Titelträume geplatzt, Gounon verletzt: Warum verlor Nicki Thiim die Kontrolle?
Der heftige Crash zwischen Nicki Thiim und Jules Gounon wirft Fragen auf, da davor an der Stelle andere Piloten abflogen: Der "Mamba"-Pilot musste ins Krankenhaus
Jules Gounon trägt eine Schiene: Wie schlimm hat es die Hand erwischt?
Foto: Alexander Trienitz
Die Titelträume von Nicki Thiim zerschellten beim Sonntagsrennen der DTM auf dem Sachsenring im Winward-Mercedes von Jules Gounon, der nach dem zweiten Stopp gerade auf die Strecke zurückkehrte. Und zwar auf dramatische Weise, denn die "Mamba" wurde vom Aston Martin mit großer Wucht am rechten Vorderrad getroffen, wodurch sich der Franzose an der linken Hand verletzte.
"Ich weiß nicht, was passiert ist", sagt Gounon. "Ich fuhr und wurde plötzlich getroffen. Es kam aus dem Nichts. Leider war es ein Schlag auf die Lenkung." Der Franzose meldete sofort per Funk, dass er Schmerzen an der Hand hat - und kühlte die Hand gleich nach dem Unfall mit Eis.
"Ich denke nicht, dass die Hand gebrochen ist, aber ich muss zum Röntgen", sagt Gounon, der im Medical-Center einen Verband und eine Schiene verpasst bekam, damit die Hand ruhiggestellt wird. Die Schmerzen seien "okay", meint er nach dem Rennen. "Deswegen hoffe ich, dass es okay ist."
"Go hard or go home": Thiim schloss Crash vor Rennen nicht aus
Thiim war rasch bei Gounon - und erkundigte sich, wie es ihm geht. "Die Gesundheit geht immer vor", sagt der Däne. "Natürlich hat er was am Handgelenk, wenn du so einen unerwarteten Schlag bekommst. Aber er kann die Hand bewegen."
Kurios ist, dass der Comtoyou-Aston-Martin-Pilot vor dem Rennen angekündigt hatte, volles Risiko zu gehen. "Ich habe vor dem Rennen gesagt: Entweder kommt die Kiste auf einem Bagger zurück, oder wir holen richtig gute Punkte", erzählt der Sohn von DTM-Legende Kurt Thiim, der "Go hard or go home" sogar am Helm stehen hat.
Aber wie erlebte Thiim den Unfall? "Luca ist komplett rausgeflogen, Vermeulen fuhr auch geradeaus - und ich komme da hin", verweist der Aston-Martin-Pilot darauf, dass unmittelbar vor ihm auch Abt-Lamborghini-Pilot Luca Engstler ins Kies rutschte und Emil-Frey-Ferrari-Pilot Thierry Vermeulen die Kurve gerade noch kriegte.
Thiim überzeugt: "Irgendwas war zu diesem Zeitpunkt auf der Strecke"
"Ich sehe Jules rauskommen, bremse - und plötzlich verliere ich komplett die Haftung und rutsche in Jules rein", schildert Thiim den Crash. "Wrong time, wrong place! Überhaupt keine böse Absicht." Und er stellt klar: "Ich hätte die Kurve nicht bekommen, wenn er nicht dagewesen wäre. Irgendwas war da zu diesem Zeitpunkt auf der Strecke."
Er habe auch im Auto gemerkt, "dass die Verzögerung plötzlich einfach nachlässt. Das ist immer ein Zeichen, dass da irgendwas war".
Er habe auch nicht zu spät gebremst, meint Thiim. Und fühlt sich durch Engstlers Abflug bestätigt: "Um dorthin zu kommen, wo zum Beispiel Luca war, müsste er ein komplettes Bremsversagen haben."
"Auto hat nicht verzögert": Engstler glaubt an Öl in der Bremszone
Das deckt sich mit den Aussagen des Abt-Lamborghini-Piloten: "Mein Gefühl war, dass da Öl war auf der Bremszone - oder vielleicht habe ich auch die weiße Linie berührt. Irgendwas muss gewesen sein. Es war schon sehr komisch. Ich habe auf die Bremse gedrückt und bin sofort im ABS gewesen. Das Auto hat überhaupt nicht verzögert. Dann ging's nur geradeaus."
Dabei hat Engstler laut eigenen Angaben einen "ähnlichen Bremspunkt" wie in den Runden davor gewählt. Und eine Runde später sei an der Stelle auch wieder "alles in Ordnung" gewesen.
Auch Vermeulen stauchelt: "Viel Zeug auf der Strecke"
Der 26-Jährige vermutet, dass es eine Rolle gespielt haben könnte, dass die Strecke noch leicht feucht war. "Wenn sich Öl und Wasser mischt, dann geht's noch mal schneller als wenn es ganz trocken ist."

Spuren hinter der Fahrertür: Mit diesem Teil des Autos schlug Thiim in Gounon ein
Foto: Sven Haidinger/smg
Und auch Vermeulen, der die Kurve unmittelbar davor gerade noch kriegte und den Thiim knapp verfehlte, hatte Probleme. "Ich sah Gounon aus der Box kommen, also wusste ich, dass ich spät bremsen muss, um ihn abzudecken", erzählt der Niederländer. "Und da war weniger Grip als erwartet. Ich weiß nicht, ob ich ein bisschen zu weit rauskam oder ob da irgendwas war."
Der Emil-Frey-Ferrari-Pilot ist froh, dass nicht er die "Mamba" getroffen hat. Der erste Sektor sei generell sehr "schmutzig" gewesen. "Da war viel Zeug auf der Strecke. Ich denke, ich habe das ein bisschen erwischt und bin beim Bremsen weiter rausgetragen worden."
Warum Thiim im Gegensatz zu Engel nicht bestraft wurde
Das war übrigens auch der Grund, warum die Sportkommissare Thiim für die Aktion im Gegensatz zu Maro Engel, der an derselben Stelle Kelvin van der Linde abschoss, nicht bestraften. Durch die anderen Zwischenfälle unmittelbar davor an genau der gleichen Stelle gingen sie laut ihrem Bericht davon aus, "dass der Streckenbelag im Hinblick auf den Grip beeinträchtigt war".
Thiim liegt jetzt auf Platz fünf der Gesamtwertung - 50 Punkte hinter DTM-Leader Thomas Preining, bei noch 56 zu holenden Punkten. "Mit theoretischen Chancen nach Hockenheim zu gehen ist für mich nicht drin", sagt Thiim, für den der Titelkampf im Grund gelaufen ist. "Da kann man auch ein bisschen relaxter fahren."
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.