Nach Abt-Drama: Sind DTM-Boxenstopps nicht sicher genug?

Das Abt-Team fordert nach dem Boxendrama in Hockenheim für 2022 sichere DTM-Stopps: Wie die ITR reagiert und wie die Unfallursache im Reglement behandelt wird

Nach Abt-Drama: Sind DTM-Boxenstopps nicht sicher genug?

Positive Nachrichten nach dem Boxenstopp-Drama bei Abt auf dem Hockenheimring: Der Mechaniker, der beim Stopp von Mike Rockenfeller mit der linken Hand in die sich drehende Felge geriet und sich dabei zwei Finger verletzte, wurde laut dem Rennstall aus Kempten am späten Sonntagabend operiert. "Die OP ist gut verlaufen", gibt das Audi-Team bekannt.

Wie es nun weitergeht? "Es braucht nun etwas Zeit, um beurteilen zu können, wie der Heilungsprozess verläuft", gibt sich das Team vorsichtig. "Das ganze Team wünscht Manuel eine schnelle Genesung. Am Norisring wird er uns leider fehlen."

Nach dem Unfall forderte Abt-Sportdirektor Thomas Biermaier in einem Statement, dass das Reglement für 2022 sichere Boxenstopps in der DTM gewährleistet.

Abt: "2022 müssen sichere Stopps gewährleistet werden"

Biermeier meinte darin, dass das Abt-Team für "schnelle, aber auch sichere Boxenstopps" bekannt sei und man "in 21 Jahren DTM nur zweimal Unfälle mit Verletzungen gehabt" habe. "Natürlich sollte es am besten gar keine Unfälle geben, aber Boxenstopps bergen immer ein gewisses Risiko."

Performance-Boxenstopps, wie sie in der DTM trotz des Wechsels auf GT3-Boliden weiterhin durchgeführt werden, seien "Teil der DTM-DNA und sollten es unserer Meinung nach auch bleiben", spricht sich Biermaier klar gegen eine Mindeststoppzeit wie im ADAC GT Masters aus.

"Aber wir dürfen nie aufhören, die Sicherheit zu verbessern", fordert er. "Deshalb muss sichergestellt werden, dass für 2022 ein Boxenstopp-Reglement entwickelt wird, das schnelle und vor allem sichere Boxenstopps gewährleistet."

DTM-Manager Elsner: Performance-Stopps nicht schuld

Laut einem Abt-Sprecher handelt es sich bei der Aussage Biermaiers übrigens um keine Anspielung auf die Debatte um die unterschiedlichen Boxenstopp-Choreographien, obwohl sich das Abt-Team in dieser Angelegenheit wegen des Radmuttern-bedingten Nachteils der Audi-Boliden gegenüber dem Mercedes-AMG und dem Ferrari ungerecht behandelt fühlt.

Aber hat die DTM nach dem Wechsel auf die GT3-Autos bei den Stopps ein Sicherheitsproblem? DTM-Manager Frederic Elsner kündigt an, dass man den Zwischenfall genau analysieren werde, sieht aber die Performance-Boxenstopps in der DTM nicht als Ursache für den Zwischenfall.

"Wir bedauern natürlich sehr, was dem Mechaniker des Teams Abt Sportsline bei dem Pflichtboxenstopp widerfahren ist", so der Österreicher. "An dieser Stelle einen Zusammenhang zum Thema Performance-Boxenstopp herzustellen, ist unserer Meinung nach nicht richtig."

Man werde sich die "Bilder natürlich genau anschauen und analysieren", wünsche "dem Mechaniker jedoch zunächst, und das ist das Wichtigste, nur das Beste".

Sich drehende Räder bei Stopps seit Zolder verboten

Tatsächlich war es zu Saisonbeginn nicht konkret geregelt gewesen, ob durchdrehende Räder bei den Stopps erlaubt sind oder nicht, wenn das Auto noch aufgebockt ist. Doch nach dem ersten Saisonwochenende in Monza gab es zwischen den Teams und der ITR nach einigen Vorfällen intensive Diskussionen über ein Verbot.

Dieses Verbot wurde am Freitagmorgen vor dem dritten Saison-Wochenende in Zolder durch eine Klarstellung des Rennleiters zu Artikel 30 des Sportlichen Reglements auch umgesetzt. Darin heißt es: "Nach dem Wechsel aller vier Räder darf sich ein Rad frühestens drehen, wenn alle am Reifenwechsel-Ablauf beteiligten Mechaniker ein klares, sichtbares Signal an den Car Controller (Lollipop-Mann; Anm. d. Red.) gegeben haben, dass ihre Arbeit beendet ist."

So stellt man sicher, dass sich die Räder erst drehen, wenn der Reifenwechsel beendet ist. Da der Mechaniker danach sofort die Luftlanze löst, ist das in der Regel erst der Fall, nachdem das Auto von den Stempeln fällt und auf dem Asphalt aufkommt.

Sicherheit bei Stopps Ursache für viele Strafen in Hockenheim

Da Rockenfeller am Sonntag nach seinem Stopp in der 21. Runde schon aufs Gas stieg und die Kupplung kommen ließ, als das Auto noch aufgebockt war, wurde ihm eine 30-Sekunden-Strafe aufgebrummt, was dem Zeitverlust einer Boxendurchfahrt entspricht.

Marco Wittmann

Auch Titelkandidat Wittmann verlor den letzten Punkt wegen einer Stoppstrafe

Foto: DTM

Und auch die zahlreichen Strafen beim Sonntagsrennen in Hockenheim waren ein Resultat davon, dass von der Rennleitung gegen Verstöße bei den Boxenstopps aus Sicherheitsgründen konsequent vorgegangen wird.

So erhielten Walkenhorst-BMW-Pilot Marco Wittmann, Rowe-BMW-Pilot Timo Glock und GetSpeed-Mercedes-Pilot Arjun Maini jeweils Fünf-Sekunden-Zeitstrafen, weil die Mechaniker die Räder nicht mit beiden Händen, sondern nur mit einer Hand weggetragen hatten. Diese Regel wurde erst zu Saisonbeginn in Monza eingeführt, um auszuschließen, dass lose Räder in der Boxengasse für Zwischenfälle sorgen.

Verstöße bei Stopps werden konsequent geahndet

Zudem wurde genau festgelegt, in welchem Bereich sich die Mechaniker beim Stopp bewegen dürfen, damit diese nicht durch herannahende Fahrzeuge gefährdet werden. Das kostete Sheldon van der Linde einen Podestplatz auf dem Lausitzring, als der Lollipop-Mann die erlaubte Zone verließ.

Und es gibt die Regel, dass sich die Crew sich erst kurz vor Eintreffen des Fahrzeugs für den Stopp bereitmachen darf und den Boxenstopp-Platz danach rasch wieder räumen muss.

Das wurde dem Winward-Team in Zolder zum Verhängnis, als die Crew Lucas Auers Stopp um eine Runde verschob, aber trotzdem stehenblieb, weil man Teamkollege Philip Ellis wegen einer Beschädigung an der Box erwartete. Die zehn Strafsekunden kosteten den Österreicher Platz zwei.

Mit Bildmaterial von ABT Sportsline.

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