"Verstehen den BMW jetzt": Wie sich Wittmann zum Titelkandidaten mauserte

Kein Pilot holt derzeit in der DTM so viele Punkte wie Marco Wittmann: Wie über das Qualifying der Knoten platzte und er im Titelkampf nicht zu unterschätzen ist

"Verstehen den BMW jetzt": Wie sich Wittmann zum Titelkandidaten mauserte

Walkenhorst BMW-Pilot Marco Wittmann beeindruckt die DTM: Der zweimalige Champion, der vor dem diesjährigen GT3-Wechsel der Traditionsserie kaum Erfahrung mit diesen Fahrzeugen hatte, holte an den vergangenen zwei Wochenenden 70 Punkte - und damit so viel wie kein anderer Pilot.

Und das mit dem BMW M6 GT3, der ausgerechnet in Zolder und auf dem Nürburgring als Schwachstelle galt. Doch wie ist das möglich? "Wir habe einen Weg gefunden, das Auto zu verstehen und wie wir die Wochenenden angehen", erklärt der Fürther. "In Zolder und auch hier hat sich das schon ganz gut ausgezahlt."

Auf dem Kurs in Belgien wurde Wittmann im ersten Rennen Fünfter, ehe er am Sonntag sensationell triumphierte. Und auf dem Nürburgring fuhr er nach Platz fünf am Samstag am Sonntag als Dritter einen weiteren Podestplatz ein.

"Erwartungen waren vor der Saison noch recht niedrig"

Zum Vergleich: Die Rowe-BMW-Piloten Sheldon van der Linde und Timo Glock kamen im gleichen Zeitraum nicht über zwei siebte Plätze hinaus. "Wir haben jetzt in jedem Rennen gepunktet", fällt Wittmann auf. "Damit bin ich sehr zufrieden."

Zumal der Walkenhorst-Pilot, der ja im Gegensatz zu seinen Rowe-Kollegen Einzelkämpfer ist und im Gegensatz zu den Mercedes-AMG-Piloten auch nicht auf das Set-up der Markenkollegen zugreifen kann, mit einer längeren Eingewöhnungszeit rechnete.

"Die Erwartungen waren vor der Saison noch recht niedrig", bestätigt er. "Für mich war es ja auch eine recht große Veränderung von den Class-1-Autos zu den GT3-Autos mit ABS, Traktionskontrolle und so weiter. Da habe ich eine Weile gebraucht. Außerdem mussten wir uns mit Walkenhorst als Team mit nur einem Auto auch etwas beweisen und erst einmal in den Rhythmus kommen."

Eklatante Steigerung im Qualifying ab Zolder

Der Schlüssel liegt laut Wittmann im Qualifying: Denn nach drei 14. und einem zehnten Startplatz an den ersten zwei Wochenenden fuhr Wittmann ab Zolder dreimal als Dritter und einmal aus der Poleposition los. "Wir haben in Zolder und auch hier ganz klar im Qualifying einen Schritt nach vorne gemacht", bestätigt der Fürther.

Marco Wittmann

Marco Wittmann stand auf dem Nürburgring erneut auf dem Podest

Foto: DTM

Davor habe man zwar "im Rennen aufgeholt" und sei "in die Punkte gekommen, aber wenn man von so weit hinten kommt, ist es nicht einfach", verweist er darauf, dass es mit den GT3-Autos schwieriger ist, zu überholen.

Boxenstopps als Walkenhorst-Stärke: "Hat mich überrascht"

Dazu kommt, dass seine Truppe inzwischen trotz der schwierigen Ausgangssituation mit dem BMW M6 GT3, die eine Übernahme der AF-Corse-Choreographie nicht ermöglicht, konstant schnelle Stopps um acht Sekunden absolviert. "Da haben wir einen Schritt nach vorne gemacht", weiß Wittmann, der sich davon selbst überrascht zeigt.

"Das Team hatten eigentlich keine Erfahrung mit diesen schnellen Boxenstopps, obwohl sie sehr viel Langstrecken-Erfahrung haben", geht er ins Detail. "Auf der Nordschleife, in der NLS, aber auch beim 24-Stunden-Rennen in Spa dauern die Stopps 40 Sekunden bis zwei Minuten. Da muss man sich nicht beeilen, während wir das in der DTM in sieben, acht Sekunden erledigen. Das ist schon was anderes, und das hat mich überrascht, dass sie da so tolle Arbeit machen."

Aber wie erklärt es sich Wittmann, dass man aktuell besser aussieht als das Rowe-Team? "Ich habe auch keine wirklich Idee", sagt er. "Sie hatten auch Pech, denn Timo hatte in Zolder diesen Defekt an der Antriebswelle. Man hat also nicht immer das volle Potenzial gesehen", verweist er auf Glocks Defekt im zweiten Zolder-Qualifying.

Titelkampf: Greift Wittmann in Spielberg richtig an?

Man darf nun gespannt sein, was beim kommenden DTM-Wochenende in Spielberg für Wittmann in zwei Wochen möglich ist. Denn im Gegensatz zu Zolder und zum Nürburgring mit ihren engen Kurven gilt der Red-Bull-Ring durch die Höhenlage, die dem Turbomotor entgegenkommt, und den Vollgaspassagen als die BMW-Strecke schlechthin im Kalender. Das haben auch die starken Ergebnisse im ADAC GT Masters gezeigt.

Wenn Wittmann dort erneut zuschlägt, dann könnte es sogar sein, dass er völlig unverhofft in der Meisterschaft noch ein Wörtchen mitredet. Denn völlig unbemerkt hat sich der Walkenhorst-Pilot im Klassement mit 35 Punkten Rückstand auf DTM-Leader Kelvin van der Linde auf Platz drei nach vorne geschoben. Und stellt klar: "Diesen dritten Titel strebe ich schon seit ein paar Jahren an."

Mit Bildmaterial von DTM.

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