"Wenn sich nichts dramatisch ändert": Wieso DTM-Erfolgsballast nun doch bleibt

Wieso man die DTM-Erfolgsgewichte nun doch nur in absoluten Ausnahmefällen ändern möchte und was die Piloten von der aktuellen Lösung halten

"Wenn sich nichts dramatisch ändert": Wieso DTM-Erfolgsballast nun doch bleibt

Wird der Erfolgsballast in der DTM nun doch beibehalten? DTM-Boss Gerhard Berger meinte nach dem Auftaktwochenende in Monza, dass die Zusatzgewichte für die Top 3 im Rennen wegen der gelungenen Balance of Performance zu viel Einfluss haben und man eine Änderung plane. Dennoch blieb am Lausitzring alles beim alten.

Nun stellt sich Michael Resl, Technikchef der DTM-Dachorganisation ITR, aber klar hinter die Erfolgsgewichte. "Wenn sich nicht irgendetwas dramatisch ändert, werden wir das so beibehalten", bestätigt der Österreicher im Gespräch mit 'Motorsport.com Deutschland'.

Bei der ITR ist man bei der Nachbetrachtung der ersten zwei Wochenenden zum Schluss gekommen, dass die Regelung, die Top 3 des vorangegangenen Laufes im Rennen mit 25, 18 und 15 Kilogramm Zusatzgewicht zu belasten, seine Wirkung nicht verfehlt hat und für Abwechslung sorgt.

DTM-Reglement erlaubt Änderungen: "Nicht ausgeschlossen"

Tatsächlich gab es bei den bisherigen vier Rennen vier verschiedene Sieger. Und mit Kelvin van der Linde und Philip Ellis haben es am Lausitzring die beiden Piloten mit dem jeweils größten Erfolgsballast, vierte Plätze zu erringen.

Die Erfolgsgewichte seien vom aktuellen Reglement "vorgeschrieben - mit dem Zusatz, dass wir die Freiheit haben, es abzuändern", erklärt Resl. Vom im Reglement in Artikel 40.13 festgeschriebenen Recht des Promoters, "die Prämissen des Erfolgsgewichtes während der Saison anzupassen und zu einem späteren Zeitpunkt die jeweiligen Gewichte festzulegen", wolle man aber nur Gebrauch machen, wenn es notwendig ist.

"Am Lausitzring haben wir die richtige Annahme getroffen, dass wir nichts ändern müssen", erklärt Resl. "Das haben wir im Vorfeld simuliert." Änderungen wolle er "bis Ende der Saison trotzdem nicht ausschließen, weil es immer streckenspezifisch ist. Wir schauen uns immer die Sensitivität in punkto Gewicht und das Gesamtgewicht der Fahrzeuge an. Und wenn keine Alarmglocke aufleuchtet, würden wir nichts ändern wollen."

Unter welchen Umständen eine Alarmglocke aufleuchten würde? "Wir würden das entsprechend abändern, wenn das Gewicht streckenabhängig derartig unglücklich ist, dass 25 Kilogramm für den ersten entweder zu viel oder zu wenig sind", geht Resl ins Detail.

Leidtragender Lawson: "Das System funktioniert"

Doch wie sehen die Piloten die Regelung, dass die Top 3 beim jeweils folgenden Rennen mit einem Handicap fahren müssen? "Es ist nie schön, wenn man wie ich in Monza mit 25 zusätzlichen Kilos im Auto fahren muss", sagt AF-Corse-Ferrari-Pilot Liam Lawson, der beim Sonntagsrennen in Italien unter dem Gewicht litt und nach einem Dreher nur 13. wurde. "Aber das ist gut, denn dadurch haben unterschiedliche Fahrzeuge und Teams die Möglichkeit, um Rennsiege zu kämpfen. Das System funktioniert aus meiner Sicht."

Und auch Abt-Audi-Pilot Kelvin van der Linde, der beim Samstagsrennen in der Lausitz trotz des Gewichts Vierter wurde, würde eine Entschärfung oder gar Abschaffung der Gewichte nicht begrüßen.

DTM-Leader van der Linde: "Änderung wäre unfair"

"Ob es zu viel ist oder nicht, ist schwer einzuschätzen", sagt der Südafrikaner. "Mein Wunsch ist aber, es jetzt einfach durchzuziehen. Liam und ich sind schon mit dem Erfolgsgewicht gefahren. Und wir hatten dadurch einen riesigen Nachteil. Es wäre unfair, wenn das am kommenden Wochenende geändert wird."

Van der Linde ist der Meinung, dass die Erfolgsgewichte im ADAC GT Masters weniger Einfluss haben. "Wenn du dich vorne qualifiziert hast, konntest du trotzdem auf das Podest fahren. Da spielt aber glaube ich auch das Thema Silber-Fahrer eine Rolle." Damit spielt er darauf an, dass reine Profi-Paarungen der FIA-Kategorien Gold und Platin ohnehin 20 Kilogramm zuladen müssen, während mit einem Fahrer der Kategorie Silber bessergestellt sind.

"Da kann man mit 30 Kilogramm viel besser klarkommen", spielt van der Linde darauf an, dass der Sieger im Vorjahr 30 Kilogramm einladen musste seit 2021 sind es 20 Kilogramm. "Hier ist es hingegen so, dass wir grundsätzlich im Qualifying schon sehr nahe beisammen liegen. Wenn du dann noch 25 Kilogramm zusätzlich einlädst, dann spürt man das auf jeden Fall über die Distanz."

Streckenspezifische Erfolgsgewichte? "Noch zu wenig Daten"

Am Lausitzring habe sich das zusätzliche Gewicht vor allem in der Steilkurve Kurve 1 ausgewirkt. "Da habe ich Minimum zwei Zehntel auf 'Rocky' verloren", verweist der DTM-Leader auf seinen Teamkollegen Mike Rockenfeller. Zudem sei es mit dem zusätzlichen Gewicht "sehr schwierig" gewesen, im Rennen "mit den Reifen über die Distanz zu kommen".

Was er von der Idee hält, dass der Erfolgsballast je nach Strecke unterschiedlich ausfällt? "Das wäre vielleicht eine Lösung für nächstes Jahr", sagt der 25-Jährige. "Ich glaube aber, dass wir im Moment noch zu wenig Daten haben, wie sensitiv jede Strecke ist. Aktuell wäre es ein Ratespiel, wenn wir jetzt damit anfangen. Aber wenn wir nächstes Jahr mehr Daten haben, dann kann man es besser einschätzen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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