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"Riesenunterschied": DTM-Maßnahme soll Norisring-Boxenunfälle verhindern

Nach den gefährlichen Szenen von Zandvoort setzt die DTM auf mehr Platz in der Boxengasse: Welchen Nachteil das hat und wie die Kritiker der DTM-Regel reagieren

"Riesenunterschied": DTM-Maßnahme soll Norisring-Boxenunfälle verhindern

Der Norisring verfügt neben Zandvoort über die engste Boxengasse der DTM

Foto: ADAC Motorsport

Die DTM reagiert vor dem Highlight auf dem Norisring (alle Infos zu TV-Zeiten, Stream etc.) am kommenden Wochenende nun doch auf die Boxenunfälle von Zandvoort und die Warnungen mancher Teams, man komme "an einen Punkt, wo einer stirbt": Auf dem Norisring, der neben Zandvoort die engste Boxengasse des DTM-Kalenders aufweist, wird das Boxenzelt verlängert und die sogenannten "Galgen" - also die Boxenstopp-Stationen - weiter auseinandergezogen.

Dadurch beträgt der Abstand zwischen den Boxenstopp-Stationen nicht mehr zehn, sondern 13 Meter. Abgesehen davon gilt in der Boxengasse auf dem Norisring seit dem Vorjahr ohnehin Tempo 40 km/h, während in der DTM sonst ein Speedlimit von 50 km/h in der Boxengasse üblich ist.

"Es ist ein Riesenunterschied, ob du zehn Meter oder 13 Meter Platz hast - das hilft immens", sieht Steve Buschmann, der beim Mercedes-AMG-Team Winward als Teammanager agiert, die Regelung als großen Schritt in die richtige Richtung. "Die Gefährdung für die Jungs da draußen ist dadurch deutlich geringer."

Neue Maßnahme soll auch 2027 in Zandvoort kommen

Das gelte auch für den Fall eines Unsafe Release, obwohl die umstrittene DTM-Regelung nicht angepasst wird: Demnach hat das Fahrzeug auf der 'Fast Lane' keinen Vorrang, wenn das Auto aus der 'Working Lane' beim Herausfahren in vollem Umfang davor liegt. (SPONSORED LINK: Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2026 sichern!)

"Vom nächsten bis zum übernächsten 'Galgen' gewinnst du immer drei Meter dazu. Dadurch wird auch die Wahrscheinlichkeit für das Parallelfahren deutlich geringer", sieht Buschmann einen weiteren positiven Aspekt. Auch in Zandvoort sollen die Maßnahmen - 40 statt 50 km/h in der Boxengasse und mehr Abstand zwischen den "Galgen" - 2027 eingeführt werden, um die Situation dort zu entschärfen.

Grasser: "Mit normaler Regelung könnten wir uns das sparen"

Teamchef Gottfried Grasser, der nach dem Zandvoort-Wochenende und den Strafen gegen Mirko Bortolotti deutliche Kritik an der Unsafe-Release-Regelung in der DTM äußerte, sieht die Entzerrung ebenfalls positiv. "Je weiter die 'Galgen' auseinanderliegen, desto sicherer wird es - vor allem mit der aktuellen Regelung", sagt der Österreicher.

"Hätten wir jedoch wie in jeder anderen Rennserie eine normale Regelung, dass die Fast Lane Vorrang hat, könnten wir uns das Auseinanderschieben auch sparen", sieht der Boss des Lamborghini-Traditionsteams die Unsafe-Release-Regelung weiterhin kritisch.

Boxenstopps finden teilweise etwas versetzt statt

Zumal die Änderung auf dem Norisring auch negative Konsequenzen hat: Teams am Anfang und am Ende der Boxengasse - wie zum Beispiel die Winward-Truppe, die durch die Boxenplatz-Verlosung die zweite Box belegt - werden ihre Stopps wegen des größeren Abstands nun nicht mehr direkt vor der eigenen Box durchführen, sondern fünf Meter versetzt.

Das konnte auch dadurch nicht verhindert werden, dass die Verantwortlichen die Abstände zwischen den Teams vergrößert haben, indem Boxen dazwischen teilweise für die Organisation genutzt werden. Da der Reifenwechsel auf dem Norisring aber bereits vorbereitet werden darf, sobald das Fahrzeug den ersten Sektor verlassen hat, sollte sich der Nachteil in Grenzen halten.

Kommen in Nürnberg nicht alle gleichzeitig an die Box?

HRT-Teamchef Ulrich Fritz ist der Meinung, dass die Situation in Zandvoort im Vergleich zu Nürnberg verschärft war, weil aufgrund des hohen Reifenabbaus nahezu alle Teams in der Regel gleichzeitig stoppen. "Am Norisring gibt es den Vorteil, dass das Boxenstopp-Fenster proportional auf mehrere Runde verteilt ist", spielt er auf den geringen Reifenabbau und den Fokus auf die Position auf der Strecke auf dem engen Stadtkurs an.

"Alles, was an Sicherheit noch dazukommt, ist zu begrüßen und das müssen wir unbedingt machen, egal was es ist", unterstützt er die Norisring-Maßnahmen. Dass die Unsafe-Release-Regelung bleibt, müsse man akzeptieren. "Einmal wirst du mit der Regel verlieren und das andere Mal gewinnen. Wichtig ist, dass jeder Bescheid weiß, wie es interpretiert wird, und damit umgehen kann", sagt der HRT-Teamchef.

Auch Winward-Mercedes-Pilot Maro Engel sieht die Maßnahmen positiv - und der Drittplatzierte in der Gesamtwertung steht hinter der Entscheidung, dass die Unsafe-Release-Regelung in der DTM bleibt. "Die Regel besteht schon seit vielen Jahren und geht auf die Class-1-Ära zurück", sagt er. "Man kann immer über Ideen und Möglichkeiten sprechen, aber ich glaube, dass wir in der DTM im Großen und Ganzen eine gute Regel haben."

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