"Möchte ihm Sieg widmen": Bortolotti mit emotionaler Botschaft an Maximilian Paul
Grasser-Pilot Mirko Bortolotti holt den ersten DTM-Sieg mit dem neuen Lamborghini Temerario GT3: Wem er den Sieg widmet, warum der Erfolg besonders emotional ist
Für Mirko Bortolotti ist der Oschersleben-Sieg "besonders emotional"
Foto: Alexander Trienitz
Vor gerade einmal drei Wochen herrschte bei Grasser nach dem Horrorunfall von Maximilian Paul auf dem Norisring noch Schockstarre. Nun gibt es wieder Grund zum Jubeln: Teamkollege Mirko Bortolotti gewinnt das zweite DTM-Rennen in Oschersleben, dank einer starken Mannschaftsleistung und einer perfekten Strategie.
In den anschließenden Interviews zeigt sich der sonst so abgeklärte Italiener ungewohnt emotional, vor allem mit Blick auf seinen verletzten Teamkollegen. "Ich denke, wir haben eine starke Bindung zueinander. Wir sind ein großartiges Team", sagt der Sieger des zweiten Oschersleben-Rennens. "Wir genießen wirklich jede Minute."
Zwar fährt Paul erst seit dieser Saison als fester Teamkollege von Bortolotti bei Grasser, die Verbindung der beiden reicht jedoch deutlich weiter zurück. In der Saison 2023 unterstützte der DTM-Champion von 2024 den Deutschen sogar maßgeblich auf dem Weg zu dessen erstem DTM-Sieg auf dem Nürburgring.
"Es ist wirklich schade, was Max passiert ist", blickt Bortolotti nach seinem Sieg in Oschersleben auf den schweren Norisring-Unfall vor drei Wochen zurück. "Ich möchte auch an ihn denken. Ich weiß, dass er sich auf dem Weg der Besserung befindet, und möchte ihm diesen Sieg ebenfalls widmen."

Maximilian Paul hat sich beim Unfall am Norisring schwer verletzt
Foto: ADAC Motorsport
"Wir sind gute Freunde. Man kann wirklich kaum glauben, was dort passiert ist. Wie viel Pech man haben kann. Aber wie ich schon vor ein paar Wochen auf dem Norisring gesagt habe: Er ist wirklich stark", meint der Italiener. "Ich kann es kaum erwarten, ihn wieder auf der anderen Seite der Garage zu haben."
Mirko Bortolotti: "Ein wahnsinniger Sieg, unglaublich emotional"
Wann Paul in das Cockpit seines Grasser-Lamborghini zurückkehren wird, ist weiterhin offen. Der 26-Jährige meldete sich zuletzt mit einer emotionalen Videobotschaft zu Wort. "Ich wurde wieder zusammengeflickt und befinde mich derzeit in der Reha", so Paul, der sich das Wochenende "mit einem lachenden und einem weinenden Auge" angeschaut hat.
Nach dem Sieg seines Teamkollegen dürfte das lachende Auge am Sonntag etwas größer gewesen sein - ebenso wie bei Bortolotti selbst. "Gerade in schwierigen Saisons wie dieser ist es wichtig, eine gute Verbindung zu allen zu haben, Spaß miteinander zu haben und das Beste aus diesen Wochenenden zu machen", sagt Bortolotti. "Ich denke, genau das tun wir."

Das Grasser-Team feiert in Oschersleben den Sieg von Mirko Bortolotti
Foto: ADAC Motorsport
Für Grasser Racing verlief der Saisonstart alles andere als einfach: Zunächst bereiteten die Kinderkrankheiten des neuen Lamborghini Temerario GT3 Kopfzerbrechen, anschließend erschütterte der schwere Unfall von Maximilian Paul das Team. Der Erfolg in Oschersleben besitzt deshalb auch eine besondere symbolische Bedeutung.
"Es ist ein wahnsinniger Sieg für uns, unglaublich emotional", bestätigt Bortolotti. "Es ist der weltweit erste Sieg für den Lamborghini Temerario GT3, und das in der wichtigsten Meisterschaft. Ich bin also überglücklich über diesen Erfolg, wahnsinnig stolz auf alle und genieße diesen Sieg in vollen Zügen."
Hinzu kommt: Es ist sogar der erste gemeinsame DTM-Sieg von Bortolotti und Grasser, die sich so gut verstehen. "Ich habe zuvor nie ein Rennen mit ihnen gewonnen, und bin ich in meinem ersten DTM-Jahr immer Zweiter oder Dritter geworden. Deshalb ist es großartig, endlich diesen Sieg geholt zu haben."
So schnappte sich Bortolotti den Sieg in Oschersleben
"Ich kann es immer noch kaum fassen, was wir heute geschafft haben: Start von Platz 6, perfekte Strategie, perfektes Rennen." Tatsächlich legte der Grasser-Pilot den Grundstein für seinen Erfolg bereits im Qualifying, als er sich den sechsten Startplatz sicherte.
Beim Start setzte sich der 36-Jährige zunächst gegen Maro Engel (Winward-Mercedes) durch und absolvierte anschließend einen starken ersten Stint. "Wir hatten eine großartige Strategie", erinnert der Lamborghini-Werksfahrer. "Wir haben uns entschieden, im ersten Stint lange draußen zu bleiben, und konnten so alle per 'Overcut' überholen."
Der Plan ging auf: Nach seinem Boxenstopp, der eigentlich gar nicht so gut lief, kehrte Bortolotti dennoch als Zweiter auf die Strecke zurück und verteidigte seine Position trotz kalter Reifen. "Die Boxenstopps waren richtig stark, ebenso die Runden direkt nach dem Stopp", ergänzt der in Wien lebende Italiener.
"Als dann der Regen einsetzte, konnte ich die Lücke zu Tommy [Preining] schließen", sagt Bortolotti. "Und dann gab es bei ihnen natürlich ein Problem - eine Kleinigkeit beim Boxenstopp -, das uns die Chance gab, an ihnen vorbeizuziehen."
"Andernfalls wäre es wohl schwierig geworden oder es hätte am Ende einen direkten Zweikampf mit Thomas um den Sieg gegeben. Natürlich tut es mir leid für ihn und sein Pech, aber wir hatten in der Vergangenheit auch oft Pech; deshalb genieße ich diesen Sieg und nehme ihn gerne mit."
DTM-Sieg für Lamborghini eine Ausnahme in diesem Jahr
In der DTM-Gesamtwertung verbesserte sich Bortolotti mit seinem Erfolg am Sonntag auf den zehnten Rang. Der Rückstand auf Spitzenreiter Maro Engel im Winward-Mercedes beträgt allerdings 72 Punkte. Doch im Lamborghini-Lager spielt der Titelkampf in dieser Saison ohnehin nur eine untergeordnete Rolle.
"Ganz sicher werden wir heute ausgiebig feiern und diesen Tag in vollen Zügen genießen, denn wir befinden uns in einer Entwicklungssaison", erinnert der Lamborghini-Werksfahrer an die zahlreichen Schwierigkeiten mit dem neuen Temerario.
"Deshalb erwarte ich nicht, dass wir in den nächsten Rennen sofort wieder um Siege kämpfen werden. Wir müssen auf jeder Strecke, auf die wir kommen, wieder bei null anfangen, weil wir mit diesem Auto jede dieser Strecken zum ersten Mal befahren."
"Und jedes erste Freie Training ist für uns ein bisschen ein Abenteuer", sagt Bortolotti. "Deshalb ist es eine etwas andere Art von Saison. Genau deshalb ist ein Sieg wie dieser meiner Meinung nach noch wertvoller, noch wichtiger und fühlt sich noch schöner an."
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