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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Lamborghini

Was für ein Fiasko bei der Premiere des neuen Lamborghini Temerario: Warum ein Rückzug des Autos der richtige Weg gewesen wäre und die Lage für die DTM heikel ist

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Lamborghini

Verzweifelter Kampf am Ende des Feldes: Hätte der Temerario nie starten dürfen?

Foto: ADAC Motorsport

Liebe Leserinnen und Leser,

wer nach dem DTM-Auftakt in Spielberg am schlechtesten geschlafen hat, war diesmal klar. Oder auch nicht. Denn wer bei Lamborghini gerade die Verantwortung trägt, weiß niemand so genau. Und das ist nach dem katastrophalen Debüt des brandneuen Lamborghini Temerario GT3 wohl einer der Hauptgründe für das Chaos bei der italienischen Audi-Tochter.

Ein Auto, das offenbar so schlecht ist, dass es im Fahrerlager bereits den Spitznamen "Lamaghini Dromedario" trägt. Während Lamborghini im Vorjahr mit dem alten Huracan GT3 bis zum Finale im DTM-Titelrennen lag, fuhren die Teams Grasser und Abt bei der Premiere des neuen Autos in einer Art "Markenpokal" am Ende des Feldes ihr eigenes Rennen.

Selbst Topfahrer Mirko Bortolotti, der am Sonntag als bester Lamborghini-Pilot auf Platz 16 ins Ziel kam, hatte nach 37 Runden 36,082 Sekunden Rückstand - das ist eine Sekunde pro Runde, die er trotz der Balance of Performance (BoP) verliert, die die Autos künstlich auf ein Niveau bringen soll! Und sogar Comtoyou-Aston-Martin-Pilot Nicolas Baert - ein mittelmäßiger GT3-Pilot - war um 0,6 Sekunden pro Runde schneller. "Der Rückstand ist gigantisch", sagt Bortolotti.

Wäre es in Oschersleben noch schlimmer gekommen?

Doch es hätte noch schlimmer kommen können: Wie man hört, ist Spielberg mit seinen langen Geraden sogar eine Strecke, die die eklatanten Schwächen des Temerario eher kaschiert. Zudem halfen die hohen Asphalttemperaturen von fast 40 Grad und der neue DTM-Reifen, der etwas schneller auf Temperatur kommt.

Hätte die Saison wie in den vergangenen Jahren auf dem winkeligen Kurs in Oschersleben mit seinen 14 Kurven begonnen, wäre die Premiere wohl noch peinlicher verlaufen. Denn das Auto hat enorme Probleme beim Bremsen und wehrt sich in der Kurve, weil es über das Fahrwerk einfach zu wenig mechanischen Grip generiert.

Systeme wie ABS und Traktionskontrolle sind nicht ausgereift, das Auto wurde nach Verzögerungen in der Entwicklung spät und ohne funktionierendes Basis-Set-up an die Teams ausgeliefert.

Warum Lamborghini den Temerario GT3 zurückziehen sollte

Das Schlimme ist, dass nun ein Schrecken ohne Ende droht: Eine Lösung der Probleme während der Saison ist kaum möglich, da es in den Serien, in denen das Auto am Start ist, massive Testrestriktionen gibt. Das Auto ist von der FIA homologiert, wodurch die Entwicklung eingefroren ist.

Lamborghini wäre gut beraten, den Temerario nachträglich zurückzuziehen und zumindest 2026 noch einmal den Huracan einzusetzen, um das Auto im Hintergrund auf Vordermann zu bringen. Das wäre zwar ein kurzfristiger Gesichtsverlust, man hätte jedoch den störrischen Stier zumindest vorzeitig vom Eis geholt, anstatt zum Dauergespött zu werden.

Denn Lamborghini-Kenner, die mit der Materie vertraut sind, sagen ganz klar, dass in Anbetracht der nötigen Änderungen nur eine Evo-Version das Projekt retten könnte. Eine kurzfristige Einführung ist aber nicht möglich, da ein Update durch die FIA-Vorgaben erst nach zwei Jahren - also 2028 - durchführbar ist, solange es nicht um sicherheitsrelevante Themen geht.

Eine Rettung über die BoP ist nicht möglich, da sich die DTM-Einstufung des Autos bereits am unteren Gewichtslimit bewegt und auch der Bodenabstand beinahe maximal reduziert wurde. Mehr Ladedruck wäre zwar technisch möglich, aber mehr Topspeed hätte wieder zur Folge, dass die Piloten noch früher bremsen müssen und auch kaum Zeit gewinnen. Das zeigt auch die BoP-Änderung von Samstag auf Sonntag, die eher Signalwirkung hatte: Wir tun was für euch!

Warum ist seit November nichts passiert?

Abgesehen davon hat man den Eindruck, dass die Verantwortlichen bei Lamborghini selbst nicht wissen, was zu tun ist. "Sie haben die Leute und die Kompetenz dafür gar nicht", sagt ein Lamborghini-Insider.

Was auch erklärt, dass selbst nach den ersten Alarmsignalen vor einem halben Jahr offenbar nichts passiert ist. "Das Auto ist bei weitem noch nicht da, wo ich es gerne hätte, aber das war uns im November auch klar", sagte mir Bortolotti am Samstag. Alle Werksfahrer haben den Temerario GT3 erstmals Mitte Oktober 2025 in Le Castellet getestet und danach - wie man hört - Alarm geschlagen.

Mirko Bortolotti

Lamborghini-Werksfahrer Mirko Bortolotti droht eine weitere Frustsaison in der DTM

Foto: ADAC Motorsport

Auch bei den DTM-Tests in Vallelunga im März, bei denen die gleichen Probleme erneut offensichtlich wurden, hätte Lamborghini die Notbremse ziehen können, hat es aber nicht getan.

Droht durch Lamborghini-Probleme ein Flächenbrand?

Aber wie ist all das erklärbar? Die kleine Lamborghini-Motorsportabteilung in Sant'Agata Bolognese wurde während der Entwicklung des Temerario von zahlreichen Wechseln und Abgängen erschüttert, nachdem der allmächtige Motorsportchef Giorgio Sanna vor zwei Jahren nach einer internen Untersuchung gehen musste.

Und auch Technikvorstand Rouven Mohr, der versucht hatte, die Motorsportabteilung durch das unruhige Fahrwasser zu steuern, ist nach seinem Aufstieg zum Audi-Technikvorstand auf anderen Ebenen gefordert. Dadurch hat niemand den Hut auf - und der neue Motorsportchef Andrea Reggiani, der erst seit Anfang April im Amt ist und auch in Spielberg bei der DTM war, muss sich erst ein Bild der schwierigen Lage machen.

Es steht mehr auf dem Spiel als das Image von Lamborghini - und die Tatsache, dass die Italiener ihr GT3-Auto eigentlich an Gentleman-Piloten und Kundenteams verkaufen wollen. Es geht auch um die Zukunft der DTM-Teams Grasser und Abt, die von Sponsoren abhängig sind, die Erfolge sehen wollen.

Und um die ganze DTM: Denn Lamborghini stellt neben Mercedes-AMG als einziger Hersteller zwei Teams und vier Autos. Verliert man die, besteht das Feld nur noch aus 17 Boliden. Das wäre für eine Top-GT3-Serie wie die DTM zu wenig.

Sven Haidinger

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