Scheider kritisiert Mercedes: "Ein No-Go, das wollen wir nicht sehen!"

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Scheider kritisiert Mercedes:
Julia Spacek
Autor: Julia Spacek
02.06.2018, 15:41

Timo Scheider kritisiert die vermeintliche Teamorder bei Mercedes und Lucas Auers "Dienst nach Vorschrift" - Warum lässt Auer den späteren Sieger di Resta vorbei?

Das Überholmanöver von Paul di Resta und Lucas Auer in der 22. Rennrunde am Hungaroring sorgt für mächtig Diskussionsstoff. Allem Anschein nach ging der Österreicher zweimal auf die Bremse, um di Resta vorbei zu lassen und ihm so zu seinem Sieg im Samstagsrennen zu verhelfen. "Man sieht zweimal die Bremslichter bei Lucas Auer, wie er Paul vorbeilässt. Scheiße! Sorry, dass ich das sage, aber es ist so", schimpft Timo Scheider bei 'Sat.1'. Das zweimalige Aufleuchten der Bremslichter scheint Auers Signal an di Resta gewesen zu sein, ihn zu überholen. "Er hat das ganz klar signalisiert und ihn innen vorbeifahren lassen. Das ist ein No-Go, das wollen wir nicht sehen!"

"Wir wollen hier Rennfahrer sehen, die Rennen fahren und der Beste soll am Ende gewinnen", poltert der zweimalige DTM-Champion weiter. "Das ist das, worüber wir alle uns immer aufgeregt haben. Die Fans da draußen, die sind nicht blöd!"

Scheiders Vorwürfe, dass im Hause Mercedes eine Stallorder angewendet worden sein könnte, sind berechtigt. Beim Blick auf die Rundenzeiten zeigt sich, dass Auer in jener 22. Runde eine Zeit von 1:41.442 Minuten gefahren ist und damit mehr als 2,63 Sekunden langsamer war als in seiner schnellsten Runde. Auer zeigte sich im Gespräch mit 'Motorsport.com' total überrascht über diese Tatsache. "Das kann ich mir nicht erklären", sagt der Österreicher.

Bei Mercedes will man von Teamorder nichts wissen

Timo Scheider weiß, wie man einen Platztausch eleganter und nicht so offensichtlich hätte lösen können. "Wenn du mal einen Boxenstopp versemmelst, dann versemmelst du ihn halt", sagt er. Das in der DTM herrschende Funkverbot lässt er nicht gelten, dass die Teams keine Möglichkeit haben, ihre Fahrer in bestimmten Situationen zu "steuern". "Ich habe das Jahre lang gemacht und ich weiß, selbst wenn da kein offizieller Funkspruch während des Fahrens kommt, man weiß vor dem Rennen, was zu tun ist in der Situation xy", erklärt der ehemalige DTM-Fahrer.

Für Mercedes-DTM-Teamchef Ulrich Fritz ist die Diskussion über eine mögliche Teamorder absurd: "Wir können mit den Fahrern bekanntermaßen wegen des Funkverbots nicht kommunizieren. Die (Piloten; Anm. d. Red.) regeln das untereinander. Es gab definitiv keine Teamorder. Mit einem Blick auf die Tabelle (in der Auer vor dem Rennen drei Punkte vor di Resta lag; Anm. d. Red.) lag, hätte sich eine solche Spekulation schon erledigt."

Warum Auer den späteren Sieger di Resta augenscheinlich vorbeigelassen hat, weiß wohl nur der junge Mercedes-Pilot selbst. Wäre er vor dem Schotten geblieben, hätte er seinen ersten Saisonsieg in der DTM feiern können und den Vorsrung vor di Resta in der Fahrerwertung sogar ausbauen können.

Bei der Konkurrenz sieht man den vermeintlichen Platztausch im Mercedes-Lager nicht gerne. "Wir tun gut daran, nicht schon beim fünften von 20 Rennen auf die Meisterschaft zu schauen", sagt BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt.

Scheiders Kritik an Mercedes und auch an Lucas Auer geht noch weiter. "Ich habe ein Interview mit ihm gesehen und er versucht, politisch korrekt zu antworten. Er wusste nicht so richtig, was er sagen soll. Er hat irgendwas gesagt, damit er okay ist, politisch korrekt. Das war nicht so toll", bemängelt er.

"Ich kenne das als Rennfahrer natürlich auch. Dessen Brot ich esse, dessen Lied ich sing. Es ist klar, dass du deine eigene Marke vertrittst und deinen eigenen Job versuchst zu sichern. Und dabei Dienst nach Vorschrift machst. Aber das wollen wir nicht sehen."

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Artikel-Info

Rennserie DTM
Event Budapest
Fahrer Timo Scheider, Paul di Resta, Lucas Auer
Teams Mercedes
Urheber Julia Spacek
Artikelsorte Reaktion