Verhindert Formfehler Farce bei DTM-Titelfinale? Wieso Lawson davonkam

Wie ein Formfehler eine DTM-Titelentscheidung am grünen Tisch verhindern könnte und wieso Liam Lawson für die Kollision mit Philip Ellis keine Strafe erhielt

Verhindert Formfehler Farce bei DTM-Titelfinale? Wieso Lawson davonkam

Wird die DTM-Titelentscheidung erst nachträglich am grünen Tisch fallen? Das ist nach dem abgewiesenen Protest und der angekündigten Berufung des Winward-Mercedes-Teams nach der Kollision zwischen dem in der Meisterschaft führenden Liam Lawson und Winward-Pilot Philip Ellis die große Frage im DTM-Fahrerlager.

Was dagegen spricht: Das Mercedes-AMG-Team Winward hat bei der Einreichung des Protest gegen die ausgebliebene Strafe bei Lawson laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' einen Formfehler begangen. Das ist der Grund, warum der Protest von den Rennkommissaren um 18:13 Uhr abgewiesen und als "unzulässig" bezeichnet wurde.

Daher geht man beim sportlichen Ausrichter AvD (Automobilclub für Deutschland) und bei den Sportkommissaren davon aus, dass auch die von Winward angekündigte Berufung ungültig wäre. Diese müsste sonst innerhalb der nächsten vier Tage schriftlich eingereicht werden.

Keine Lawson-Strafe: Darauf berufen sich Rennkommissare

Davor wurde die Frage heiß diskutiert, wie die Rennkommissare zur Entscheidung kamen, Lawson für seine Attacke gegen Ellis im Schöller-S nicht zu bestrafen. Auch diesbezüglich gibt es inzwischen Klarheit.

Sie beziehen sich dabei auf Artikel 13.5 des DMSB-Rundstreckenreglements. Darin heißt es: "Ein Fahrer, der seine Position auf einer Geraden und vor einer Bremszone verteidigt, darf die volle Streckenbreite während des ersten Spurwechsels benutzen, vorausgesetzt, dass kein 'erheblicher Teil' eines anderen Fahrzeuges, das zu überholen versucht, neben ihm ist."

Worum es sich bei einem "erheblichen Teil" handelt, wird genauer angegeben. "Als 'erheblicher Teil' wird angesehen, wenn sich die Front des überholenden Fahrzeuges neben dem Hinterrad des anderen Fahrzeuges befindet. Während einer Verteidigung der Position in diesem Fall darf der Fahrer seine Linie ohne gerechtfertigten Grund nicht verlassen."

Hätte Ellis mehr Platz lassen müssen?

Lawson hatte die Front seines Ferrari 488 GT3 Evo aber während des Überholversuchs nicht nur neben dem Hinterrad von Ellis' Mercedes-AMG GT3, sondern bereits auf Höhe des Vorderrades. Daher hätte Ellis nicht die volle Breite der Strecke nutzen dürfen, sondern für Lawson Platz lassen müssen.

Doch genau das ist nicht passiert, weshalb es im Linksknick zur Kollision kam. Lawson verwies nach dem Rennen auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com' auf diese zwei Aspekte. "Von mir aus wirkte es so, als ob ich hinein in Kurve 3 gleichauf mit ihm war", sah sich Lawson sogar auf gleicher Höhe.

Zudem war er der Meinung, Ellis hätte ihm Raum zum Überleben geben müssen. "Als ich nichts mehr gegen meine Entscheidung tun konnte, nach innen zu gehen, hätte ich meiner Meinung nach mehr Platz bekommen müssen", so Lawson.

DTM will am Sonntag Meister küren

DTM-Manager Frederic Elsner zweifelt nicht daran, dass der sportliche Ausrichter AvD in der Angelegenheit richtig agiert hat. "Wir als Promoter akzeptieren voll und ganz die Entscheidung der Sportorganisation, auf deren Kompetenz wir uns voll umfänglich verlassen", meint der Österreicher.

Daher will die DTM am Sonntag einen Meister küren - ganz egal, wie das Titelfinale ausgeht. Da unklar ist, was aus dem Protest des Winward-Teams wird und ob dieser überhaupt gültig ist, könnte man sich nur dann absolut sicher sein, wenn der Meister so viele Punkte Vorsprung hat, dass eine potenzielle Verhandlung vor einem DMSB-Berufungsgericht gegenstandslos wäre.

Profitieren könnten von einer nachträglichen Strafe Abt-Audi-Pilot Kelvin van der Linde und Ellis' Mercedes-AMG-Markenkollege und Samstag-Sieger Maximilian Götz, die vor dem letzten Saisonrennen am Sonntag 18 beziehungsweise 19 Punkte zurückliegen.

Würde Winward-Team von Strafe überhaupt profitieren?

Der AMG-DTM-Verantwortliche Thomas Jäger meinte, dass man sich mit dem Winward-Team "abgestimmt" habe, die Entscheidung zum Protest allerdings vom Team selbst getroffen worden sei, weil dieses noch gegen Abt um Platz zwei in der Teammeisterschaft kämpft.

Interessant ist diesbezüglich aber, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass das Winward-Team großartig von einer Strafe gegen Lawson profitieren würde. Denn dadurch würde auf jeden Fall Abt-Audi-Pilot van der Linde, der 3,635 Sekunden hinter Lawson auf Platz vier ins Ziel kam, um einen Platz aufrücken, was einen Unterschied von drei Punkten macht.

Wenn Lawsons auch hinter den auf Platz sechs ins Ziel gekommenen Winward-Mercedes-Piloten Lucas Auer zurückfällt, dem 6,550 Sekunden auf den Ferrari fehlten, dann würde das dem Team zwei Punkte bringen.

Da aber Ellis nach dem Crash satte 17,202 hinter Lawson auf Platz zehn ins Ziel kam, würde dieser mit Platz neun nur einen Punkt dazugewinnen. Aber dafür müsste der AF-Corse-Ferrari-Pilot nachträglich schon eine saftige Strafe erhalten, wovon man nicht ausgehen sollte.

Mit Bildmaterial von DTM.

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