Mercedes klärt auf: Deshalb ließ Auer di Resta in Budapest vorbei

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Mercedes klärt auf: Deshalb ließ Auer di Resta in Budapest vorbei
Autor: Julia Spacek
27.06.2018, 08:12

Warum vermeintliche Teamorder von Mercedes in Budapest keine war und welche Erklärung es für das Überholmanöver von Paul di Resta an Lucas Auer gibt

Es war einer der Aufreger der DTM in Budapest: Im Samstagsrennen tritt der führende Mercedes-Fahrer Lucas Auer auf die Bremse und lässt seinen Teamkollegen Paul di Resta vorbei und sichert sich so den Sieg. Alles sah nach einer Teamorder der Stuttgarter aus. Doch viele fragten sich: Warum? Schließlich lag Auer vor dem internen Wechsel in der Tabelle drei Punkte (34:31) vor Budapest-Pole-Setter Di Resta. Die angebliche Anweisung des Teams war auch am Nürnberger Norisring noch ein Thema. Die Fakten entlasten nun aber die Stuttgarter und zeigen: Es war keine Teamorder!

Vielmehr gibt es bei Mercedes eine interne Absprache, an die sich die sechs Sternfahrer halten: Wenn ein Fahrer, der von der Pole-Position startet, durch einen Boxenstopp oder eine bessere Strategie (Stichwort Undercut) hinter einen Teamkollegen zurückfällt, dann gibt derjenige, der dadurch profitiert hat, die Position an den "benachteiligten" Fahrer zurück.

Rückblick: Beim Samstagrennen in Budapest hatte Lucas Auer seinen Mercedes-Teamkollegen Paul di Resta in Runde 22 deutlich den Vortritt gelassen, weil der Österreicher ausgangs von Kurve eins nach rechts fuhr, zweimal kurz auf die Bremse trat und so der Schotte vor Kurve zwei locker vorbeiziehen konnte.

Mercedes nennt Grund für Überholmanöver

Auer selbst war es, der anschließend im Gespräch mit 'Motorsport.com' von einem Reifenproblem in dieser Phase des Rennens sprach - wenn man sich seine gefahrenen Rundenzeiten vor Augen führt, dann merkt man schnell, dass das Unsinn war. Damit hat er sich nicht nur selbst, sondern auch seinem Arbeitgeber geschadet, der schon in Budapest vehement eine zuvor abgesprochene Teamorder dementierte. Am Norisring gaben die Stuttgarter zu, dass Auers Erklärung unglücklich gewesen und auf die interne Sprachregelung des Herstellers zurückzuführen sei.

In Runde 22, also dem Umlauf, in dem di Resta vorbeizog, fuhr Auer eine Rundenzeit von 1:41.442 Minuten. Das war seine mit Abstand schlechteste Rundenzeit unter regulären Rennbedingungen. Nicht berücksichtigt sind dabei Runde eins nach dem Start sowie die Runden sechs und sieben, vor (Inlap) und nach (Outlap) dem Pflichtboxenstopp. Zum Vergleich: Seine zweitschlechteste Rundenzeit absolvierte Auer in Runde 25 (1:40.454), seine Bestzeit erzielte er in Runde zehn (1:38.812).

Neben vielen Fans und TV-Zuschauern war auch DTM-Chef Gerhard Berger verärgert über den internen Mercedes-Wechsel. Das sei "ein Schlag in Gesicht" und "komplett inakzeptabel", schimpfte der Österreicher, für den Teamorder "unsportlich ist" und der in Richtung seines Neffen Lucas Auer deutliche Worte fand: "Wenn man Meister werden will, dann tritt man nicht auf die Bremse!"

Berger nimmt Anschuldigung zurück

Schon in Budapest kündigte der DTM-Chef an, mit Auer privat ein ernstes Wörtchen reden zu wollen. "Wenn ich in Budapest gewusst hätte, was ich jetzt weiß, dann hätte ich mich dort anders verhalten", sagte Berger am Norisring in einem Gespräch mit 'Motorsport.com'. Sein Neffe habe ihm, wie schon Mercedes-DTM-Teamchef Uli Fritz zuvor in Budapest, glaubhaft versichert, dass es keine Teamorder gegeben hätte. Übereinstimmend und unabhängig voneinander vertritt auch 'Motorsport-Total.com' nach eigener Recherche nun diese Einschätzung.

Demnach muss man folgendes wissen: Bei Mercedes gibt es eine Strategieabteilung, die sich um alle sechs Fahrer kümmert. Dabei ist das primäre Ziel, für sie und die gesamte Mannschaft das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

"Mit Blick auf die Daten und das Renngeschehen in Budapest war unseren Strategen klar, dass Lucas (Auer) nur eine Chance auf Platz zwei hat, wenn er einen Undercut gegen Nico Müller und Paul (Di Resta) fährt", erklärt ein Mercedes-Sprecher die nachvollziehbar beste Strategie beim Samstagrennen. "Dementsprechend wurde Lucas noch vor Paul zum Boxenstopp (nach Runde 6; Anm. d. Red.) beordert, da dieser ein ausreichendes Zeitpolster gegenüber Audi vorweisen konnte."

Als Auer dann mit seinen warmen Reifen auf di Resta auflief, lies der Schotte ihn ohne Gegenwehr passieren, wohlwissend, dass er sonst nur unnötig Zeit verlieren würde. Damit musste auch Auer klar sein, dass die Strategie ihn in diesem Moment bevorzugt hat. Als Paul di Resta den Audi-Piloten Nico Müller kassiert hatte und anschließend Auer wieder einholte, verhielt sich der Tiroler in Runde 22 analog zu Paul di Resta und lies ihn kampflos vorbei.

Damit wird auch klar, warum Uli Fritz bei seinem Teamorder-Dementi schon in Budapest davon sprach, dass die Fahrer das untereinander regeln. Unter dem Strich war es also viel Wirbel um nichts - und den hätte Auer, wie Berger findet, verhindern können: "Wenn es so war, wie Lucas sagt, ist es keine unsportliche Aktion gewesen. Ich habe keinen Grund, an seiner Aussage zu zweifeln."

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