-Gremien vertreten ist, die eine Sondergenehmigung für Lamborghini absegnen müssten.
"Lamborghini sollte dringend Hausaufgaben machen"
Welche Optionen bleiben Lamborghini jetzt überhaupt noch? Während Teams wie Grasser selbst aktiv werden und auf Hightech-Prüfständen nach Lösungen suchen, stehen die Verantwortlichen bei der Audi-Tochter unter enormem Druck, da man nicht nur das GT3-Projekt auf Schiene bringen muss.
Parallel dazu müssen auch die neuen Temerario-Boliden für den wirtschaftlich so wichtigen Super-Trofeo-Markenpokal produziert werden, die 2027 zum Einsatz kommen sollen.

Beim DTM-Auftakt in Spielberg fuhr der Lamborghini Temerario hinterher
Foto: ADAC Motorsport
Zudem kämpft die Marke damit, dass der Großteil der Verantwortlichen, die an der Entwicklung des Temerario GT3 beteiligt waren, nicht mehr an Bord sind. Die nun zuständigen Personen müssen so rasch wie möglich die Problemzonen definieren und dafür sorgen, dass diese behoben werden können - eventuell mit zusätzlichen Budgets und Hilfe von außen.
"Sie sollten dringend ihre Hausaufgaben machen und sich darum bemühen, dass ihnen zum Beispiel Serienveranstalter mit Daten auf die Sprünge helfen, damit sie wissen, wo die Fehler liegen", rät ein Lamborghini-Kenner. "So könnte man dieses Projekt, das offenbar mit heißer Nadel gestrickt wurde, noch hinbekommen."
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