Müller spricht Klartext über Rosberg-Probleme: Fahrzeugdaten "verfälscht"

Warum das Rosberg-Team dieses Jahr gegen Abt kein Land sah, wie man den Fehler erkannte und warum man bis Saisonende unter den Folgen litt

Müller spricht Klartext über Rosberg-Probleme: Fahrzeugdaten "verfälscht"

Nach seinen zwei verlorenen Titelkämpfen mit dem Abt-Team wollte Nico Müller dieses Jahr bei Rosberg endlich die offene Rechnung mit der DTM begleichen. Doch während sein Abt-Nachfolger Kelvin van der Linde bis zum Saisonfinale um den Titel fuhr, musste sich der Schweizer im Audi R8 LMS des Rosberg-Teams mit dem mageren zehnten Rang begnügen.

"Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass ich im selben Auto nicht viel langsamer bin als Kelvin", spricht der Schweizer im Gespräch mit 'Motorsport.com' nun Klartext. "Wir sind aber aus verschiedenen Umständen diese Saison sehr früh vom richtigen Weg abgekommen."

Was war also passiert? "Es gab ein Problem mit dem Auto, das uns die Testerei und auch die ersten zwei Wochenenden versaut hat", ärgert sich der Schweizer, dass die gesamte Testarbeit vor der Saison und auch die Daten der ersten zwei Rennwochenenden nahezu wertlos gewesen seien.

"Jedes Rennwochenende wird zur Testfahrt"

"Unsere Testergebnisse und die Performance des Autos waren verfälscht", konkretisiert Müller. "Dann fängst du mitten in der Saison bei Null an. Du hast keine Ressourcen und keine Zeit mehr, um viel testen zu gehen, weil im Zweiwochen-Rhythmus Rennen stattfinden. Und jedes Rennwochenende wird zur Testfahrt."

Eine interessante Aussage, denn ausgerechnet beim Saisonauftakt in Monza holte der 29-Jährige mit Rang zwei am Sonntag aus eigener Kraft seinen einzigen Podestplatz der Saison, ehe es danach nur noch zu 32 Punkten reichte. Wie ist also die starke Leistung im königlichen Park trotz des mysteriösen Problems zu erklären?

Monza-Podest: Wieso Problem bei Auftakt verschleiert wurde

"In Monza ging es nur geradeaus", antwortet Müller. "Du musst nur gut bremsen. Und das Problem, das wir im Auto hatten, hatte daher keinen großen Effekt. Wir konnten das so gut kaschieren, auch weil wir nach unseren zwei Testtagen so gut auf Monza vorbereitet waren. Außerdem waren andere da noch nicht so gut sortiert. Aber dann kamen Strecken, wo es Kurven gibt. Und nicht nur Geraden."

Der Lausitzring, auf dem Müller im Qualifying nicht über die Startplätze 15 und 16 hinauskam, habe dem Team die Augen geöffnet. "Das war brutal, da fehlte uns über eine Sekunde", so Müller. "Und der Lausitzring ist jetzt nicht gerade eine Strecke, auf der ich früher schlecht war." Daher sei "klar" gewesen: "Da ist was faul. Wenn so viel fehlt, dann liegt es nicht an ein bisschen Sturz."

Rosberg-Teamchef: "Haben Detail übersehen"

Doch wo verrannte sich das Rosberg-Team? "Es handelte sich um eine Set-up-Sache, die mit dem Abtrieb zu tun hatte", deutet Teamchef Kimmo Liimatainen an, dass es dem Team an Downforce fehlte. "Da haben wir ein Detail übersehen, das sich negativ auf die Performance auswirkte."

Nico Müller

Müller erlebte bei seiner Rückkehr zum Rosberg-Team ein enttäuschendes Jahr

Foto: DTM

Wie stark die Auswirkung gewesen sei? "Auf einem Kurs wie dem Lausitzring mit schnellen Kurven wie Turn 1 waren es ungefähr zwei Zehntel pro Runde", so der Finne. "Das war das gesamte Wochenende lang unser schwacher Sektor, obwohl er eigentlich nur aus einer Kurve besteht."

 

Am folgenden Wochenende in Zolder bekam man das Problem dann mit Hilfe von Audi Sport in den Griff. "Beim Test war es noch nicht okay, aber am Rennwochenende war das Auto dann so, wie es sein sollte", bestätigt Müller. "Das mechanische Problem war weg."

Warum Rosberg die gesamte Saison unter den Folgen litt

Dennoch habe man Schwierigkeiten gehabt, den Zeitrückstand aufzuholen. "Die gesamte Set-up-Entwicklung musste man von vorne anfangen - ohne Tests eine Herkulesaufgabe", seufzt der Audi-Werksfahrer. Auch an den Rennwochenenden sei es schwierig gewesen, Erfahrungswerte zu sammeln, denn in den Freien Trainings kamen dieses Jahr gebrauchte Reifen zum Einsatz.

"Da lernst du gar nichts", sagt Müller. "Du tappst nur im Dunkeln und schnallst dann im Qualifying den neuen Reifen drauf. Und das Qualifying ist nicht optimal für Tests." Im Rennen sei man "oft ganz gut unterwegs gewesen. Wir konnten uns vorkämpfen, aber wenn du dich bei den ganzen Wilden in der Schlacht aufhältst, dann hat das Auto meistens schon was abgekriegt, bevor es überhaupt losgeht", konnte man auch in den Rennen kaum brauchbare Daten sammeln.

"Haben alles abgekriegt, was man abkriegen kann"

Was zudem bitter war: Die Strecken, die dem R8 LMS entgegenkamen, waren eher in der ersten Saisonhälfte zu finden, als man noch unter dem Problem gelitten habe. "Wir waren nicht gut genug - das ist klar", will Müller keine Ausreden finden. "Aber es ist vieles zusammengekommen, was uns noch schlechter ausschauen hat lassen, als wir es eigentlich waren. Wir haben wirklich alles abgekriegt, was du abkriegen kannst."

Ob er nun hoffe, dass damit das Pech aufgebraucht sei? "Ich bin kein Fan davon, alles auf Glück oder Pech zurückzuführen", antwortet er. "Du gräbst dir immer dein eigenes Grab. Dieses Problem mit dem Auto, das man früher hätte finden müssen, hat einen großen Rattenschwanz mit sich gezogen. Dann haben wir auch nicht schnell genug die richtigen Schlüsse gezogen."

Das sei auch darauf zurückzuführen gewesen, dass die Daten und Set-ups bei Audi im Gegensatz zu Mercedes-AMG nicht unter den Teams geteilt werden müssen und man daher keinen Einblick habe, was das Abt-Team macht. "Jeder denkt sich: 'Schau dir doch an, was die da machen! Macht doch mehr oder weniger das selbe'", so Müller. "Aber wir haben ja keine Daten. Das ist nicht wie bei Mercedes, wo man Einsicht hat."

Mit Bildmaterial von DTM.

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