Vier Marken beim DTM-Test: Berger sieht "noch Zeit bis zum ersten Rennen"

Wieso DTM-Boss Gerhard Berger noch auf weitere DTM-Hersteller hofft, weshalb aus Jenson Button und Jacques Villeneuve nichts wurde und worauf er stolz ist

Vier Marken beim DTM-Test: Berger sieht "noch Zeit bis zum ersten Rennen"

Die neue DTM hat sich beim Testauftakt in Hockenheim zum ersten Mal gezeigt - und mit starken Rundenzeiten überrascht. Dennoch fiel auf, dass die an den zwei Tagen eingesetzten 15 Fahrzeuge abgesehen von den zwei AF-Corse-Ferrari-Boliden von den drei deutschen Herstellern Mercedes, Audi und BMW stammen, die bereits von 2012 bis 2018 in der Traditionsserie am Start waren.

Doch DTM-Boss Gerhard Berger stellt klar, dass zu den 17 eingeschrieben Fahrzeugen hier geht's zur Übersicht noch Boliden dazustoßen könnten: "Die Pflicht haben wir erfüllt - und die Kür würden wir noch gerne draufsetzen. Jetzt schauen wir einmal, was sich in den nächsten Wochen ergibt. Es ist ja noch Zeit bis zum ersten Rennen."

Derzeit arbeite man noch "an dem einen oder anderen" und rede "mit Teams und Herstellern", erklärt der Österreicher, der in den vergangenen Monaten nichts unversucht ließ, um ein starkes Feld auf die Beine zu stellen und vor allem um einen Lamborghini im Feld gekämpft hatte.

Berger: Warum Jenson Buttons Team nicht antritt

Außerdem gibt er zu bedenken, dass durch den JP-Motorsport-Einsatz mit Christian Klien zumindest an drei von acht Rennwochenenden auch ein McLaren 720S GT3 am Start sein wird. "Dann sind es fünf Marken", sagt Berger. "Ich würde schon sagen, dass das gut ausschaut. Natürlich ist die eine oder andere Marke nicht dabei, die ich gerne gehabt hätte. Aber man kann nicht am ersten Tag alles erreichen."

Vor allem der Markenwechsel des 2-Seas-Teams, das eigentlich zwei McLaren-Boliden einsetzen wollte, und der Rückzug des 720S GT3 von Jenson Buttons Rennstall Jenson Team Rocket RJN war für die DTM unglücklich. Ausgerechnet der britische Hersteller hatte zu Beginn der Einschreibungsphase die meisten Boliden im Feld gestellt.

"Natürlich wäre es wunderschön, Jenson Button dabei zu haben, aber leider war es nicht möglich, das Budget hinzukriegen, damit er sich wohlfühlt, eine konkurrenzfähige Saison in der DTM durchzuführen", erklärt Berger den Grund. "Wir waren sehr spät dran. Und bei einigen Teams waren die Budgets schon vergeben."

Villeneuve in der DTM? Berger gibt die Hoffnung nicht auf

Dazu kommt, dass es für die Teams in der DTM schwieriger ist, das Budget für einen Boliden aufzubringen, da es keinen Fahrerwechsel gibt, während in anderen GT-Serien oft beide Piloten Geld mitbringen. "Unsere Serie stellt Anforderungen an das Budget. Daher kann man nicht erwarten, dass sich jeden Tag drei Möglichkeiten auftun", ist Berger realistisch.

Auch der Versuch, Ex-Formel-1-Pilot Jacques Villeneuve in die DTM zu holen, scheiterte am Ende. "Ich war mit Jacques im Gespräch", gibt der Tiroler zu. "Jacques würde wahnsinnig gerne DTM fahren. Und ich würde ihn auch gerne auf der Plattform haben, das wäre super. Aber wir haben noch nicht den richtigen Platz für Jacques gefunden. Ich würde nicht ausschließen, dass wir irgendwann für ihn die richtige Lösung am Tisch haben und würde mich sehr freuen, wenn er zu uns stoßen würde."

"Haben stärkste Fahrerbesetzung in einer GT-Meisterschaft"

Trotzdem zeigt sich der 61-Jährige mit dem aktuellen Feld hochzufrieden. "Wenn ich mir die Fahrerliste anschaue, dann kann man schon sagen, dass das die stärkste Fahrerbesetzung ist, die es in einer GT-Meisterschaft gibt", kommt Berger ins Schwärmen. "Und zwar weit über die Grenzen hinaus. Die Mischung der Nationalitäten ist wirklich stark", verweist er darauf, dass Piloten aus zwölf Ländern das aktuelle Starterfeld ausmachen.

Zum Vergleich: In der Saison 2020 waren es acht Nationen. Neben Sophia Flörsch, die als einzige Frau am Start ist, nennt Berger die Ex-Formel-1-Piloten Alex Albon, Timo Glock und Klien, die ehemaligen DTM-Meister Gary Paffett, Marco Wittmann und Mike Rockenfeller, Vizemeister Nico Müller, Sheldon und Kelvin van der Linde und Red Bulls Formel-1-Hoffnung Liam Lawson.

Zudem steht für Berger außer Zweifel: "Wir haben die besten Teams." Und auch mit dem ersten Vorgeschmack der von der AVL erstellten Balance of Performance zeigt sich der Ex-Formel-1-Pilot zufrieden: "Im ersten Aufschlag hat das schon einmal ganz gut ausgeschaut."

Berger: Monza-Auftakt vor Zuschauern "schwierig"

Einziger großer Wermutstropfen ist weiterhin die hartnäckige Coronavirus-Pandemie. Beim Saisonfinale 2020 im vergangenen November hätte er laut eigenen Angaben "nie geglaubt, dass wir zu dieser Zeit an erster Stelle wieder die Pandemie diskutieren", gibt Berger zu. "Da dachte ich, dass das Anfang des Jahres - vielleicht bis April - hinter uns sein müsste. Aber wir stecken noch immer mittendrin und kämpfen mit diesen Umständen."

Im Nachhinein ist Berger froh, dass man den Saisonauftakt im Gegensatz zu anderen Rennserien erst für Mitte Juni geplant hatte. "Wir wollten sichergehen, dass wir wieder mit Zuschauern zu den Rennen gehen können", erklärt er.

"Wahrscheinlich ist das aber leider mit einem Fragezeichen zu versehen. Vor allem beim ersten Rennen in Monza wird es glaube ich schwierig sein, Zuschauer an die Strecke zu bringen." Das trifft die DTM besonders hart, da das Geschäftsmodell der Rennserie zu einem nicht unwesentlichen Teil auf Einkünften aus den Ticketerlösen basiert. Der Auftakt soll aber laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' aus aktueller Sicht wie geplant stattfinden.

Mit Bildmaterial von DTM.

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