Mentor Reuter über Sensationsmann Wiebelhaus: "Wie ein Memory-Stick"
Fast die Pole beim DTM-Debüt: Manuel Reuter erklärt den rasanten Aufstieg von Finn Wiebelhaus und was den Rookie mit Bortolotti und Kelvin van der Linde verbindet
Finn Wiebelhaus (re.) und Kelvin van der Linde (li.): Manuel Reuter sieht Parallelen
Foto: Gruppe C Photography
Der 20-jährige Hesse Finn Wiebelhaus war die Sensation des DTM-Auftakts in Spielberg: Nachdem er bereits beim offiziellen DTM-Test und am ersten Renntag im Ford Mustang GT3 eine gute Figur gemacht hat, fuhr der HRT-Rookie im Sonntags-Qualifying auf Startplatz zwei - und verpasste seine erste DTM-Pole um nur 0,085 Sekunden.
Das DTM-Fahrerlager war erstaunt, nur Legende Manuel Reuter, der den Youngster entdeckte und seit 2024 bei HRT intensiv mit ihm arbeitet, sagt: "Was heißt Sensation? Das würde ich nicht sagen. Für uns kommt das alles nicht von ungefähr." Es sei "kein Zufall, dass er jetzt dort steht, wo er steht".
Der 64-jährige Mainzer, der 1996 ITC-Champion wurde und 1989 und 1996 die 24 Stunden von Le Mans gewann, brachte Wiebelhaus Ende 2023 dazu, sich nach einem Jahr vom Formelsport zu verabschieden und in den GT-Sport zu wechseln. Seitdem habe sich Wiebelhaus deutlich weiterentwickelt.
Reuter sieht Parallelen zu Bortolotti und Kelvin van der Linde
Und was Reuter neben dem "Speed" an seinem Schützling beeindruckt: "Er ist ein gutes Beispiel für einen Fahrer, die die Dinge annimmt und clever genug ist, sie umzusetzen." Während andere Fahrer seine Kritik manchmal persönlich nehmen würden, gehe Wiebelhaus "konstruktiv" damit um. Er beschreibt ihn als "ruhig und strukturiert - und er versteht langsam, worum es geht", sagt Reuter.
Der Nachwuchsverantwortliche von HRT sieht sogar Parallelen zu DTM-Champion Mirko Bortolotti, den er 2022 bei Grasser betreute, und Kelvin van der Linde, mit dem er 2019 bei Rutronik den Meistertitel im ADAC GT Masters holte. "Jeder dieser Jungs ist für sich verschieden, aber sie sind alle super strukturiert und gehen kompromisslos ihren Weg", fällt Reuter auf.
Das erkenne er auch bei Wiebelhaus. "Das fängt schon beim technischen Verständnis an", gibt er ein Beispiel. "Wie rede ich mit den Ingenieuren? Dieses Aufsaugen und dieses Feedback dann wie ein Memory-Stick an die Jungs weiterzugeben - das ist mit das Entscheidende. Und nicht gleich das ganze Set-up infrage zu stellen und zu sagen: 'Nein, das funktioniert nicht.' Glaub dran!"
Wie Reuter Wiebelhaus dank Laufshop des Vaters entdeckte
Aber wie hat Reuter Wiebelhaus eigentlich entdeckt? Den Anfang nahm alles über einen gemeinsamen Bekannten - und den Laufshop von Vater Jost Wiebelhaus in Frankfurt. "Der Finn ist damals die französische Formel 4 gefahren - und es ging darum, ob man den Formelweg weitergehen soll. Über einen gemeinsamen Triathlon-Bekannten kam dann der erste Kontakt zustande, weil der gesagt hat: 'Rede doch mal mit Manuel!'"

Beinahe-Pole bei Debüt! Wiebelhaus wurde im Rennen Achter, kämpfte aber wacker
Foto: ADAC Motorsport
Reuters damaliger Rat? "Wenn nicht Mittel X zur Verfügung stehen, ist dieser Formelweg in Deutschland verdammt schwierig", habe er Vater Wiebelhaus gesagt. "Und wenn der Junge Talent hat, dann ist der Weg 'Autos mit Dach' - ob das jetzt ein GT3, ein LMDh oder ein Hypercar ist - sehr attraktiv. Daher habe ich gesagt, dass das glaube ich realistisch und auch umsetzbar ist. Und sie haben mir vertraut."
Schon von Finn Wiebelhaus' ersten Metern im GT3-Auto, als er im November 2023 am Young-Driver-Test von Mercedes-AMG in Valencia teilnahm, zeigte sich Reuter beeindruckt: "Auffällig war, wie abgeklärt er war, obwohl er im Grunde erst ein Jahr mit Autos gefahren ist." Damals hatte Wiebelhaus erst vier Jahre Motorsport hinter sich, denn 2020 fuhr der Youngster seine erste Kart-Saison.
"Es tut weh, es gibt Tränen, es gibt Niederlagen"
Da Wiebelhaus vor rund zwei Monaten nach Österreich zog, wo auch Reuter lebt, hat sich die Zusammenarbeit intensiviert. "Es ist aber jedem Fahrer selbst überlassen, wie sehr er sich selbst hinterfragt und wie tief das gehen soll", stellt Reuter klar, der die gesamte Nachwuchsarbeit beim HRT-Team leitet. "Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied."

Finn Wiebelhaus und Mentor Manuel Reuter beim Fahrrad-Training
Foto: privat
Auch von Schonung hält der langjährige Opel-Pilot allerdings wenig. "Die Jungs müssen wissen, dass dieser Weg total hart ist", sagt er. "Es zählt immer nur die Stoppuhr. Du hast viele Neider, der Weg in der Komfortzone funktioniert nicht. Es tut weh, es gibt Tränen, es gibt Niederlagen. Aber wenn man jeden Tag hart arbeitet, dann geht das." (SPONSORED LINK: Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2026 sichern!)
"Ich bin in dem einen oder anderen Bereich vielleicht auch extrem", gibt Reuter zu, "aber am Ende des Tages zahlt sich das aus. Pedantisch zu sein, den Finger in die Wunde zu legen und Dinge nicht schönzureden. Fehler darfst du einmal machen, aber das zweite Mal nicht mehr. Es geht nur so, wenn du Champion werden willst."
Kein Wunder, dass Reuter nach dem starken DTM-Auftakt seines Schützlings nun um Bodenhaftung bemüht ist. Das beeindruckende Qualifying sei "ein kleiner Schritt" gewesen, aber es sei "noch ein weiter Weg". Denn vor allem im Zweikampf, der in der DTM deutlich härter ist als in anderen GT3-Serien, gäbe es noch Luft nach oben. "Da wird Finn das eine oder andere Mal noch richtig Lehrgeld bezahlen", prophezeit Reuter.
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