"Verlieren mehr als 0,3 Sekunden": Oschersleben-BoP bereits in der Kritik
Fast alle DTM-Autos werden in Oschersleben gegenüber 2025 eingebremst: Wer sich benachteilgt fühlt und wie es um die Norisring-Sorgenkinder Porsche und BMW steht
Mercedes-AMG war im Vorjahr in Oschersleben stark - wiederholt sich das?
Foto: ADAC Motorsport
In Oschersleben (alle Infos zu TV-Zeiten, Stream etc.) beginnt dieses Wochenende die zweite Saisonhälfte der DTM-Saison 2026: Während sich Aston-Martin-Pilot Nicki Thiim und die beiden Mercedes-AMG-Werksfahrer Maro Engel und Lucas Auer an der Tabellenspitze in eine gute Ausgangslage gebracht haben, stehen die Herausforderer von Porsche, BMW und Ferrari unter Druck und müssen dringend aufholen.
Aber ist das mit der Balance of Performance (BoP) für Oschersleben überhaupt möglich? "Wir verlieren mehr als 0,3 Sekunden zum letzten Jahr - und wir waren nach der BoP-Anpassung 2025 nicht mehr bei den Schnellsten!", ärgert sich Emil-Frey-Technikchef Jürg Flach.
Sein Pilot Matteo Cairoli liegt in der Gesamtwertung mit 34 Punkten Rückstand als erster Verfolger des Spitzentrios auf Platz vier. Doch die Einstufung des Ferrari ist "nach unseren Analysen nicht angemessen", stellt der Emil-Frey-Technikchef fest.
So fällt der Ferrari-Vergleich mit Oschersleben 2025 aus
Tatsächlich ist der Ferrari, dessen Evoversion dieses Jahr eingeführt wurde, im Vergleich zu Oschersleben 2025 um fünf Kilogramm schwerer geworden. Der Ladedruck fällt - abgesehen vom sehr niedrigen Drehzahlbereich - über das gesamte Drehzahlband geringer aus, im oberen Bereich sogar um bis zu 0,07 bar. Das kostet Motorleistung.
Dazu kommt seit dem Lausitzring ein höherer Bodenabstand an beiden Achsen, der sich in den Kurven negativ auswirkt. Damit will man die hervorragende Aerodynamik des Fahrzeugs etwas beschneiden, das in anderen Serien Topspeed-lastiger eingesetzt wird als von Emil Frey in der DTM.
McLaren-Team Dörr warnt: Eine Sekunde langsamer als 2025?
Auffällig ist aber, dass auch andere Fahrzeuge im Vergleich zu Oschersleben 2025 zumindest der Papierform nach deutlich ungünstiger eingestuft sind: Der McLaren, dem Oschersleben wegen der hohen Randsteine und der engen Kurven nur bedingt liegt, bringt satte 35 Kilogramm mehr auf die Waage als im Vorjahr.
Zudem wurde der Ladedruck im Vergleich zu 2025 über das gesamte Drehzahlband reduziert - im mittleren Bereich um bis zu 0,07 bar.
"Wir haben durch eine neue Einstufung unseres Dörr-McLaren 720S GT3 Evo etwas an Leistung verloren. Im Vergleich zum Oschersleben-Rennen im Vorjahr waren unsere Rundenzeiten bei den Testfahrten rund eine Sekunde langsamer", warnt Dörrs GT3-Leiter Volker Strycek, der allerdings erst das Qualifying abwarten will.
Aston Martin von DTM-Leader Thiim ungünstiger eingestuft
Der Comtoyou-Aston-Martin von DTM-Leader Thiim bringt ebenfalls satte 30 Kilogramm mehr auf die Waage als 2025, als die Neulinge allerdings noch nicht aussortiert waren. Ein um 0,02 höherer - und damit ungünstigerer - Lambda-Wert sowie ein bis auf den niedrigen Drehzahlbereich überall geringerer Ladedruck sollte sich negativ auf die Motorleistung auswirken. Im hohen Bereich büßt man bis zu 0,05 bar ein.
Abgesehen davon sind die engen Kurven von Oschersleben auch dem Vantage nicht unbedingt auf den Leib geschneidert. Im Vergleich zur bislang letzten vergleichbaren Strecke - dem Lausitzring - wurde der Aston Martin um fünf Kilogramm schwerer und verfügt über etwas weniger Ladedruck. Thiim muss beim "Heimspiel" - keine Strecke liegt so nah an Dänemark - zumindest beim Samstagsrennen auch noch mit 20 Kilogramm Erfolgsballast klarkommen.
Mercedes-AMG auch dieses Jahr Mitfavorit
Weniger deutlich als bei der Konkurrenz sind die Einbußen beim Mercedes-AMG GT3, der 2025 durch Auer am Samstag sogar siegreich war: Das Gewicht ist identisch wie bei der finalen Oschersleben-BoP aus dem Vorjahr, als das Auto allerdings im Verlauf des Wochenendes immer schwerer wurde.

AMG-Strecke? Im Vorjahr standen Sieger Auer und Engel auf dem Podest
Foto: ADAC Motorsport
Dazu kommt ein um 0,5 Millimeter größerer Restriktor, womit man das 2026 eingeführte - und für die Motorleistung ungünstigere - Motorenmapping ausgleichen will. Eine geringfügig negative Auswirkung auf die Leistung hat dafür der um 0,02 höhere Lambda-Wert. "Die Motorsport-Arena Oschersleben liegt uns und vor allem dem Mercedes AMG GT3 als sehr gutem Allrounder", ist Auer zuversichtlich.
Porsche: Wenn es in Oschersleben nicht geht, wo dann?
Und wie geht es den Sorgenkindern Porsche und BMW? Der Porsche 911 GT3 R Evo hat im Vergleich zu Oschersleben 2025 und Lausitzring 2026 einen um zwei Millimeter größeren Restriktor bekommen, der nun 41,5 Millimeter Durchmesser hat. Die Tatsache, dass das Fahrzeug auf dem Norisring sogar mit einem 43er-Restriktor beim Topspeed hinterherhinkte, zeigt, dass die Evoversion deutlich mehr Abtrieb und damit auch Luftwiderstand generiert.
Dazu kommen fünf Kilogramm mehr Gewicht als vor einem Jahr, als Ayhancan Güven siegte - und einmal mehr unter Beweis stellte, dass Oschersleben eine Porsche-Strecke ist. Der Bolide sollte also unter normalen Umständen absolut konkurrenzfähig sein, zumal der Topspeed dort eine untergeordnete Rolle spielt.
BMW und die Angststrecke: Renntempo 2025 gibt Hoffnung
Der BMW, der beim Schubert-Heimspiel bisher nie über Platz vier hinauskam, aber im Vorjahr beim Sonntagsrennen dank Rene Rast Topzeiten fuhr, ist gleich schwer wie 2025. Durch den geänderten Turbolader ist kein Ladedruck-Vergleich möglich. Im Vergleich zum Lausitzring ist der Ladedruck auf der BMW-Angststrecke jedoch über das gesamte Drehzahlband etwas höher - im unteren Bereich um bis zu 0,05 bar.
Der Lamborghini Temerario GT3 wurde in Oschersleben genau gleich eingestuft wie zuletzt auf dem Norisring, obwohl diesmal fast alle Autos eine ungünstigere BoP erhielten. Das sollte sich positiv auswirken.
Und der Ford Mustang GT3 Evo, der ähnlich wie der BMW wegen des langen Radstands nicht für Streckencharakteristiken wie jene in Oschersleben geschaffen wurde, ist um 15 Kilogramm schwerer als 2025, hat aber etwas weniger Bodenabstand. Wunderdinge sollte man nach den Norisring-Podestplätzen trotzdem nicht erwarten.
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