Timo Scheider liebäugelt mit DTM-Start im AMG: Bei Test "mega-gut geschlagen"

Ex-DTM-Champion Timo Scheider testete in Portimao mit dem 10Q-Mercedes erstmals seit 2019 wieder ein GT3-Auto: Was er plant und wie er dabei beeindruckte

Timo Scheider liebäugelt mit DTM-Start im AMG: Bei Test "mega-gut geschlagen"
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Kehrt der zweimalige Champion Timo Scheider 2022 in die DTM zurück? Nachdem der Ex-Opel, -Audi- und -BMW-Werksfahrer schon im Vorjahr mit einem Comeback liebäugelte, hat er nun mit 10Q Racing ein potenzielles Team dafür gefunden. Und Scheider testete bereits vergangenes Wochenende den Mercedes-AMG GT3 in Portimao und saß damit zum ersten Mal seit dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2019 in einem GT3-Auto.

"Das könnte ein neuer Anfang werden, nochmal zurück in den GT-Sport", sagt der 43-Jährige in einem Video, das er auf 'Instagram' veröffentlicht hat. "Ich bin gerade die ersten Runden gefahren und ich muss sagen, der Mercedes fährt sich unfassbar gut."

In welchen Serien er an den Start gehen möchte? "Es gibt viele Optionen für 2022", sagt Scheider. "DTM ist natürlich ein heißes Thema, aber ich bin sensibel genug, um zu wissen, was es bedeutet, in die DTM zu gehen", ist er sich der Herausforderung bewusst, gegen GT3-Topfahrer und -Topteams ohne Teampartner anzutreten.

Scheider hat neben DTM auch GT-Klassiker im Visier

Das deutet eher darauf hin, dass es Scheider zunächst bei einem oder mehreren Gaststarts belassen könnte. Wenn diese gut laufen, dann wäre auch eine kompletten Saison für den DTM-Champion der Jahre 2008 und 2009, der bis zum Aus im Jahr 2916 insgesamt 181 Starts absolvierte, eine Überlegung wert.

Zudem nennt er die 24-Stunden-Klassiker auf dem Nürburgring und in Spa sowie den GT-Weltcup in Macau als reizvolle Aufgaben. "Das sind alles Dinge, die mir natürlich eine Menge Spaß machen würden, weil das Auto dort perfekt hinpasst", sagt Scheider, der 2018 mit Schnitzer eine komplette Saison im ADAC GT Masters bestritt. "Ich bin gespannt, was sich jetzt in den nächsten Wochen ergibt." Das Team gäbe ihm jedenfalls die Möglichkeit.

 

Doch wie schlug sich Scheider, der in den vergangenen Jahren in der Rallycross-WM startete, bei seinem GT3-Comeback im Zuge des von Gedlich Racing veranstalteten GT Winter Series an der Algarve in Portugal, an der Großteils Amateurpiloten teilnehmen?

So schlug sich Scheider im Vergleich zu DTM-Pilot Juncadella

"10Q Racing hat mir ein super Auto hingestellt und das Comeback recht einfach gemacht", so Scheider, der anfangs noch skeptisch war, "ob dieses lange, schwere Auto zumindest optisch gut um die Ecke geht. Und es ist tatsächlich unglaublich. Das Auto funktioniert, gibt ein Feedback, das ich so nicht erwartet hätte."

Im Qualifying fuhr Scheider mit 1:42,072 auf Anhieb die Bestzeit und ließ den nächsten Rivalen - den Olimp-Audi von Marcin Jedlinski und Karol Basz - um eine halbe Sekunde hinter sich. Am Rennen nahm er dann aber nicht teil, weil man mit der Balance-of-Performance-Einstufung nicht ganz glücklich war.

Der Fokus lag aber an den zwei Tagen ohnehin darauf, sich in den Testsessions auf den GT3-Boliden einzuschießen. Dafür engagierte das 10Q-Team extra DTM-Pilot Daniel Juncadella, der im gleichen Auto Referenzzeiten fuhr, ehe danach Scheider übernahm.

"Timo wollte wissen, wie weit er weg ist"

"Timo wollten wissen, wie der Mercedes liegt und wie weit er von einem guten Fahrer weg ist", erklärt Ex-HTP-Teammanager Günter Aberer, der in Portimao beim 10Q-Team die Technikverantwortung trug und den Einsatz mit seiner eigenen Crew stemmte, im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Er hat sich mega-gut geschlagen, auch wenn ich über Zeiten nicht sprechen will."

Wie 'Motorsport-Total.com' aber aus einer anderen Quelle erfahren hat, gelang es Scheider, innerhalb von einer halben Sekunde zu Juncadella zu bleiben. Das ist durchaus beachtlich, zumal das Auto für ihn komplett neu war und auch die Berg-und-Talbahn mit ihren nicht einsehbaren Kurven kein einfacher Kurs ist.

10Q Racing plant weitere Tests mit Scheider

Zudem hinterließ Scheider auch mit seiner Arbeitsweise einen sehr guten Eindruck: "Das Arbeiten mit ihm war total angenehm und sehr unkompliziert", sagt Aberer. Das gleiche gelte aber auch für Juncadella: "Er hat nicht mal einen eigenen Sitz verlangt, sondern fuhr einfach mit Timos Sitz. Er hat Tipps gegeben und war sich für nichts zu schade."

Die zwei Fahrzeuge, die das Team abwechselnd einsetzte, um bei Set-up-Änderungen keine Zeit zu verlieren, waren mit der S9M-Mischung von Michelin und Goodyear-Reifen ausgestattet, weil das Team in Erwägung zieht, auf der Nürburgring-Nordschleife mit der US-amerikanischen Reifenmarke anzutreten. Zudem nutzte man zwei 34,5 Millimeter große Restriktoren, wie sie in den SRO-Serien üblich sind.

Wie es nun weitergeht? "Timo wollte zunächst mal reinschnuppern, aber es ist schon der Plan, dass wir längerfristig zusammenarbeiten", erklärt Aberer, der 10Q-Teamchef Thomas Zabel neuerdings mit seiner Truppe unterstützt. Bislang hatte HWA die Einsätze des 2018 gegründeten Teams auf der Nürburgring-Nordschleife umgesetzt. "Wir werden auf jeden Fall im Januar, Februar wieder mit Timo testen."

Mit Bildmaterial von 10Q Racing.

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