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Nachruf

Trauer um Herbert Schnitzer: BMW-Teamlegende stirbt am 85. Geburtstag

Vom kleinen Autohaus in Freilassing bis zum Le-Mans-Sieg mit BMW: Das Lebenswerk von Herbert Schnitzer zählt zu den größten Erfolgsstorys im Motorsport

Trauer um Herbert Schnitzer: BMW-Teamlegende stirbt am 85. Geburtstag

Herbert Schnitzer gründete mit Bruder Josef das legendäre Schnitzer-Team

Foto: BMW

Große Trauer nach dem Tod von Herbert Schnitzer: Der letzte der vier Schnitzer-Brüder, der Eigentümer des legendären BMW-Rennstalls war, verstarb am Freitag an seinem 85. Geburtstag friedlich zuhause in Freilassing im Kreis seiner Familie. 

"Jetzt sind alle drei zusammen, Dieter und Charly, viel zu früh von uns gegangen", schreibt Ex-Rennfahrer Christian Menzel, der auf Instagram ein Foto von Herbert Schnitzer mit seinen zwei Halbbrüdern Charly und Dieter Lamm zeigt. "Schnitzer war für mich BMW, sie haben die Werte der Marke gelebt und allen Fans authentisch vermittelt. Eines der erfolgreichsten Motorsportteams ever und ein unerreichbarer Teamspirit, Vorbilder."

Der Name Schnitzer hat die BMW-Motorsport-Geschichte geprägt wie kein anderer. Über ein halbes Jahrhundert lang waren Schnitzer Motorsport und BMW gemeinsam auf den Rennstrecken der Welt unterwegs und feierten grandiose Erfolge in den verschiedensten Kategorien.

Herbert Schnitzer: Wie die Erfolgsstory begann

Alles begann in den 1950er-Jahren in Freilassing: Herbert Schnitzer lernt wie sein um zwei Jahre älterer Bruder Josef von Stiefvater Karl Lamm das KFZ-Handwerk. Im Jahr 1963 kaufen er und Josef Schnitzer einen unfallbeschädigten Fiat, den sie in Eigenregie instandsetzen und bei Rennen einsetzen.

Es ist die Geburtsstunde der Motorsport-Aktivitäten im Hause Schnitzer. Während Josef seine Rennkarriere vorantreibt, konzentriert sich Bruder Herbert auf den Verkauf: 1964 wird Schnitzer Vertrieb für Neu- und Gebrauchtwagen der Marke BMW. Er sorgt dafür, dass  das Team und das Autohaus perfekt laufen.

Zwei Jahre später wird Josef Schnitzer in einem von ihm getunten BMW 2000ti Deutscher Tourenwagenmeister und holt den ersten Titel nach Freilassing. Danach ist das Team nicht mehr zu stoppen, die Erfolgsgeschichte nimmt ihren Lauf.

Charly Lamm steigt ein, Drama um Bruder Josef

1971 stößt Charly Lamm - Halbbruder von Herbert Schnitzer - zum Team: Zunächst unterstützt der damals erst 16-Jährige das Team mit Hilfsdiensten, dann wird er Teammanager und oberster Entscheidungsträger. Auch Lamms Zwillingsbruder Dieter Lamm spielt eine wichtige Rolle: Er ist bis zu seinem Tod 2014 für die technischen Abläufe und die Logistik verantwortlich.

Schnitzer Classic

Die BMW-Boliden des Schnitzer-Teams werden von Schnitzer Classic eingesetzt

Foto: Schnitzer Classic

Man baut sogar Toyota-Motoren für Rallye-Einsätze und verhilft Jacques Laffite mit einem eigenen Schnitzer-Motor auf Basis eines BMW-Triebwerks 1975 zum Formel-2-Europameistertitel. 1978 erschüttert jedoch ein Drama die Familie: Herberts Bruder Josef verunglückt bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall bei der Anreise nach Zolder tödlich.

In den 1980er-Jahren wird Schnitzer drei Mal Tourenwagen-Europameister. Zu dieser Zeit beginnt auch die Serie von insgesamt neun Siegen im Tourenwagenrennen auf dem "Guia Circuit" in Macau.

Le-Mans-Gesamtsieg als absolutes Highlight

Zwischen 1989 und 2010 triumphiert Schnitzer fünf Mal beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und hat damit wesentlichen Anteil daran, dass BMW bis heute Rekordsieger bei diesem Langstreckenklassiker ist. Gleiches gilt für das 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps, das Schnitzer ab 1985 ebenfalls fünf Mal gewinnt.

Dazu kommen die Titel mit dem Italiener Roberto Ravaglia 1987 in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft und 1989 in der DTM sowie mit dem Deutschen Joachim Winkelhock 1995 und dem Venezolaner Johnny Cecotto 1998 in der Deutschen Supertourenwagen-Meisterschaft.

Zu den großen Höhepunkten der Partnerschaft zählt der Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans 1999 mit dem legendären BMW V12 LMR. Mit diesem von Williams designten Prototypen gewinnt Schnitzer im selben Jahr auch das 12-Stunden-Rennen von Sebring.

DTM-Titel, dann Abzug durch BMW

2001 sichert sich das Team den Titel in der GT-Wertung der American-Le-Mans-Series (ALMS). Von 2005 bis 2009 tritt Schnitzer als BMW-Werksteam in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft WTCC an und feiert sensationelle 25 Siege sowie insgesamt 57 Podiumsplatzierungen.

2012 kehr Schnitzer als Werksteam mit BMW in die DTM zurück. Gemeinsam feiert man ein triumphales Comeback-Jahr, mit dem Fahrertitel für Bruno Spengler, dem Teamtitel für Schnitzer und dem Herstellertitel für BMW. Bis 2016 ist Schnitzer in der DTM aktiv, mit der erfolgreichen Bilanz von 25 Siegen und 88 Podiumsplätzen, ehe man von BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt abgezogen wird.

Tod von Charly Lamm und Auflösung

Nach diesem Dämpfer setzt Schnitzer seine Aktivitäten im GT-Sport fort und tritt unter anderem in der International GT-Challenge (IGTC) an. Unvergessen ist der Sieg mit Augusto Farfus im November 2018 beim GT-Weltcup in Macau. Es ist Charly Lamms letztes Rennen als Teamchef, bevor er die Leitung des Teams an Herbert Schnitzer Junior übergibt. Wenige Wochen später stirbt Lamm überraschend.

Bruno Spengler, Charly Lamm

Erfolgsgaranten: Bruno Spengler, Charly Lamm und Herbert Schnitzer

Foto: BMW

2020 kehrt Schnitzer unter neuer Führung auf das Podium des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring zurück und holte mit dem BMW M6 GT3 den dritten Rang. Wenige Monate später dann die Hiobsbotschaft: Da sich BMW im Motorsport neu ausrichtet, wird die Partnerschaft mit Schnitzer nicht fortgeführt. Das Team wird trotz intensiver Bemühungen, einen Investor zu finden, aufgelöst, was weltweit bei Fans für Empörung sorgt. 

Dennoch lebt das legendäre Team nicht nur in der Erinnerung weiter, sondern auch im Classic-Bereich. Denn das Team Schnitzer Classic von Stefen und seinem Sohn Yannik Trautwein, die nach dem Team-Aus große Teile der Bestände erworben haben, setzt die alten Boliden weiterhin ein, was auch Herbert Schnitzer berührte.

"Du hast es geliebt, Geschichten und Schmankerl zu erzählen"

"Als du gemeinsam mit Herbert jun. das erste Mal bei uns in der Werkstatt warst und alle Fahrzeuge und Trophäen gesehen hast, sind Tränen geflossen. Auf beiden Seiten", schreibt das Team aus dem Schwarzwald auf Instagram.

"Du hast es geliebt, die Geschichten und Schmankerl aus deinem reichen Leben zu  erzählen - und wie gerne haben wir dir zugehört. Jede Anekdote, jede Erinnerung an die wilden Jahre war ein Geschenk." Noch im Vorjahr habe man einen "wunderschönen Abend" in Freilassing mit Schnitzers Stammtisch verbracht, den man nun für immer im Herzen tragen werde.

"Das große Bild von dir, Josef, Charly und Dieter hängt zentral in unserer Werkstatt - und es wird dort für immer sein", schreibt das Team, das die Motoren weiterhin zu Herbert Schnitzers Ehren aufheulen lassen möchte.

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