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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Timo Glock

Ben Dörr fährt sensationell aufs Podium, während Timo Glock erneut katastrophal in die Saison startet: Ist all das Zufall und was hat es mit Getriebe-Gate auf sich?

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Timo Glock

Kampf gegen Windmühlen? Glock muss zuschauen, wie sein Teamkollege glänzt

Foto: ADAC Motorsport

Liebe Leserinnen und Leser,

das Zandvoort-Wochenende war ein neuer Tiefpunkt bei Timo Glocks DTM-Comeback. Obwohl - oder gerade weil - bei seinem McLaren-Team Dörr großer Jubel herrschte: Teamyoungster Ben Dörr bescherte der Frankfurter Dörr-Truppe mit Platz zwei den ersten Podestplatz im dritten DTM-Jahr!

Und zwar mit einer furiosen Fahrt: Der 21-jährige Sohn von Teambesitzer Rainer Dörr, der erst seit 2023 GT3-Rennen fährt, verteidigte sich in den Schlussrunden wie ein abgezockter Routinier gegen Piloten wie den zweimaligen DTM-Champion Marco Wittmann, der davor mit dem BMW durchs Feld gepflügt war. Ben Dörr revanchierte sich damit für die Sachsenring-Disqualifikation 2025, als er Platz zwei verlor. Und Glock?

Der 44-Jährige hatte mit all dem nichts zu tun - und kam auf Platz 14 ins Ziel. Das passt zum Gesamtbild, das sich im Vergleich zum Vorjahr nicht maßgeblich geändert hat: Youngster Ben Dörr setzt die Highlights und hat in der Gesamtwertung als Sechster auch dieses Jahr bereits 42 Punkte gesammelt. Glock hat 13 Punkte auf dem Konto und ist abgeschlagener 16.

Seine bisherigen Platzierungen seit dem DTM-Comeback im Vorjahr: 20, 17, 10, 19, 10, 13, 22, 14, 11, 6, 15, 14 - dazu kommen sieben Ausfälle und eine Disqualifikation. Aber ist der langjährige BMW-Werksfahrer wirklich so schlecht?

Glock fuhr am Sonntag bei Ben Dörrs Erfolgsfahrt - sechs Runden vor Schluss und offenbar mit der Wut im Bauch - in 1:34.493 die schnellste Runde des Rennens, was zeigt, dass Potenzial da wäre. Doch nach der leidigen Diskussion im Vorjahr, ob sein Auto gleich gut ist wie das seines Teamkollegen, ist er auch dieses Jahr Opfer einer beispiellosen Pechserie.

Vier Rennen - und Pannen ohne Ende

Bereits beim offiziellen Test in Spielberg vor dem Saisonauftakt musste Glock den halben Tag in der Box Däumchen drehen, weil es Probleme an seinem Auto gab. Beim Freitagtraining in Spielberg war sein McLaren 720S GT3 Evo wegen eines Fehlers bei den Messinstrumenten um mehrere Millimeter zu hoch eingestellt. Die Erkenntnisse des Tages waren also unbrauchbar.

Dennoch fuhr Glock am Samstag mit Platz sechs sein bisher bestes McLaren-Ergebnis ein - und hätte sogar Vierter werden können, wäre er nicht für durchdrehende Räder beim Stopp bestraft worden. "Mein Fehler", nahm er die Angelegenheit auf seine Kappe. Am Sonntag wurde Glock nur 15. und war damit erneut langsamer als Dörr, aber auch die Boxenstopps waren mit 8,8 und 10,8 Sekunden nicht berühmt.

Glock lässt auf Instagram Dampf ab

In Zandvoort kehrte die Seuche zurück - und Glock machte seinem Ärger in einer Instagram-Story öffentlich Luft. "Freitag Freies Training 1 Probleme, Freitag Freies Training 2 Probleme, Qualifying Samstag 1 Probleme. Im Qualifying wegen Leistungsverlusts nicht gefahren", schrieb er am Samstag.

Was diesmal los war? Am Freitag gab es Probleme mit der Lenkung, weshalb sich offenbar die Spur verstellte. Im ersten Qualifying wurde Glock wegen eines gerissenen Turbolader-Gehäuses mit fast sieben Sekunden Rückstand Letzter. Im folgenden Rennen erlitt er nach einer Berührung mit Kelvin van der Linde einen Reifenschaden.

Und am Sonntag hatte er wie Ricardo Feller und Bastian Buus Qualifying das Pech, dass vor ihnen Tom Kalender von der Strecke abkam und Sand auf den Asphalt schleuderte - Startplatz 19 war die Folge.

Timo Glock

Schlagschrauber-Problem beim Stopp: Glock stand über 20 Sekunden

Foto: ADAC Motorsport

Im Rennen benötigte die Dörr-Crew für Glocks zweiten Boxenstopp 21,9 Sekunden. Ein Schlagschrauber flog laut dem Team "förmlich auseinander", weshalb man diesen wechselte. Im Ziel fehlten dem McLaren-Piloten 20,3 Sekunden auf Sieger Kelvin van der Linde - allein 15 hat er an der Box verloren.

Getriebe-Gate: Warum mussten Glocks Vertrauensleute gehen?

Während einige dieser Themen definitiv auf fehlendes Rennglück zurückzuführen sind, fällt auf, dass Teamkollege Ben Dörr so gut wie nie unter Problemen an seinem Fahrzeug leidet. Kann es wirklich sein, dass ihn das Team als Sohn des Teambesitzers besser behandelt und man Glock Steine in den Weg legt?

All das klingt nach einem schlechten Hollywood-Film. "Ich habe den Eindruck, dass Timo ein bisschen sensibel ist", hört man aus Teamkreisen hinter vorgehaltener Hand. Doch schon im Winter sorgte das Team, das dieses Jahr vom neuen GT3-Leiter Volker Strycek umgebaut wurde, für Verstimmung bei Glock.

Denn ausgerechnet sein Vertrauter Richard Selwin, mit dem er den GP2-Titel feierte, und der ihn Ende 2024 vom DTM-Comeback überzeugte, musste im Winter als Dörr-Chefingenieur gehen. Das galt auch für den von Glock ins Team geholten Renningenieur Kevin Mirocha, mit dem der Rennfahrer ein besonderes Vertrauensverhältnis hat.

Das Dörr-Team hat es nun selbst in der Hand

Interessant ist, dass Selwin und Mirocha im Vorjahr im Zuge des am Nürburgring durchgeführten Fahrzeugtausches offenbar draufkamen, dass Getriebe und Differenzial, mit denen Glock immer wieder Probleme hatte, weiter bei ihm blieben. Das habe sogar die Getriebenummer belegt. Die beiden sollen das Thema angesprochen haben - und mussten nach der Saison gehen.

All das belegt nicht, dass Glock, der einen Zweijahresvertrag beim Team hat, mit purer Absicht gebremst wird. Wenn man sich im Fahrerlager umhört, kann sich das kaum jemand vorstellen - abgesehen davon, dass bei Ben Dörr womöglich mehr Wert auf neuere Teile gelegt wird. Dennoch entsteht ein gewisser Beigeschmack.

Das Dörr-Team, das sich im dritten Jahr eines Dreijahresplans endgültig in der DTM etablieren will und Siege ins Visier nimmt, hat es nun selbst in der Hand, den Beweis zu erbringen, dass all das nicht stimmt. Und zwar, indem nicht nur ein Auto läuft, sondern auch beim anderen nicht ständig etwas schiefgeht.

Sven Haidinger

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