Lamborghini-Offensive in DTM: Grasser-Team bringt 2022 gleich vier Huracan!

Teamchef Gottfried Grasser erklärt, wieso sich sein Team ab 2022 nur noch auf die DTM konzentriert, wie man sich vorbereiten wird und welche Ziele man hat

Lamborghini-Offensive in DTM: Grasser-Team bringt 2022 gleich vier Huracan!

2022 steht in der DTM die große Lamborghini-Offensive auf dem Programm: Denn das österreichische Grasser-Racing-Team (GRT) wird mit gleich vier Huracan GT3 Evo in die Traditionsserie einsteigen! "Wir haben in den vergangenen Monaten hart gearbeitet und kommen nächste Saison mit vier Autos", bestätigt Teamchef Gottfried Grasser im Gespräch mit 'Motorsport.com'.

Alle vier Boliden erhalten laut dem Ex-Rennfahrer, dessen Team unweit des Red-Bull-Rings in Knittelfeld ansässig ist, Werksunterstützung von der Audi-Tochter Lamborghini. "Es ist toll, dass wir vom Hersteller die volle Unterstützung kriegen, um ein entsprechendes Paket schnüren zu können, das nach unserer Einschätzung auch erfolgreich sein kann", erklärt Grasser.

Welche Ziele man sich dabei setzt? "Vom Titel zu sprechen, wäre für so eine harte Rennserie sehr weit vorgegriffen", sagt er angesichts der mangelnden DTM-Erfahrung. "Wir peilen aber auf jeden Fall Siege an."

Fahrerfrage ungeklärt, Bortolotti heißer Tipp

Angesprochen auf die Fahrerfrage hält sich Grasser bedeckt: "Dazu kann ich aktuell noch nichts sagen."

Ein potenzieller Kandidat ist aber auf jeden Fall der italienische Lamborghini-Werksfahrer und Grasser-Pilot Mirko Bortolotti, der vergangene Saison einen DTM-Gaststart im T3-Lamborghini absolvierte und laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' beim Hersteller bereits sein Interesse an einem Serienwechsel angemeldet hat.

Was die DTM für das Grasser-Team, das 2019 Vizemeister im ADAC GT Masters wurde und bereits GT-Klassiker wie Daytona oder Sebring für sich entschied, so attraktiv macht? "Wir haben schon im Vorjahr mit einem Einstieg geliebäugelt, aber dann wurde uns klar, dass wir durch die bereits fixierten Rennen einige Überschneidungen gehabt hätten", erklärt Teamchef Grasser. "Es wäre dadurch ein Ding der Unmöglichkeit geworden, das zu stemmen."

"Hat so etwas wie die DTM im GT3-Bereich noch nie gegeben"

In der DTM zu fahren, sei für ihn aber "schon immer ein Traum" gewesen. "Das liegt allein schon am Namen, an der Historie, die dahintersteckt. Im Vergleich zu anderen Serien im Sprintbereich ist das Niveau einfach unglaublich hoch. Und auch die österreichisch-süddeutsche Connection hat eine Rolle gespielt", spielt er darauf an, dass mit DTM-Boss Gerhard Berger und Serienmanager Frederic Elsner zwei Landsleute die Fäden ziehen.

Doch das sind nicht die einzigen Argumente. "Diese Saison hat die DTM wirklich geniale Rennen gezeigt, und auch der mediale Gegenwert ist sehr hoch", spielt er auf die Berichterstattung an. "Man kann ruhig sagen, dass es so etwas im GT3-Sport noch nie gegeben hat."

Dadurch habe auch das Interesse von Lamborghini zugenommen, wodurch der Einstieg überhaupt erst möglich geworden wäre. "Selbst in Italien ist die Medienpräsenz der DTM für den GT3-Bereich einzigartig", so Grasser. "Natürlich werden da die Hersteller hellhörig. Das ist schön, denn wir hatten eigentlich einen langfristigen Vertrag mit Lamborghini für die IMSA und für das ADAC GT Masters. Nur weil Lamborghini das unterstützt, ist dieser Einstieg möglich."

Grasser steigt aus allen anderen Serien aus

Um sich ordentlich auf die große Herausforderung vorbereiten zu können, wird das Team nach elf Jahren aus dem ADAC GT Masters und auch aus der IMSA-SportsCar-Championship sowie der Langstreckenserie der GT-World-Challenge Europe aussteigen.

Gottfried Grasser

Teamchef Gottfried Grasser unterschätzt die Herausforderung DTM nicht

Foto: GRT

"Das Schöne ist, dass wir uns erstmals, seit wir GT3 machen, zu 100 Prozent auf eine Sache konzentrieren können", sagt er und argumentiert die Herangehensweise unter anderem mit den Performance-Boxenstopps. "Wir haben gesagt: Wenn wir DTM machen, dann müssen wir im Winter Zeit für die Vorbereitung haben, weil so einen Boxenstopp trainierst du nicht am Donnerstagabend vor einem Rennwochenende."

In der Blancpain-Sprintserie (Vorgänger der GT-World-Challenge Europe) habe man in der Vergangenheit aber schon gezeigt, dass man zu schnellen Stopps fähig ist: "Als wir 2017 den Titel geholt haben, da gab es noch Stopps auf Zeit. Und da waren wir oft die schnellsten an der Box." Daher prognostiziert er: "Wenn wir uns ordentlich vorbereiten, sollten wir von Saisonbeginn an dabei sein."

Boxenstopps und Reifen bei Vorbereitung im Fokus

Abgesehen davon freut er sich darauf, dass sich die Grasser-Crew beim Reifenwechsel endlich wieder mit der Konkurrenz messen kann. "Der Boxenstopp wurde in fast allen Serien so gut wie irrelevant, weil er zeitlich limitiert wurde", so Grasser. "Richtiger Rennsport" bestehe aus seiner Sicht aber "aus Auto, Fahrer und Team. Und als Team kannst du beim Boxenstopp den Unterschied machen. Es ist toll, dass die DTM diese Möglichkeit bietet."

Das ist aber nicht der einzige Bereich, der Aufmerksamkeit erfordert: Denn während im ADAC GT Masters und in der GT-World-Challenge Europe Pirelli-Reifen zum Einsatz kommen, setzt die DTM auf Michelin-Pneus.

"Das wird sicher kein großer Sprung für uns, weil wir vom Reifen viele Erfahrungsdaten haben", verweist Grasser darauf, dass in der Sprintserie der IMSA-Sportwagen-Meisterschaft, in der man bislang ebenfalls am Start war, wie in der DTM die Michelin-Mischung S8 zum Einsatz kommt.

Team plant ausgiebige Tests in Portimao

"Aber da die europäischen Programme meistens mehr Priorität hatten, gibt es für uns trotzdem wahnsinnig viel zu lernen", erklärt er. "Und dafür bietet sich der Winter extrem gut an."

Aus diesem Grund will das Grasser-Team vorzeitig in Portugal Quartier aufschlagen, wo am 30. April die neue DTM-Saison beginnt. "Wir wollen im Frühjahr in den Süden testen gehen - und es ist wunderbar, dass das erste Rennen in Portimao stattfindet. Dort werden wir uns vorbereiten", verrät der Teamchef.

Man darf nun gespannt sein, ob noch weitere Lamborghini-Teams 2022 in der DTM an den Start gehen werden. Im Vorjahr war die Dresdner T3-Motorsport-Truppe mit zwei Fahrzeugen und Esteban Muth und seiner Teamkollegin Esmee Hawkey das einzige Team der italienischen Kultmarke.

Mit Bildmaterial von GRT.

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