Lawson über DTM ernüchtert: "Will daran auch in Zukunft nicht teilnehmen"

Vizemeister Liam Lawson hat nach dem bitteren Saisonfinale genug von der DTM: Was ihn stört, wieso er sich ungerecht behandelt fühlt und was ihm gefallen hat

Lawson über DTM ernüchtert: "Will daran auch in Zukunft nicht teilnehmen"

Vizemeister Liam Lawson zeigt sich nach dem kontroversen Ende der DTM-Saison 2021 mit Kelvin van der Lindes Rammstoß und der AMG-Herstellertaktik, das ihn am Ende den Titel kostete, von der Traditionsserie ernüchtert. "Insgesamt war die Saison fantastisch, und ich bin wirklich stolz auf das gesamte Team", so der AF-Corse-Ferrari-Pilot.

"Aber die Art und Weise, wie es zu Ende gegangen ist? Nein, damit habe ich nicht gerechnet und das habe ich nicht kommen sehen. Und daran will ich auch in Zukunft nicht teilnehmen", stellt der 19-jährige Neuseeländer in der aktuellen Folge von "This Week" mit Reporter Will Buxton auf unserem Schwesternportal 'Motorsport.tv' klar.

Erst am Mittwoch hatte Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko, der auch für den Fahrerkader des Energydrink-Herstellers verantwortlich ist, klargestellt, dass Red-Bull-Junior Lawson 2022 nicht mehr in der DTM an den Start gehen wird, sondern die gesamte Formel-2-Saison und diverse Formel-1-Testeinsätze bestreiten wird.

"Wurden ganze Saison lang über die Medien attackiert"

Lawson hatte laut eigenen Angaben schon vor dem Saisonfinale am Norisring den Eindruck, dass er als Neuseeländer mit einem italienischen Team in einer "deutschen" Rennserie einen schweren Stand habe und man sich auf die Truppe eingeschossen hatte: "Wir wurden die ganze Saison lang über die Medien von anderen Teams attackiert, was die BoP (Balance of Performance; Anm. d. Red.), andere Dinge und eine Bevorzugung angeht."

¿pbtag|ThisWeekLiamLawson|pb¿Das habe auch die Kollision mit van der Linde im zweiten Rennen in Hockenheim gezeigt, als ihm der Abt-Audi-Pilot nach einem harten Zweikampf ins Heck fuhr und eine Fünf-Sekunden-Strafe erhielt. "Er hat mich im Grunde abgeschossen und er hat dafür eine Fünf-Sekunden-Strafe erhalten, aber die Medien waren wirklich voreingenommen, was die Strafe angeht", spielt Lawson auf die Diskussion an, die Strafe sei zu hart gewesen.

"Es hieß, wir würden anders behandelt werden und so Sachen, was ein kompletter Witz ist", ärgert sich der AF-Corse-Pilot. Damit verweist er unter anderem auf die von Ex-Champion und Audi-Werksfahrer Rene Rast geäußerte Theorie, AF Corse hätte mit nur zwei Fahrzeugen bei der Balance-of-Peformance-Einstufung einen Vorteil gehabt.

"Man fuhr Cassidy absichtlich ins Auto"

Am Norisring-Wochenende sei der Gegenwind dann noch stärker geworden, meint Lawson. "Da habe ich das Gefühl gehabt, dass sie uns definitiv im Visier haben." Das fiel ihm vor allem beim Sonntagsrennen auf, als er nach der Kollision mit van der Linde mit kaputter Lenkung um den Kurs rollte, während AF-Corse-Ferrari-Teamkollege Nick Cassidy versuchte, in die Mercedes-AMG-Phalanx einzudringen.

"Nachdem mein Auto kaputt war, war Nicks Auto das einzige verbleibende", holt Lawson aus. "Nachdem er durchs Feld gepflügt war, war klar, dass er irgendwann gegen fünf oder sechs Mercedes kämpfen würde. In den letzten paar Runden fuhr man ihm auf der Geraden absichtlich ins Auto und so weiter, um sicherzustellen, dass er auf keinen Fall durchkommt."

"Sache mit der Teamorder ist nicht so cool"

Lawson spielt dabei auf die letzten Runden des Rennens an, als Cassidy bereits gegen Winward-Mercedes-Pilot Philip Ellis um Platz drei kämpfte und der Schweizer heftige Gegenwehr zeigte. Höhepunkt des Duells war die Kollision in der Grundig-Kehre, für die aber der Neuseeländer fünf Strafsekunden erhielt.

"Die Sache mit der Teamorder ist nicht so cool", findet Lawson. "Das war ziemlich hart. Ich fuhr immer noch um die Strecke und habe auf den Bildschirm gestarrt, um zu sehen, was sich im Rennen abspielt. Ich habe gesehen, was sich abzeichnete, habe mit meinem Team darüber gesprochen und wusste, was mehr oder weniger passieren wird."

Ob er an so einer Art von Rennsport teilnehmen möchte? "Ehrlich gesagt nein", antwortet der 19-Jährige. "Nein, überhaupt nicht." Lawson stellt aber klar, dass die Attacke von van der Linde für ihn schlimmer gewesen sei als die Mercedes-AMG-Teamtaktik, die ihn am Ende endgültig um den Titel brachte.

Was Lawson an seinem DTM-Jahr genossen hat

"Der Zwischenfall in der ersten Kurve war für mich der frustrierendste Teil des gesamtem Wochenendes, weil genau das gleiche passiert ist wie im ersten Rennen", sagt Lawson. "Und im Grunde denkt man ja, dass die Leute aus ihren Fehlern lernen. Es war einfach niederschmetternd, es nicht einmal bis zur ersten Kurve zu schaffen und ein Rennen fahren zu können."

Dennoch kann er seinem DTM-Jahr auch Positives abgewinnen. "Ich habe mein DTM-Jahr genossen, und es hat wirklich viel Spaß gemacht", erklärt der Red-Bull-Youngster, der neben der DTM auch in der Formel 2 fährt. "Es war ganz anders als ich es gewohnt war. Ich habe mich bei meiner Arbeit mit dem Team nicht mehr so sehr wie ein Junior gefühlt. Ich wurde ein bisschen mehr wie ein Profi behandelt - und dieser Aspekt war toll."

Mit Bildmaterial von Red Bull.

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