"Was passiert mit diesen Autos?": Wie es zu Müllers Class-1-Comeback kam
Wie das Audi-Programm Racing Legends und ein Kranunternehmen Nico Müller zurück in den Class-1-Audi brachten - und wie genial die Boliden 2020 wirklich waren
Nico Müller und seine "Lucy": Nach fünfeinhalb Jahren Pause wiedervereint
Foto: Audi AG
DTM-Vizemeister Nico Müller hat dieses Wochenende beim Class-1-Revival in Hockenheim sein Comeback im legendären Audi RS 5 DTM gegeben, in dem er 2020 gemeinsam mit Abt gegen Rene Rast um den DTM-Titel kämpfte. Aber wie kam es eigentlich dazu, dass der 34-jährige Porsche-Werksfahrer bei einem privaten Einsatz nach fast sechs Jahren wieder im Audi-Prototypen aus der Hersteller-Ära saß?
"Schon als ich kurz vor dem Abschied bei Audi stand, stand im Raum: Was passiert mit diesen Autos?", erinnert sich Müller im Gespräch mit Motorsport-Total.com an das Jahr 2022. "Die letzten richtigen DTM-Autos vor der GT3-Ära, ohne despektierlich klingen zu wollen, haben einen hohen Stellenwert, waren wirklich eindrücklich zu fahren - und auch von außen zu betrachten."
Als es dann bei Audi Ambitionen gab, die Boliden wieder fahrbereit zu machen und in private Hände zu übergeben, "hat ein langjähriger Partner von mir gemeint: 'Komm, das müssen wir uns anschauen. Können wir da nicht vielleicht ein Paket schnüren'?", erinnert sich Müller.
Kranunternehmen aus Mainz kaufte Müllers Class-1-Audi
Dabei handelt es sich um das Kranunternehmen Riga Mainz aus Rheinland-Pfalz, das Müller schon in dessen aktiver DTM-Zeit als Helmsponsor unterstützt hat - und auch im Besitz eines Audi R8 LMS GT3 ist, den das Abt-Team für Lucas di Grassis Gaststart beim DTM-Saisonfinale in Hockenheim im Jahr 2021 nutzte.
"Das hat sich dann zwar in die Länge gezogen und ein paar Jahre gedauert, aber am Ende zum Glück geklappt", freut sich Müller, der nun mit dem Audi mit der Chassisnummer 11, den er in der DTM in den Jahren 2019 und 2020 nutze, wieder vereint ist.

Nico Müllers legendärer Audi beim DTM-Revival in Hockenheim
Foto: Cedric Streit
Der Bolide ist eines von vielen DTM- und LMP1-Fahrzeugen aus der glorreichen Audi-Prototypen-Ära, die bei Audi Sport Racing Legends für den Verkauf an Sammler vorbereitet wurden. Der Hersteller behält sich die Meisterautos, gibt aber weitere Fahrzeuge aus den Beständen in private Kundenhand.
Müller über RS 5 DTM: "Performance, die du nirgendwo findest"
Das gab auch dem Werkstattausrüster Twin Busch die Möglichkeit, das im eigenen Design gebrandete Class-1-Auto von Mike Rockenfeller aus dem Jahr 2020 zu kaufen und nun privat zu betreiben. Und auch ein dritter DTM-Audi hat - wie man hört - bereits den Besitzer gewechselt.
Für Müller ist es eine große Ehre, den Class-1-Audi nach einer so langen Pause wieder zu bewegen. "Es ist ein absolut geniales Auto zum Fahren, auch für einen Tourenwagen, wenn man das noch so nennen will. Er hat eine Performance, die du sonst nirgendwo findest. Und das Verhältnis von aerodynamischem Abtrieb und Leistung ist so gut wie perfekt", verweist er auf die 2019 eingeführten Vierzylinder-Turbomotoren, die über 610 PS Leistung bieten.
"Auch die Balance und das Gewicht passen. Die Steifigkeit, die extrem hoch ist für so ein Auto - und das Cockpit, also wie du in diesem Ding drinsitzt", kommt Müller ins Schwärmen. "Technisch sehr hochstehend - und trotzdem noch ein bisschen ,mit Oldschool-Charakter. Keine einzigen Fahrhilfen, wirklich pures Fahren und eine wirklich tolle Performance."
Müller schwelgt in Abt-Erinnerungen: "Haben uns blind verstanden"
Und nicht nur das: Müller hat auch eine emotionale Bindung zu seinem Abt-Audi, denn mit insgesamt neun Siegen und zwei zweiten Plätzen in der Gesamtwertung erlebte er mit "Lucy", wie das Auto getauft wurde, seine beste Zeit in der DTM - und machte sich als großer Herausforderer von Rene Rast einen Namen.
"Die ersten zwei Saisondrittel haben wir wirklich absolut dominiert - und hatten viele schöne Momente auf der Strecke", blickt er zurück.
"Aber nicht nur das Auto, sondern auch die Crew war damals bei Abt etwas ganz Besonderes. Wir waren echt ein eingefleischtes Team - jeder hat den anderen blind verstanden, hat für das Projekt gebrannt und für den anderen die Hand ins Feuer gelegt. Das hat sich auf die Performance ausgewirkt - und so etwas findest du nicht so schnell wieder."
Müller noch heute mit damaligen Abt-Architekten erfolgreich
Dennoch ist Müller auch heute bei Porsche mit einem der Architekten des damaligen Erfolgs verbunden, denn Florian Modlinger, der damals bei Abt Technikchef war, ist heute Formel-E-Leiter bei Porsche. " Er hat damals jeden Stein umgedreht und alles hinterfragt - auch strategisch - und hatte einen großen Anteil am damaligen Erfolg", erinnert sich Müller.
"Ich glaube, wir wissen beide, was wir aneinander haben. Jetzt sind wir bereits sechs, sieben Jahre miteinander erfolgreich und haben am Wochenende bei der Formel E wieder gemeinsam gewonnen", blickt er auf den Porsche-Triumph in Berlin zurück. "Hoffentlich können wir noch zwei, drei Kapitel hinzufügen."
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