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Reaktion

"Man war zu ängstlich": Warum der neue DTM-Reifen die Legenden spaltet

Die DTM-Legenden sind uneinig: Manuel Reuter hätte sich beim neuen Spezialreifen der DTM mehr Mut gewünscht, während Bernd Schneider vor den Gefahren warnt

"Man war zu ängstlich": Warum der neue DTM-Reifen die Legenden spaltet

Hätte Pirelli beim neuen exklusiven DTM-Reifen mutiger sein müssen?

Foto: ADAC Motorsport

War die DTM beim neuen Spezialreifen, der dieses Jahr von Pirelli ausschließlich für den Einsatz in der Traditionsserie konstruiert wurde, zu konservativ? "Ich hätte mir einen Reifen gewünscht, der einen viel größeren Abbau hat - also einen viel größeren Unterschied zwischen neu und gebraucht", sagt DTM-Legende Manuel Reuter im Gespräch mit Motorsport-Total.com. "Das hätte der Serie gutgetan."

Aber was hätte sich der ITC-Champion des Jahres 1996 dadurch versprochen? "Überholen ist nach wie vor extrem schwierig, denn alle Autos sind auf einem ähnlichen Niveau", fällt ihm trotz der Änderung auf. "Wenn ich aber einen Reifen habe, der - je nach Strecke und Fahrzeugtyp - einen viel größeren Verschleiß hat, habe ich Zeitunterschiede von vielleicht 1,5 bis zwei Sekunden. Und dann kann ich natürlich überholen."

Dazu kommt, dass die GT3-Autos mit ABS und Traktionskontrolle ausgestattet sind, was das Überholen erschwert. Diesbezüglich hätte man mit dem Reifen mehr nachhelfen können. "Wenn bei dem einen der Reifen eingeht und er beim anderen neu ist und es ein Delta von zwei Sekunden gibt, dann habe ich geiles Racing", ist Reuter überzeugt.

Abbau auch bei Zandvoort-Härtetest "sehr überschaubar"

Der Dünenkurs in Zandvoort galt als absoluter Härtetest für die neuen Pirelli-Reifen, die zwar die gleiche Mischung, aber eine andere Konstruktion als der bisher genutzte DHG-Reifen von Pirelli haben, und etwas schneller auf Temperatur kommen.

Während es am Samstag kaum Positionsverschiebungen gab, spielten die Reifen am Sonntag nur in der Schlussphase eine Rolle, als Piloten wie Thierry Vermeulen, die nur noch einen gebrauchten Satz zur Verfügung hatten, von der Spitze zurückfielen und von Piloten mit neuen Reifen überholt wurden.

"Das ist für mich alles sehr überschaubar", sagt Reuter nach dem Zandvoort-Wochenende. "Es ist nicht so, dass wir jetzt mit dem gebrauchten Rad 2,5 Sekunden langsamer fahren." Hat den Verantwortlichen also der Mut gefehlt? "Man war glaube ich am Ende ein bisschen zu ängstlich, um sich gegen die unterschiedlichen Meinungen der vielen Hersteller und Teams durchzusetzen", meint Reuter.

Bernd Schneider: "Dann wird es für die BoP noch schwieriger"

Das könnte auch mit der schwierigen Geburt des neuen DTM-Reifens zu tun haben: Denn Pirelli brachte bei den ersten Entwicklungstests, die in Abstimmung mit den Herstellern in der Winterpause stattfanden, Reifen, die je nach Fahrzeug um mehrere Sekunden pro Runde abbauten. Nach mehreren Ausbaustufen legte man sich erst einen Monat vor dem Saisonstart auf einen Reifen fest, der sich nur geringfügig vom bisherigen Pneu unterscheidet.

Pirelli

So sieht der Pirelli-Spezialreifen für die DTM-Saison 2026 aus

Foto: ADAC Motorsport

"Jeder hat sich gewünscht, dass ein größerer Schritt passiert", weiß auch "Mr. DTM", Bernd Schneider, der als AMG-Repräsentant beim Entwicklungstest in Vallelunga im März vor Ort war. "Es war auch dort schon zu sehen, dass es nicht einfach ist, einen Reifen zu liefern, der auf jedem Auto funktioniert. Und es wäre schlecht, einen Reifen zu bringen, der eine Marke bevorteilt und eine Marke extrem benachteiligt."

Daher war es laut dem fünfmaligen DTM-Champion "eine große Herausforderung an Pirelli, etwas zu ändern", zumal auch der bisherige Reifen in Ordnung gewesen sei. "Wenn jetzt noch ein Rad dazukommt, das man nicht einschätzen kann, dann wird es für die BoP noch schwieriger. Deswegen glaube ich, war es gut, dass der Schritt nicht ganz so groß ausgefallen ist, wie man es vielleicht wollte."

Reuter: ADAC hätte Teams vor vollendete Tatsachen stellen sollen

Reuter sieht das anders. "Am Ende hätte man zu den Teams sagen müssen: Das ist das, was ihr kriegt, damit müsst ihr leben - und dann findet jeder eine Lösung", sagt Reuter. "Je nach Konzept und Strecke hat dann der eine mehr oder weniger Abbau oder Graining als der andere. Und das gleicht sich im Verlauf der Saison je nach Strecke oder Temperatur wieder aus."

Dass es Widerstand gab, habe vor allem damit zu tun, dass die Teams aus Eigeninteresse versucht haben, "das in die eigene Richtung zu schieben", glaubt Reuter. Daher fordert er, dass mehr im Sinne der Rennserie gedacht wird. "Wir sollten uns die Frage stellen: Was ist geil für die Serie? Wir machen das für die Zuschauer, nicht für uns - und wir sitzen alle im selben Boot. Je besser die Show ist, desto besser für alle."

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