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Kolumne

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Luca Stolz

Ein Mercedes-Topfahrer als Hinterbänkler - und das beim DTM-Meisterteam des Jahres 2021? Wieso bei HRT-Titelkandidat Luca Stolz in Oschersleben alles schieflief

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Luca Stolz

Liebe Leserinnen und Leser,

als Luca Stolz seinen Mercedes-AMG am Sonntag in der 26. Runde beim Saisonauftakt in Oschersleben an der Box abstellte, lag er in Führung. Es war das einzige Mal an diesem Wochenende. Und darauf zurückzuführen, dass er seinen Pflichtstopp als einziger noch nicht absolviert hatte. Denn bis dahin hatte der Mercedes-AMG-Topfahrer, der eigentlich mit dem Haupt-Racing-Team auf den Titel losgehen wollte, das Feld nur von hinten gesehen.

Und das ausgerechnet an jenem Wochenende, an dem sein Ex-Team Toksport WRT, mit dem er 2020 und 2021 im ADAC GT Masters um den Titel kämpfte, nach dem Porsche-Markenwechsel und dem Einstieg in die DTM einen glorreichen Doppelerfolg feierte.

Der sonst so verlässliche Stolz aber wurde am Samstag 25. von 27 Piloten im Qualifying - mit über einer Sekunde Rückstand, während die Top 16 innerhalb von einer halben Sekunde lagen. Und am Sonntag reichte es trotz der für Mercedes-AMG verbesserten Balance of Performance auch nur für Startplatz 23. "Von jetzt an kann es nur besser werden", lautet seine ernüchternde Bilanz.

Wie kann ein Topfahrer plötzlich zum Hinterbänkler werden?

Aber wie gibt's das, dass ein Topfahrer wie der 27-jährige Westerwälder plötzlich zu den DTM-Hinterbänklern zählt? Zumal er mit dem von Ex-Mercedes-DTM-Chef Ulrich Fritz geführten HRT-Team für Maximilian Götz' Meistertruppe aus dem Jahr 2021 an den Start geht?

Dazu müssen wir etwas ausholen: Denn in der DTM gelten seit dieser Saison durch die Pirelli-Reifen, auf die der ADAC setzt, neue Vorzeichen. Beinahe die kompletten Testvorbereitungen standen im Zeichen der italienischen Pneus - und vor allem, wie man diese ohne die verbotenen Heizdecken möglichst rasch auf Temperatur bringt. Das ist deutlich schwieriger als mit den Michelins - und ab sofort nicht nur im Qualifying der Schlüssel, sondern auch im Rennen nach dem Boxenstopp.

HRT verzichtete als eines von drei Teams auf Privattest

Die HRT-Truppe, die dieses Jahr neben der DTM mit dem Großeinsatz beim 24-Stunden-Klassiker auf der Nürburgring-Nordschleife, beiden GT-World-Challenge-Europe-Serien, der GT2-European-Series und dem ADAC GT Masters ein Mammutprogramm stemmt, hat weniger als andere Teams für die DTM getestet. Und das, obwohl man kaum Erfahrung damit hat, die Pirelli-Reifen ohne Heizdecken auf Temperatur zu bringen.

Zudem entschied sich das Team von Ex-DTM-Pilot Hubert Haupt gegen einen privaten Test in Oschersleben vor dem Saisonauftakt - als einziges Team neben der Audi-Truppe Attempto, die ebenfalls chancenlos war, und dem Ferrari-Team Emil Frey Racing, das es auch mit Hilfe der Daten aus dem ADAC GT Masters am Samstag aufs Podest schaffte. Stattdessen wollte sich Ulrich Fritz auf den neu eingeführten Donnerstag-Test verlassen.

Dabei stellt gerade Oschersleben die Teams vor besondere Herausforderungen, wie Thomas Jäger, DTM-Sportdirektor von Mercedes-AMG, erklärt: "Die Curbs hier, die Schikane und so weiter - das ist in Sachen Set-up schwierig. Wenn du in den letzten Jahren hier als Team nicht gefahren bist, dann fehlt dir was, auch wenn unser Auto eigentlich ein großes Arbeitsfenster hat."

Der Stolz-Crash am Donnerstag und seine Folgen

Und dann kam auch noch Murphy's Law ins Spiel: Anything that can go wrong will go wrong! Beim vierstündigen Donnerstag-Test, bei dem perfekte Bedingungen herrschten, fuhr Stolz gerade mal elf Runden oder eine halbe Stunde, ehe er im zweiten Teil der ersten Schikane den "Sausage-Curb" traf. Ein folgenschwerer Fahrfehler.

Das Auto wurde in die Höhe katapultiert - beim Aufprall wurde die komplette Unterseite des Frontmotors zerstört. Der Testtag war für Stolz beendet - und das Team hatte nur noch das Fahrzeug von Arjun Maini im Einsatz.

 

Die Folge war eine Nachtschicht für die Mechaniker bis 4 Uhr früh, bei der neben dem Motor auch zahlreiche Anbauteile getauscht werden mussten, um am Freitag in den Freien Trainings die Set-up-Arbeit nachholen zu können. Doch Stolz, der seine Crew mit Vitamintabletten unterstützte, war in den 24 Runden langsamster Mercedes-AMG-Pilot. Und das nicht ohne Grund.

Riss im Chassis sorgt für Nacht-und-Nebel-Aktion

Denn das Team fand am Freitag-Abend bei der Untersuchung des Fahrzeugs heraus, dass das Chassis durch den Donnerstag-Crash einen Riss erhalten hatte. Schnell wurde alles getan, um von HWA aus dem 500 Kilometer entfernten Affalterbach zwei Mercedes-AMG-GT3-Boliden nach Oschersleben zu bringen.

Als die Autos um drei Uhr nachts im Fahrerlager eintrafen, machte sich die ohnehin schon gezeichnete Crew an die Arbeit, um das Auto vom 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife, mit dem HRT am vergangenen Wochenende Platz drei erreichte, auf die DTM-Spezifikationen umzubauen. Dazu benötigt man ein komplett anderes Fahrwerk, eine andere Abgasanlage und andere Flügel - bei der Beklebung musste man zum Glück nur Details ändern.

Teamkollegen crashen, Reifenvorteil verpufft

Erst kurz vor dem Qualifying wurde man fertig, Stolz kam jedoch erneut nicht auf Touren. Im ersten Rennen dann das nächste Unglück: Durch eine Kettenreaktion in der Anfangsphase musste der auf Platz 24 liegende Teamkollege Maini bremsen, wodurch ihm Stolz ins Heck donnerte. Beide Autos waren deutlich beschädigt, Stolz schied in der fünften Runde wegen eines Reifenschadens aus.

Erneut mussten beide Autos repariert werden, aber auch am Sonntag gab es kein Glück für die gescholtene Truppe: Stolz wollte als einer von wenigen Piloten im Qualifying mit zwei Reifensätzen angreifen. Er musste den ersten Versuch aber wegen der langwierigen Aufwärmphase abbrechen, um noch genug Zeit für den zweiten Satz zu haben. Der Vorteil verpuffte - und es blieb wieder nur die Statistenrolle.

Umstellungen beim Team von Hubert Haupt

Liegt es auch an Stolz selbst, oder mehr am Team, dass das Wochenende völlig daneben ging? Kritiker meinen, die am Nürburgring ansässige Truppe tanzt zur Zeit auf zu vielen Hochzeiten. Zudem hat man mit dem impulsiven Renningenieur Renaud Dufour, der Götz zum Titel dirigierte und im Winter zu Landgraf wechselte, einen wichtigen Mann verloren. Auch wenn mit Dennis Nägele, der schon in der Hersteller-DTM bei HWA arbeitete und nun Stolz betreut, ein erfahrener Mann geholt wurde.

Und auch der langjährige Chefmechaniker Christopher Krebs - ein Motorsport-Urgestein - ist nicht mehr dabei. Dazu kommt, dass auch der sehr zuverlässige und schnelle Stolz zuletzt eine wahre Ochsentour hinter sich hat: Vor einer Woche war der ruhige Mercedes-AMG-Werksfahrer beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring für HRT im Einsatz, dann folgte vor dem DTM-Auftakt auch noch der Test für das 24-Stunden-Rennen in Spa.

Luca Stolz

Sein vielleicht bitterstes Wochenende: Luca Stolz vor dem Start zum zweiten Rennen

Foto: Alexander Trienitz

Vor zwei Wochen siegte Stolz in der GT-World-Challenge Asia in Thailand - und am kommenden Wochenende geht es schon wieder weiter mit dem GTWCE-Langstrecken-Rennen in Le Castellet. Man darf nun gespannt sein, was die weitere DTM-Saison für ihn bringt.

Schlagen Stolz und HRT in Zandvoort zurück?

Denn bei allem Überdruss gibt es auch drei positive Nachrichten: Weil Mercedes-AMG von der Balance of Performance nicht gerade begünstigt war, konnte sich auch kein anderer Pilot der Marke mit dem Stern in Oschersleben so richtig in Szene setzen: Rookie Jusuf Owega liegt als Marken-Bester mit zehn Punkten auf Platz 13.

Der HRT-Mechaniker-Crew gelang am Sonntag bei Maini, der es bei seiner Aufholjagd immerhin noch auf Platz 15 schaffte, einer der schnellsten Boxenstopps, was nach den Strapazen der Woche nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Und: In Zandvoort, wo die DTM Ende Juni gastiert, hat das Team von Hubert Haupt immerhin schon Anfang März getestet, was wegen der Lärmschutzbeschränkungen gar nicht so einfach ist. Im Titelkampf ist also noch nichts verloren. Jetzt muss HRT zulegen.

Sven Haidinger

Mit Bildmaterial von Alexander Trienitz.

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