"Super, dass man so ein Auto baut": DTM-Chef macht Audi-Fans Hoffnung
Der Audi Nuvolari sorgt für neue Hoffnung: ADAC-Motorsportchef Thomas Voss erklärt, warum ein GT3-Comeback aus Ingolstadt wieder möglich erscheint
Der neue Audi Nuvolari in Goodwood mit Tom Kristensen am Steuer
Foto: Audi AG
Dürfen sich die Fans nach der Vorstellung des radikalen Supersportwagen Nuvolari Hoffnungen machen, dass Audi bald wieder ein GT3-Auto präsentiert und die große Tradition der Vergangenheit weiterführt? "Das wäre toll", sieht auch Motorsportchef Thomas Voss vom DTM-Betreiber ADAC die Entwicklungen in Ingolstadt positiv. Das hat auch mit Audis neuem Technikvorstand zu tun.
"Ich persönlich setze starke Hoffnung in Rouven Mohr, der - wie uns allen bekannt ist - ein starker Verfechter von GT3 und der DTM ist, viele Jahre mitgemischt hat und jetzt als Audi-Entwicklungschef und -Vorstand hoffentlich Gehör dafür findet, dass Kundensport - und GT3- und GT4-Sport - als Businessmodell für einen Hersteller taugt und man auch im Jahr 2026 noch anfangen kann."
Das "beste Beispiel" dafür sei Toyota, denn die Japaner wollen 2027 den neuen Toyota GR GT3 an die Teams ausliefern. "Daher habe ich schon mal aufgrund der handelnden Personen Hoffnung, dass - bei allen Problemen, die heutzutage sonst noch bei den Automobilherstellern zu lösen sind - vielleicht auch bei Audi wieder anders über den Motorsport nachgedacht wird", ist Voss zuversichtlich.
"So wie das Auto jetzt ist, würde es nicht als GT3 passen"
Audis neuer Technikvorstand Mohr war lange bei Lamborghini in ähnlicher Rolle tätig - und gilt auch wegen seiner Tuning-Vergangenheit als "Dr. Crazy" als "Car Guy" und "Petrol Head". Er leitete bei der italienischen Audi-Tochter nebenbei interimistisch den Motorsportbereich - und war auch für die Entwicklung des Temerario GT3 zuständig, der über den gleichen Verbrennungsmotor verfügt wie der Nuvolari.
Und auch Audis langjähriger Kundensportchef Chris Reinke war - wie man hört - an der Entwicklung von Audis neuem Supersportwagen beteiligt. Der Nuvolari wird dieses Wochenende beim legendären Festival of Speed in Goodwood von Audis Rennlegende Tom Kristensen pilotiert.

Der radikale Nuvolari könnte als Basis für ein neues GT3-Auto von Audi dienen
Foto: Audi AG
Er hat zwar als Straßenversion 1.001 PS Leistung, die über den 800-PS-Verbrennungsmotor und vier Elektromotoren generiert wird, das Fahrzeug könnte aber wie der Temerario als Basis für ein GT3-Auto dienen. "So wie das Auto jetzt ist, würde es nicht als GT3 passen", weiß Voss.
"Wir merken aber, dass viele dieser Autos in der Serie Hybride sind. Selbst der Ferrari 296 für die Straße hat einen Elektromotor. Der neue Toyota/Lexus, der da kommt, wird als Straßenauto auch eher ein Hybrid sein." Das gleiche gelte für den Lamborghini Temerario.
Voss: Andere Marken beweisen, dass man zweigleisig fahren kann
"Ich finde es gut, dass man sich bei Audi überhaupt mit dem Thema beschäftigt", sagt Voss. Denn auch andere Marken zeigen, dass man neben Werksprogrammen wie der Formel 1 oder den Prototypen auch ein GT3-Programm umsetzen kann.
"Mercedes zeigt, dass es geht, Formel 1 zu fahren und Kundensport zu machen, Porsche zeigt es mit dem LMDh, BMW zeigt es mit dem LMDh. Und selbst Ferrari zeigt, obwohl sie kein großes Unternehmen sind, dass du nicht nur Formel 1 machen kannst, sondern auch genügend Motorsport drumherum. Es wäre einfach toll, wenn sich Audi auch wieder dazu durchringt", sagt Voss.
"Sie hatten eine Zeitlang kein passendes Fahrzeug", verweist er darauf, dass Audi 2023 beschlossen hat, den legendären Sportwagen R8 - und damit auch das Kundensport-Programm - auslaufen zu lassen.
"Finde es super, dass man sich traut, so ein Auto zu bauen"
"Ich find es super, dass man so ein Auto vorstellt. Und dass man es sich in der jetzigen Zeit traut, so ein Auto zu bauen, auf die Räder zu stellen und zu verkaufen - wenn auch nur in limitierter Auflage. Ich würde mir wünschen, dass Audi wieder einsteigt. Und über die Möglichkeiten, die der Kundensport bietet, wieder nachdenkt und Stephane einlädt."
Damit spielt Voss auf die Anwesenheit von GT3-Gründer Stephane Ratel bei der Präsentation des Audi Nuvolari in Antibes in Südfrankreich im Vorfeld des Grand Prix von Monaco an, dessen SRO Motorsport Group die GT-World-Challenge Europe mit den 24 Stunden von Spa austrägt und in der DTM für die Balance of Performance zuständig ist.
Das Wort Kundensport trifft für Voss allerdings aktuell nur noch bedingt zu, "denn man muss sich langsam darüber Gedanken machen, ob das noch Kundensportautos sind", verweist er auf die modernen GT3-Autos, die teilweise an die Ende 2023 eingestellten GTE-Werksautos erinnern.
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